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Langfristige Mobilität für junge Erwachsene in der beruflichen Bildung: Herausforderungen und Chancen

07/01/2019
by Rumen HALACHEV
Sprache: DE
Document available also in: EN PL HU EL SL FR IT ES CS

/de/file/long-duration-learning-mobilityLong duration learning mobility

Long duration learning mobility

 

Im Juni 2018 unterstützten Mitglieder des britischen ECVET-Expertenteams die an der beruflichen Mobilität beteiligten Akteure dabei, die Herausforderungen und Lösungen im Zusammenhang mit der langfristigen Lernmobilität, einem Ziel des Erasmus+-Programms, zu ermitteln. Der thematische EPALE-Koordinator Andrew McCoshan half bei der Durchführung des Workshops und berichtet über die wichtigsten Ergebnisse im Zusammenhang mit Lernenden und Arbeitgebern.

 

Immer häufiger absolvieren junge Menschen einen Auslandsaufenthalt entweder im Rahmen einer Ausbildung oder einer Berufsausbildung oder nachdem sie kurz zuvor einen Abschluss erlangt haben. Bisher beliefen sich diese Aufenthalte nur auf einige Tage oder höchstens 2-3 Wochen. In den nächsten Jahren wird Erasmus+ jedoch eine Kofinanzierung für längere Mobilitätszeiträume von bis zu mehreren Monaten bereitstellen.

Solche längeren Mobilitätszeiträume bieten den Lernenden die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu vertiefen und/oder ein breites Spektrum von Kompetenzen abzudecken. Für Arbeitgeber bietet die Entsendung von Auszubildenden/Lernenden ins Ausland einen höheren Return on Investment, während Arbeitgeber, die Lernende aufnehmen, von neuen Ideen, Verbesserungen der Arbeitspraktiken und einem verbesserten interkulturellen Verständnis der Arbeitnehmer vor Ort profitieren können. Aber längere Auslandsaufenthalte stellen auch Herausforderungen dar. Welche sind es und wie können sie bewältigt werden?

 

Die Herausforderungen der Lernenden – es geht nicht nur um den Arbeitsplatz!

Aus bildungspolitischer Sicht dürften die Probleme, die für die Lernenden von Belang sind, darin bestehen, wie Fähigkeiten identifiziert und wirksam validiert werden können. Dies kann nicht nur für die beruflichen Kompetenzen, sondern auch für die sozialen Kompetenzen von Bedeutung sein. Herausforderungen können sich auch beim erhöhten Verwaltungsaufwand bei der Erhebung von Nachweisen für die Validierung ergeben. Die Lernenden benötigen dafür Unterstützung, und diese kann für sie schwieriger zu finden sein.

Aber viele Herausforderungen, denen sich die Lernenden eventuell stellen müssen, werden sich wahrscheinlich auf andere Themen wie z. B. finanzielle Belange konzentrieren. Lernende in Teilzeitarbeit müssen diese möglicherweise aufgeben, sodass eine wichtige Frage sein wird, ob sie sich das leisten können. Es gibt auch Fragen zur Verwaltung von Geld im Allgemeinen (für einige Lernende kann dies das erste Mal außerhalb ihrer Heimat sein) und insbesondere zum Umgang mit Ausgaben im Ausland.

Es wird auch persönliche Themen geben, mit denen man sich befassen muss. Im Hintergrund schwelende persönliche Probleme können durch langfristige Mobilität noch stärker hervortreten. Wenn jemand zu Hause keine Arbeit findet, verliert er eventuell an Selbstvertrauen. Solche Faktoren können wichtig sein, da die Langzeitmobilität sie wahrscheinlich deutlich weiter aus ausgetretenen Bahnen herausschiebt und mehr Herausforderungen bereithält als die Kurzzeitmobilität.

Für alle Lernenden sind Ängste vor Sprachbarrieren, Kulturschock und das Fehlen der kleinen alltäglichen Dinge von zuhause wahrscheinlich wichtige Faktoren – „Wie funktioniert die Spülmaschine?“, „Wer macht meine Wäsche?!“. Aus der Sicht eines Jugendlichen sind 2-3 Monate eventuell eine sehr lange Zeit. Einsamkeit kann auch ein Problem sein.

Doch all diese „grauen Wolken“ der Herausforderungen haben auch eine positive Seite. In erster Linie bieten alle genannten Herausforderungen den Lernenden auch die Möglichkeit, neben den beruflichen Fähigkeiten, die sie erwerben können, neue soziale/bereichsübergreifende Fähigkeiten zu entwickeln. Wir müssen sicherstellen, dass wir Systeme zur Erfassung und Validierung dieser Fähigkeiten entwickeln, worauf wir an anderer Stelle zurückkommen werden.

 

Herausforderungen für die Arbeitgeber – worin besteht der Mehrwert?

Arbeitgeber können sowohl als Unternehmen, das Lernende aussendet, als auch als Unternehmen, das Lernende aufnimmt, vor Herausforderungen stehen. Als aussendendes Unternehmen können Arbeitgeber den Wert der Zahlungen für einen Arbeitnehmer, der so lange weg ist, und die Suche nach einer Vertretung während seiner Abwesenheit in Frage stellen. Es können auch Fragen hinsichtlich der Qualität der Berufserfahrung aufkommen, die der Lernende im Ausland erhält.

Außerdem kann es zu Zweifeln kommen, ob das, was der Lernende im Ausland lernen kann, auch zum Unternehmen passt und wie es mit dem zusammenhängt, was er zu Hause lernen wird und wann er es lernen wird. Die richtige Reihenfolge ist ein bedeutenderes Thema, wenn es um langfristige Kompetenzen geht.

Die Qualität der Prozesse zur Beurteilung von Kompetenzen kann auch ein Problem darstellen: Können Arbeitgeber auf diese im Ausland durchgeführten Prozesse genauso vertrauen wie auf die, die zu Hause durchgeführt werden?

Viele dieser Fragen sind auch für Arbeitgeber relevant, die Lernende aus dem Ausland aufnehmen. Aber es gibt auch andere Probleme. Die Arbeitgeber werden sich Sorgen um die Qualität der Lernenden machen, die sie aufnehmen, und sie müssen sich vergewissern, dass es überzeugende Auswahlverfahren gibt. Sie werden auch Fragen zum Umfang der zwischenmenschlichen Sorge haben, die von ihnen erwartet werden kann, insbesondere wenn diese „außerhalb der Arbeitszeit“ liegt. Und da ist noch das wichtige Thema Gesundheit und Sicherheit, Versicherung und Absicherung, das ebenfalls berücksichtigt werden muss.

 

Die Herausforderungen bewältigen

Solche Herausforderungen mögen entmutigend erscheinen, aber es gibt Lösungen. Die Teilnehmer des Workshops formulierten eine Reihe von Ideen:

  • Förderung des Mehrwerts von Langzeitmobilität im Vergleich zu Kurzzeitmobilität für Lernende und Arbeitgeber
  • Schaffung von Mechanismen zur Ermittlung der spezifischen Bedürfnisse und Situationen der Teilnehmer und Sicherstellung der zwischenmenschlichen Unterstützung, um diesen gerecht zu werden, sowie von spezifischen Maßnahmen wie der Finanzierung von kurzen Reisen ins Heimatland während des Mobilitätszeitraums
  • Erwägung (und Ermöglichung) der Teilnahme des Arbeitgebers an Besuchen im Zielland zu Planungszwecken
  • Einbeziehung von Arbeitgebern und Lernenden sowie von Anbietern der beruflichen Bildung in die Mitgestaltungssysteme und -verfahren zur Dokumentation des Lernens, um Vertrauen aufzubauen und die Akzeptanz von Validierungsverfahren zu erhöhen
  • Erwägung der Entwicklung eines eigenständigen Moduls zu internationaler Berufserfahrung, das insbesondere soziale/transversale Fähigkeiten umfasst

Es gibt auch Organisationen in ganz Europa, die über die Erfahrung verfügen, Langzeitmobilität erfolgreich umzusetzen, oft für Gruppen von Menschen, die möglicherweise erhebliche Unterstützung benötigen. So haben beispielsweise Organisationen in Spanien und Deutschland erfolgreich langfristige Mobilitätsmöglichkeiten für Alleinerziehende umgesetzt. Diese Organisationen sind Teil eines Netzwerks des Europäischen Sozialfonds, und dessen Leitfaden enthält viele nützliche Erkenntnisse darüber, wie mit den oben genannten Fragen umzugehen ist.


Andrew McCoshan ist seit über 30 Jahren im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung tätig. Seit mehr als 15 Jahren führt er Studien und Bewertungen für die EU durch, zuvor war er als Berater im Vereinigten Königreich tätig. Andrew McCoshan ist derzeit ECVET-Experte für das Vereinigte Königreich, unabhängiger Forscher und Berater und Senior Research Associate am Educational Disadvantage Centre der Dublin City University in Irland.

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1 - 2 von 2 anzeigen
  • Bild des Benutzers Pirmin Vlaho
    ...being abroad could also be the subject of fast learning processes: because the learner is in another country means he is facing many (sometimes unpleasant) challenges. The learner has to find ways to meet them -- and I am sure he will. But the challenges must not be too high. I think it makes sense if the learner receives meaningful support, but at the same time it should not take the challenges away from him.
  • Bild des Benutzers Anna NIKOWSKA
    Very interesting article. 
    Could these conclusions apply to adults (25+) Is learning mobility of adults possible and if yes what does it require?