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Mit GRETA Kompetenzen von Lehrenden anerkennen und weiterentwickeln

Sie arbeiten als Lehrkraft in der Erwachsenenbildung und möchten Ihre Kompetenzen als Lehrende*r überprüfen und anerkennen lassen? Im Beitrag stellen wir Ihnen das Anerkennungsverfahren von GRETA vor und zeigen, wie das Instrument zur eigenen Standortbestimmung genutzt werden kann.

Lesedauer ca. 8,5 Minuten – Lesen, Liken, Kommentieren.


GRETA Logo
Unter dem Slogan „GRETA – kompetent handeln in Training, Kurs und Seminar“ wird seit 2018 ein so genanntes Anerkennungsverfahren von Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung angeboten, mit dem Ziel, die Leistungen der vielen engagierten Lehrkräfte in der Erwachsenen- und Weiterbildung öffentlich sichtbar zu machen indem sie die Möglichkeiten erhalten, ihre informell erworbenen Kompetenzen anzuerkennen. Das Angebot ist für Lehrende noch bis Ende der Projektlaufzeit von GRETA im November 2021 kostenfrei nutzbar und wird hier kurz vorgestellt.

 

Wie kommt es zu dem Namen GRETA?

Die Namensgleichheit mit der Umweltaktivistin Greta Thunberg ist reiner Zufall, in der Tat gab es das Projekt schon vor Greta Thunbergs berühmten "Skolstrejk för klimatet" (Schulstreik für das Klima).Der Name „GRETA“ steht für den Projekttitel „Grundlagen für die Entwicklung eines trägerübergreifenden Anerkennungsverfahrens von Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung“. Zusammen mit sieben Dachverbänden der Erwachsenen- und Weiterbildung wurden im Projekt GRETA Instrumente und Verfahren entwickelt, mit denen Lehrende ihre Kompetenzen anerkennen und gezielt ausbauen können. Aktuell befinden wir uns in der zweiten Projektphase, in der wir die entwickelten Instrumente bis November 2021 pilotieren.

Wer sind die Lehrenden?

Zahlenmäßig gehen wir von etwa 530.000 Personen in Deutschland aus, die lehrend tätig und dabei sehr unterschiedlich qualifiziert sind. Aus der Forschung des DIE zum Personal in der Weiterbildung (vgl. Autorengruppe Personalmonitor 2017) wissen wir, dass die meisten in der Weiterbildung Tätigen keinen formalen pädagogischen Berufsabschluss besitzen. Ebenso konnte gezeigt werden, dass 59,2 Prozent der Weiterbildungsbeschäftigten zwar über mindestens eine Zusatzqualifikation verfügen, darunter sind aber viele, die sie nicht auf eine Dozententätigkeit in der Weiterbildung vorbereiten.

Ziel unseres Projektes ist es, Lehrenden die Möglichkeit zu geben, über ihre überfachlichen pädagogischen Kompetenzen zu reflektieren und ihnen dafür eine Anerkennung in Form einer Kompetenzbilanz zu geben.

Was genau wird den Lehrenden angeboten?

Kern des Anerkennungsverfahrens stellt das GRETA-Kompetenzmodell dar. Es wurde in mehreren Schritten wissenschaftlich unter Einbezug von Praktikerinnen und Praktikern entwickelt. Es enthält alle wesentlichen Kompetenzen, um gut lehren zu können.

GRETA-Kompetenzmodell

Abbildung 1: GRETA-Kompetenzmodell

Das Modell ist ganzheitlich ausgelegt, d.h. es umfasst neben Wissen und Können auch Werte und Überzeugungen sowie den Aspekt der professionellen Selbststeuerung. Insgesamt ergeben sich so vier Kompetenzaspekte (äußerer Kreis), die wiederum in Kompetenzbereiche (innerer Kreis) und -facetten (mittlerer Kreis) untergliedert sind.

Ein Beispiel dazu: die Kompetenzfacette „Lernberatung“ gehört zum Kompetenzbereich Beratung, der wiederum dem Kompetenzaspekt Berufspraktisches Wissen und Können zugeordnet ist.

In einer Handreichung werden die die einzelnen Begriffe des Modells ausführlich beschrieben und definiert.

 

Das PortfolioPlus als Instrument zur Validierung von Kompetenzen

Darauf aufbauend wurde das PortfolioPlus entwickelt, eine Art Fragebogen, der von den Lehrenden online ausgefüllt wird. Er enthält offene Fragen zu allen vier Aspekten des Modells sowie multiple Choice-Fragen, bei denen eine oder mehrere Antworten richtig sein können. Gefragt wird aber nicht konkret nach den abstrakten Begriffen aus dem Modell. Die Fragen orientieren sich vielmehr an typischen Anforderungssituationen bei der Planung, Durchführung und Evaluation von Lehr-Lern-Angeboten.

In Kombination mit Fragen zum Thema „Meine Rolle als Lehrende oder Lehrender“ werden die relevanten Aspekte des pädagogischen Handelns eines Lehrenden in vier Kapiteln abgefragt:

  1. Meine Rolle als Lehrende oder Lehrender
  2. Angebote konzipieren
  3. Angebote umsetzen
  4. Angebote nachbereiten

Die Fragen beziehen sich auf zwei Anforderungsniveaus, einer Basis- und Aufbaustufe.

  • Fragen auf Basisstufe können von allen Lehrenden in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung, unabhängig vom Fach, Bildungsbereich, Erfahrungshintergrund, Beschäftigungsverhältnis und –umfang bearbeitet worden. 
  • Fragen auf Aufbaustufe sind zusätzliche Fragen für Lehrende, die sich noch tiefer mit ihren Kompetenzen auseinandersetzen möchten. Die Aufbaustufe ist dann insofern interessant, wenn Lehrende eine mehrjährige Berufserfahrung oder eine pädagogische Ausbildung mitbringen.

 

Welche Rolle spielen medienpädagogische Kompetenzen?

Digitale Medien sind mittlerweile aus der Weiterbildung nicht mehr wegzudenken. Wir wissen, dass medienpädagogische Kompetenzen ebenfalls zum Repertoire von Lehrenden gehören. Insbesondere in Zeiten der Pandemie sind Lehrende besonders herausgefordert, Angebote auch digital zu konzipieren und durchzuführen. Lehrende finden im PortfolioPlus daher auch Fragen, die auf ihre digitalen Kompetenzen abzielen. Dazu wurden Fragen aus einem im Projekt MEKWEP entstandenen Fragebogen zur Erfassung der digitalen Kompetenzen von Lehrenden in der Weiterbildung eingebunden. Mehr Informationen zu MEKWEP finden Sie auf unserer Webseite unter PortfolioPlus.

Beispielfrage aus Kapitel 3: Angebote umsetzen / Basisstufe

Was sollten Sie bei der Gestaltung von digitalen Lernumgebungen berücksichtigen?

  1. Die Technik darf kein Hindernis darstellen und muss funktionieren.
  2. Die Lernplattform muss leicht nutzbar sein und sollte kein Lernhindernis darstellen.
  3. Ich muss mir Gedanken machen, wie ich Lernprozesse virtuell unterstützen kann.
  4. Ich muss den Inhalt an der Lernumgebung ausrichten
  5. Der Lerninhalt muss für eine digitale Lernumgebung geeignet sein.
  6. Nichts, da die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Lernumgebungen es mir ermöglichen, meine Präsenzveranstaltungen wie gehabt online umzusetzen.

Was passiert mit einem ausgefüllten PortfolioPlus?

Das von den Lehrenden selbst ausgefüllte PortfolioPlus wird anschließend von eigens dafür geschulten Beraterinnen und Beratern begutachtet, die ebenfalls in der Erwachsenenbildung arbeiten. Im nächsten Schritt erhalten Lehrende eine individuelle Kompetenzbilanz. Zusätzlich führen sie mit dem Gutachter bzw. der Gutachterin ein Feedbackgespräch über die Ergebnisse der Bilanz und ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Letzteres schätzen die Lehrenden als eine wertvolle Gelegenheit, in einem geschützten Rahmen über ihre Entwicklungspotenziale zu sprechen. Denn auch das zeigt unsere Forschung zum Personal in der Weiterbildung am DIE: Lehrende nehmen sehr häufig Angebote zum Lebenslangen Lernen wahr. Ihre Beteiligungsquote liegt mit 77,7 Prozent sogar deutlich über derjenigen aller Erwerbstätigen, die 2014 laut Adult Education Survey (AES) bei 58 Prozent lag (vgl. Autorengruppe Personalmonitor 2017, S.125).

 

Anerkennungsverfahren

Abbildung 2: GRETA-Anerkennungsverfahren

Gibt es alternativ ein schlankeres Verfahren?

Lehrende, die ohne eine Begutachtung über ihre Kompetenzen reflektieren wollen, nutzen den GRETA-Reflexionsbogen. Dabei handelt es sich ebenso um einen Fragebogen, der Lehrenden eine erste Auseinandersetzung mit den eigenen pädagogischen Kompetenzen bietet. Er basiert auf dem GRETA-Kompetenzmodell und stellt Fragen zur Planung, Umsetzung und Nachbereitung von Angeboten sowie zum eigenen Rollenverständnis und zu pädagogischen Werten. Somit wird eine Reflexion der Anforderungen an die Lehrtätigkeit und der eigenen Kompetenzen in Gang gesetzt. Die Bearbeitung des GRETA-Reflexionsbogens dient ausschließlich der eigenen Standortbestimmung und im Gegensatz zum PortfolioPlus werden die Antworten nicht bewertet. Die Fragen eignen sich sowohl zur alleinigen Bearbeitung als auch zur Beantwortung in einer Gruppe, beispielsweise im Rahmen von Fortbildungen für Lehrende.

GRETA-Reflexionsbogen

Abbildung 3: GRETA-Reflexionsbogen

Was hat GRETA mit der Vermittlung von Grundfertigkeiten zu tun?

Unabhängig vom Fach und vom zu lehrenden Inhalt tragen gut qualifizierte und reflektierte Lehrende einen wesentlichen Teil zur Qualität des Lehr-Lern-Angebots bei. Dazu bietet GRETA verschiedene Möglichkeiten an, wie oben dargestellt. Insbesondere die Ausrichtung an einem typischen pädagogischen Handlungsablauf zielt darauf ab, die eigene pädagogische Praxis an eigenen oder fremden Beispielen zu reflektieren und zu hinterfragen. Im Feedbackgespräch geht es neben einer Rückmeldung der Ergebnisse der Kompetenzbilanz vor allem auch um die professionelle Weiterentwicklung der Lehrenden. Alles mit dem Ziel, Angebote zukünftig besser durchzuführen und das Lernen von Erwachsenen zu verbessern.

Welchen Nutzen bringt GRETA?

Eine Anerkennung von Kompetenzen Lehrender bieten sowohl Lehrenden als auch Einrichtungen Nutzen.

Lehrende erhalten…

  • die Möglichkeit einer systematischen Reflexion ihrer eigenen Kompetenzen,
  • einen Nachweis über ihre individuellen Lehrkompetenzen,
  • Anerkennung für das professionelle Wissen und Können,
  • eine Beratung zur eigenen professionellen Weiterentwicklung,
  • Hinweise für ihre individuelle Karriereplanung,
  • die Möglichkeit einer langfristig verbesserten Wettbewerbsfähigkeit.

Einrichtungen können…

  • eine Orientierung über Kompetenzanforderungen erhalten,
  • Personal strukturiert rekrutieren,
  • ihre Personal- und Organisationsentwicklung strategisch betreiben,
  • eine Bestandsaufnahme der Kompetenzen ihres Lehrpersonals vornehmen,
  • die Qualität ihres Lehrpersonals ausweisen,
  • Train-the-Trainer-Angebote entwickeln oder weiterentwickeln.

Was möchte GRETA noch erreichen?

Die GRETA-Produkte werden als wichtige Voraussetzung gesehen, um den Status der Lehrenden und der Weiterbildung insgesamt aufzuwerten, die Professionalität des Lehrpersonals zu erhöhen und einen nachhaltigen Beitrag zur Professionalisierung in der Erwachsenen- und Weiterbildung zu leisten. Der besondere Mehrwert der entwickelten Produkte besteht in einer – im Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung bisher nicht dagewesenen – trägerübergreifenden Zusammenarbeit, in der Partikularinteressen zugunsten einer feldweiten Professionalitätsentwicklung zurücktreten.

Was kostet das Verfahren und wo erhalte ich Informationen?

Alle Produkte können kostenfrei von Lehrenden genutzt werden. Insbesondere in Zeiten geringerer Aufträge bietet das Verfahren Lehrenden eine Möglichkeit, sich gezielt weiter zu qualifizieren. 

Bei Interesse kontaktieren Sie uns unter greta@die-bonn.de

Informationen zum Projekt erhalten Sie hier.

 


Über die Autorinnen

Brigitte Bosche ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenbildung in der Abteilung Wissenstransfer. Sie beschäftigt sich mit der Anerkennung von Kompetenzen im Projekt GRETA aber auch im ProfilPASS sowie mit Fragen eines gelungenen Wissenstransfers.

Dr. Anne Strauch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenbildung in der Abteilung „Lehre, Lernen, Beraten“. Sie ist Projektkoordinatorin im Projekt GRETA und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Themen der Kompetenzfeststellung und Professionalisierung des Lehrpersonals.

 


Literaturhinweise

Autorengruppe wb-personalmonitor [Martin, A., Lencer, S., Schrader, J., Koscheck, S., Ohly, H., Dobischat, R., Elias, A. & Rosendahl, A.] (Hrsg.). (2016). Das Personal in der Weiterbildung. Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, Qualifikationen, Einstellungen zu Arbeit und Beruf. Bielefeld: W. Bertelsmann. https://www.die-bonn.de/doks/2017-weiterbildner-01.pdf

Strauch, A., Alberti, V. & Schneider, M. (2020). Professionelle Handlungskompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung anerkennen mit dem GRETA PortfolioPlus. Hessische Blätter für Volksbildung, 70(1), 90–98. https://doi.org/10.3278/HBV2001W010

Bosche, B., Strauch, A., Schneider, M. & Brandt, P. (2019). GRETA-Anerkennungsverfahren: adaptiv statt one-fits-all. Kompetenzvalidierung von Lehrenden zwischen diversen Ansprüchen und Nutzenvorstellungen. Magazin erwachsenenbildung.at, 37, 06-1–06-11. Verfügbar unter: http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-178253

Strauch, A., Lencer, S., Bosche, B., Gladkova, V., Schneider, M. & Trevino-Eberhard, D. (2019). GRETA – kompetent handeln in Training, Kurs & Seminar: das GRETA-Kompetenzmodell (Online-Erstveröffentlichung, Stand Informationen: April 2019). Bonn: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung. http://www.die-bonn.de/id/37005

Lencer, S. & Strauch, A. (2016). Das GRETA-Kompetenzmodell für Lehrende in der Erwachsenen- und Weiterbildung (texte-online). Zugriff am 09.02.2017. Verfügbar unter https://www.die-bonn.de/doks/2016-erwachsenenbildung-02.pdf

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