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Mobiles Lernen mit dem Smartphone

Das Smartphone ist inzwischen das meistgenutzte digitale Gerät. Wie es erfolgreich zum Lernen eingesetzt wird, zeigen Beispiele aus der Basisbildung.

Das Smartphone ist inzwischen das meistgenutzte digitale Gerät. Wie es erfolgreich zum Lernen eingesetzt werden kann, zeigen Beispiele aus der Basisbildung. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Person verwendet Handy.

Das Smartphone: Kulturzugangsgerät, Weltaneignungsgerät und Lernmittel

Smartphones sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Weltweit nutzen rund 3,5 Milliarden Menschen ein Smartphone. Im Rahmen des aktuellen D21 Digital-Index gaben 84% der Befragten an, ihr Smartphone regelmäßig beruflich oder privat zu nutzen. Im Vergleich dazu nutzen nur 66% regelmäßig einen Laptop und 47% einen Desktop-PC.

Mit dem Smartphone können wir lesen, schreiben, Medien ansehen und anhören, aber auch selbst produzieren und so unsere Lebenswelt mitgestalten. Die Medienpädagogin Lisa Rosa bezeichnet es daher auch als „Kulturzugangsgerät“, der Lehrer und Autor Bob Blume als „Weltaneignungsgerät“. Immer mehr Websites und Apps sind für die Nutzung per Smartphone optimiert, und auch in Bildungsveranstaltungen werden immer häufiger mobile Geräte eingesetzt.

Gründe für mobiles Lernen mit dem Smartphone fasste der BITKOM-Arbeitskreis Learning Solutions bereits 2014 in einem Whitepaper zusammen – unter anderem die hohe Flexibilität, die sich durch zeit- und ortsunabhängiges Lernen ergibt, aber auch die Orientierung an den Nutzungsgewohnheiten der Lernenden sind hier zu nennen. Diese Lebensweltorientierung kann besonders motivationsfördernd wirken, wie die Bildungswissenschafterin Ilka Koppel kürzlich in einem DigiTalk von erwachsenenbildung.at betonte.

Corona-Lockdown als Ansatzpunkt für mobiles Lernen

Während die Potentiale des mobilen Lernens seit mehreren Jahren bekannt sind, stellte der Corona-bedingte Lockdown für viele ErwachsenenbildnerInnen einen konkreten Anlass dar, das Smartphone zum Lernen einzusetzen. Besonders in Bildungssettings, in denen die Teilnehmenden keinen eigenen PC zur Verfügung haben – wie etwa in der Basisbildung – stellte das Smartphone das primäre Arbeitsgerät dar. Elisabeth Lasser vom Kärntner Bildungswerk beschreibt exemplarisch in einem Blogbeitrag, wie Distance Learning in der Basisbildung gelingen kann.

Smartphone-basiertes Kursformat aus der Basisbildung

Beim Grazer Verein Danaida werden Smartphone bereits seit Jahren in Präsenzkursen eingesetzt – etwa in Form von Lern-Apps und Kommunikationstools. Mit dem Umstieg auf Distance Learning entwickelte der Verein ein Format für das Lernen mit dem Smartphone, das sich aus vier Infrastruktur-Elementen zusammensetzt:

Eine Messenger-App holt die Teilnehmenden bei ihren Nutzungsgewohnheiten ab und sorgt dafür, dass der Kontakt mit der Kursleitung sowie untereinander bestehen bleibt. In einer Messenger-Gruppe können Inhalte als Textnachricht, Sprachnachricht, Bild, Link oder Video übermittelt werden.

An einem zentralen Ort im Web – beispielsweise einer einfachen Website – ist für die Teilnehmenden eine Übersicht über alle wichtigen Dokumente und Aufgaben hinterlegt. Das bietet Orientierung und Struktur über den Kursfortschritt.

Live-Online-Meetings – etwa per Zoom oder Eyeson – stellen einen Fixpunkt im Kurs dar. Sie können beispielsweise für einen gemeinsamen Kursstart genutzt werden, um Aufgaben zu erläutern und Fragen von Teilnehmenden zu klären. Beim Teilen von Präsentationen oder Inhalten sollte die Kursleitung darauf achten, große Schriftarten zu verwenden, die am kleinen Smartphone-Bildschirm für die Teilnehmenden gut sichtbar sind.

Lern-Apps mit vorgegebenen Inhalten können verwendet werden, um etwa Vokabel zu trainieren oder das Gelernte zu üben und zu verfestigen. 

Dieses Kursformat eignet sich für Distance Learning, kann aber auch als Ausgangspunkt für Blended Learning-Formate dienen – beispielsweise, wenn nach einem Lockdown wieder Treffen in Kleingruppen möglich sind. Dann können beispielsweise Live-Online-Meetings durch Präsenztreffen ersetzt oder individuelle Lerncoachings in Präsenz angeboten werden.

Herausforderungen für Lehrende und Lernende

Die Erfahrungen aus den Lockdowns zeigen, wie erfolgreich mobile Formate mit Smartphone-Unterstützung sein können. Jedoch gilt es auch mögliche Fallstricke und Herausforderungen zu überwinden. So besteht in Onlinephasen häufig ein gewisses Ablenkungspotential, wenn Teilnehmende in ihren Familien gefordert sind – hier kann beispielsweise in Form von Einzelchats oder (Präsenz-)Einzelcoachings zusätzliche Unterstützung angeboten werden. Für viele Lernende ist das Arbeiten am kleinen Smartphone-Bildschirm herausfordernd – ein Methodenwechsel, etwa hin zu Audioaufnahmen oder Schreibübungen, kann hier vorteilhaft sein.

Auch für die Kursleitenden ist es herausfordernd, den Überblick über technologische Entwicklungen zu bewahren und ihre Teilnehmenden teils intensiv zu betreuen. Sie benötigen Unterstützung von ihren Einrichtungen, etwa in Form von Dienstgeräten und Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch eine zeitliche Abgrenzung und angemessene Abgeltung der Vorbereitungszeiten (auch für Online- und Blended Learning-Formate) ist wichtig.

Wie wird das Lernen mit dem Smartphone in Zukunft aussehen?

Auch wenn Distance Learning in Zukunft kein pandemiebedingtes Erfordernis mehr darstellen sollte, das Smartphone als Lernmittel wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Dies gilt besonders für Bereiche wie die Basisbildung, bei der das Smartphone häufig das einzige „Kulturzugangsgerät“ der Teilnehmenden darstellt. Das Smartphone als Lernmittel anzuerkennen und auch in Präsenz- und Blended-Learning-Settings einzubinden, kann den Zugang zur digitalisierten Gesellschaft und die Lernmotivation der Teilnehmenden fördern.


Weitere Informationen:


Text/Author of original article in German: Karin Kulmer/CONEDU

Redaktion/Editing of original article in German: Lucia Paar/CONEDU

Bilder/Pictures: Pixabay-Lizenz, lesson, https://pixabay.com 

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