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Blog

LES BRIGADES SOLIDAIRES, eine konkrete Antwort auf Probleme im Gaststättengewerbe

25/01/2021
von David LOPEZ
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

[Übersetzung (Französich - Deutsch) : EPALE Frankreich]

 

Angesichts der mangelnden Arbeitsstellen und der Notwendigkeit, die Qualität im Gaststättengewerbe weiterzuentwickeln, haben sich drei sich ergänzende Partner der Branche zusammengeschlossen, um konkrete Antworten für eine Gruppe von Lernenden, aber auch für die Branche selbst anzubieten. Die Besonderheit in den Departements Nord und Pas de Calais besteht im Aufbau von Kursen, die den Bedürfnissen für den Erwerb spezifischer Kompetenzen in den Berufen sowie den Bedürfnissen für transversale, soziale und relationale Kompetenzen entsprechen.

 

  1. Die Protagonisten.

Die Kooperation war für diese drei Organisationen nicht von vornherein natürlich. Ein Branchenverband, eine Ausbildungsstätte und ein Verband für Volksbildung beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln, um umfassende Antworten auf die Probleme von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit und die qualitative Entwicklung des Gaststättengewerbes zu finden.

Der Branchenverband UMIH (Union des Métiers des Industries de l'Hôtellerie) vertritt, verteidigt und fördert Selbstständige aus dem Hotel-, Restaurant-, Bar-, Café-, Brasserie-, Nightlife- und Saisongewerbe in allen Regionen und Departements Frankreichs. In dem Verband sind 72 % der unabhängigen organisierten Betriebe zusammengeschlossen. Bei diesem Projekt handelt es sich um den Gebietsverband Nord - Pas de Calais.  https://umih.fr/fr/lUMIH/network-map/adherent/UMIH-du-Pas-de-Calais

„A l'Ecole des Chefs“ ist eine Ausbildungsstätte, die sich auf das Restaurant- und Gaststättengewerbe spezialisiert hat.  Die angebotenen Kurse bestehen aus einer technischen Ausbildung, die sich auf die Umsetzung und Beherrschung der professionellen Gesten und die Kenntnis der professionellen Kultur der Zielberufe konzentriert. Die Schulungen sind anerkannt und werden von Fachleuten geleitet, die für ihr hohes Maß an Fachwissen und ihren starken Willen, ihr Wissen weiterzugeben, bekannt sind. https://alecoledeschefs.com/

 

 

Ligue de l’enseignement (Bildungsliga) ist ein nationaler Verband. Der Verein wurde  ursprünglich 1866 von Republikanern gegründet, denen es ein Anliegen war, allen Menschen den Zugang zu Bildung und Kultur zu ermöglichen, und ist heute eine große Volksbildungsbewegung, die eine Ergänzung zur öffentlichen, säkularen und unabhängigen Schule darstellt. Die Ligue de l'Enseignement bringt Männer und Frauen zusammen, die sich tagtäglich dafür einsetzen, Bürgerrechte mit Leben zu füllen, indem sie den Zugang aller zu Bildung, Kultur, Freizeit und Sport fördern. Die Regionalgruppe und die beiden Verbände der Regionen Nord und Pas-de-Calais haben ein Förderprogramm für Vereine und Kommunen entwickelt, die Bildungs-, Kultur-, Sport- oder Freizeitaktivitäten für die Bewohner der Region organisieren. Heute besteht das Netzwerk aus rund 2000 Vereinen und 110.000 Mitgliedern in der gesamten Region. Viele Freiwilligen arbeiten regelmäßig zusamen mit festangestellten Mitarbeiter*innenhttp://www.laligue-npdc.org/

 

 

  1. Das Projekt.

Ziel ist es, einen koordinierten Ausbildungsweg für Menschen einzurichten, die weit oder sehr weit von einer Beschäftigung entfernt sind. In weniger als 100 Tagen (97 um genau zu sein) werden sogenannte „Solidaritätsbrigaden“ für das Hotel- und Gaststättengewerbe ausgebildet. Für 2021 und 2022 sind mehr als 50 Sitzungen geplant. Die Schulungen richten sich nach dem vom Branchenverband und seinen Partnern in den Zielgebieten ermittelten Bedarf (Calais, Montreuil, Lens, Noeux les mines, Métropole Lilloise, Hazebrouck, Arrageois - Bapaume). Danach werden Lenkungsausschüsse gebildet. Die in Ausbildung befindlichen Personen werden von den spezialisierten Beschäftigungs- und Ausbildungsstellen (Arbeitsämter, lokale Niederlassungen usw.) identifiziert.

              Eine Schulung setzt sich aus 3 Phasen zusammen:

  1. „übertragbare Fähigkeiten“ (41 Tage). Es ist wichtig, mit diesem Aspekt zu beginnen. Konsolidierung der grundlegenden Kenntnisse und Kompetenzen, die Bestätigung der beruflichen Orientierung, nach einer Einführung in die verschiedenen Berufsfelder im Hotel- und Gaststättengewerbes, Übungen zum angemessenen Auftreten, all diese Aspekte dienen dazu, die Arbeitsabläufe zu erlernen und Selbstvertrauen zu gewinnen. Persönliche Entwicklung, Kenntnisse zu sozialen Netzwerke und Informationen, der Begriff des Säkularismus, der Kampf gegen Diskriminierung werden integrale Bestandteile dieses letzten Punktes sein. Und darüber hinaus helfen künstlerische Praktiken und Rollenspiele dabei, die Techniken zur Arbeitssuche zu erlernen, und Selbstvertrauen aufzubauen. Diese Phase wird von der Ligue de l'enseignement durchgeführt:
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  2. Einführung in Grundlagen / Berufe (40 Tage). Ein gemeinsamer Grundkurs mit 91 Stunden, der die Themen nachhaltige Entwicklung, ökologischer Übergang, Ernährungssicherheit und Sicherheit von Menschen und Orten, beruflicher Zusammenhalt, Versorgungsketten umfasst und für alle Lernenden verfügbar ist. Anschließend werden zwei verschiedene Kurse mit je 189 Stunden für Küche und Zimmerservice angeboten. Die Schulung wird von „A l'Ecole des Chefs“ durchgeführt:
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  3. ein 17-tägiges Praktikum in einem Betrieb wird von „A l'Ecole des Chefs“ durchgeführt. 
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  4. Abschließend wird in den Betrieben in den betreffenden Gebieten ein von UMIH unterstützter 6- bis 12-monatiger Ausbildungsvertrag abgeschlossen.

Jeder Partner ist für die Durchführung einer Phase verantwortlich ist, gemeinsam verpflichten sich alle Partner, die pädagogische Konsistenz des gesamten Kurses sicherzustellen. Die gemeinsame Zielsetzung, die Berücksichtigung und Integration der Öffentlichkeit in diesen Berufen durch eine Änderung der Fördermethoden zu verbessern, ist klar formuliert und wird in einem gemeinsamen Lenkungsausschuss umgesetzt.

Im Kontext der Gewalt nach der Ermordung von Samuel PATY setzen sich die 3 Organisationen dafür ein, dass alle eine „Charta des Zusammenlebens und des Laizismus“ unterschreiben, welche die Freiheit garantiert, unter Beachtung der Grundwerte Frankreich zu sprechen, zu tun, zu glauben oder nicht zu glauben.

  1. INTERVIEW MIT STEPHANE DELRUE („A l'Ecole des Chefs“)

David LOPEZ: Stéphane, inwiefern ist diese Partnerschaft speziell in Ihrer Region innovativ und in der heutigen Krise für das Gastgewerbe von besonderem Nutzen?

Dieses Projekt zeichnet sich ist in erster Linie durch die Zusammenarbeit und die Komplementarität verschiedener Akteure aus der Welt der Wirtschaft und der Ausbildung aus, die die gleiche Philosophie und die gleichen Werte teilen: UMIH, La Ligue de l'enseignement, A l'Ecole des Chefs; und morgen noch weitere in der Region Hauts de France.

Das Projekt zielt in erster Linie darauf ab, eine qualitative und quantitative Antwort auf den Bedarf des Hotel- und Gaststättengewerbes an qualifizierten Arbeitskräften zu geben, die auf die jeweilige Region abgestimmt ist. Weiterhin sollen Wege zur Eingliederung und Ausbildung geschaffen werden, um individualisierte Antworten für diejenigen anzubieten, die in das Hotel- und Gaststättengewerbe einsteigen wollen, um Ausbildungswege zu schaffen, den Zielgruppen für jede Phase der Ausbildung ein Zeugnis auszustellen (Cléa[1] CQP, CQP[2]) und sie dabei unterstützen, eine nachhaltige Beschäftigung im Hotel- und Gaststättengewerbe zu finden.

Die Angebote in den einzelnen Regionen werden vorrangig mit Akteuren aus der Region selbst gestaltet, die sich für das Projekt engagieren wollen. Es geht nicht darum, den Markt einer Region zu deregulieren, sondern ihn zu organisieren. Es geht auch darum, beweglich und flexibel genug zu sein, um an Orten tätig zu werden, an denen kein Schulungsangebot existiert, aber Bedarf vorhanden ist, dies kann durch ein mobiles Schulungsangebot geschehen, das die Schulungsabläufe an die Bedürfnisse der Region anpasst.

Dementsprechend haben wir für jeden Berufszweig einen vollständigen Ausbildungsweg entwickelt, der Zugang zur Beschäftigung schafft. Wir glauben, dass die Umsetzung dieser koordinierten Wege in der Region Hauts-de-France einen besseren Zugang zur Ausbildung für arbeitsferne Personen ermöglicht, und auch den Zugang zu Ausbildungsverträgen nach einer kurzen Schulung fördert.

Um effektiv zu sein, muss das System für jeden Lernenden, der sich für das Programm einschreibt, einen Zusatznutzen bieten:

Vorteile für Betriebe

Für Betriebe sind die Vorteile vielfältig.  Zukünftige Mitarbeiter*innen erlernen sowohl berufsspezifische Kompetenzen, aber auch übertragbare Fähigkeiten und angemessenes Auftreten. Der Schwerpunkt der Schulung liegt auf aktiven Methoden, die eine praktische Aneignung der Inhalte ermöglichen. UMIH wird bei der Umsetzung eines Ausbildungsvertrags helfen. Der Ausbildungsbetrieb darf den Namen „Nos Brigades Solidaires“ (Unsere Solidaritätsbrigaden) tragen.

Vorteile für die Lernenden

Die Lernenden können von einer umfassenden Unterstützung profitieren (Bürger, Beruf, Lebenskompetenzen). Sie absolvieren eine kurze Schulung, die einen starken Praxisbezug hat. Sie erhalten anerkannte Zeugnisse/Qualifikationen für die einzelnen Schulungsphasen (Cléa, Arbeitssicherheitsbeauftragter, HACCP[3], CQPIH[4]). Der Kurs ist vollständig, so dass die Lernennden nach weniger als 100 Tagen einen Arbeitsvertrag unterschreiben können (Ausbildungsvertrag, unbefristeter oder befristeter Vertrag usw.)[5]).

Die Lernenden werden in der Lage sein, eine innovative digitale Visitenkarte in Augmented Reality zu erstellen (NBS Card[6]). Sie werden Teil der Familie der „Nos Brigades Solidaires“. 

Vorteile für die Ausbildungsstätten

Der koordinierte Kursaufbau ermöglicht es den verschiedenen Partnern, die Lernenden in allen Aspekten der Ausbildung zu unterstützen. Er ermöglicht ebenfalls die Komplementarität bei der Vermittlung von Inhalten. Der Kurs setzt bewährte pädagogische Techniken ein. Die Ausbildungsbetrieb dürfen den Namen „Nos Brigades Solidaires“ (Unsere Solidaritätsbrigaden) tragen.

Vorteile für Kollektive der Region

Das Projekt ermöglicht die Ausbildung von arbeitsfernen Personen und leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Qualität des Personals in der Region. Es ermöglicht auch die Ausbildung in Bereichen, die normalerweise weit von den Ausbildungsstätten des Hotel- und Gaststättengewerbes entfernt sind.

David LOPEZ: Es handelt sich ja um ein Projekt, das noch nicht gestartet ist, laufen denn schon Aktionen und wenn ja welche? 

Ja, seit Juni 2020 haben wir den Vorbereitungskurs 1/2 Pension gestartet (POEC - Vorbereitung auf eine Anstellung nach Tarifvertrag für die Berufe Küchenhilfe bzw. Kellner in Restaurants, mit anschließendem Ausbildungsvertrag). Diese Kurse laufen bereits. Wir konnten alle Lernenden, die den ersten Durchgang, der Anfang Juni begann, abgeschlossen haben, vermitteln (10 von 13). Sieben haben einen Ausbildungsvertrag, der Rest ist festangestellt. Wir wollen alle Kurse ab 2021 starten.

David LOPEZ: Was ist Ihrer Meinung nach am wichtigsten, um arbeitsfernen Personen die Rückkehr oder Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen?

Das Wichtigste ist die Begleitung in allen Phasen der Schulung. Es geht darum, die Hindernisse für eine Berufsausbildung und die Beschäftigungsfähigkeit schrittweise zu beseitigen. Soziale Probleme, nicht erworbenes Grundwissen und Fehlen „übertragbarer Fähigkeiten“ gehören zu den Haupthindernissen. Wichtig ist weiterhin, an den Kompetenzen/ Berufsfeldern zu arbeiten, die zu den Arbeitssituationen passen, denen die Lernenden in der Praxis begegnen werden, und für einen schrittweisen Einstieg in einen Betrieb zu sorgen, um die Unterzeichnung des Arbeitsvertrags zu sichern.

David LOPEZ : Halten Sie den Austausch mit Partnern in anderen Ländern für wünschenswert bzw. möglich? In wie weit wäre dies für Sie interessant?

Partnerschaften mit anderen Ländern wären willkommen, um einen Austausch im Sinne von Erasmus zu ermöglichen, damit die Lernenden andere Länder, andere Kulturen und andere Kenntnisse und Kompetenzen entdecken können. Dies würde uns erlauben, ausländische Lernende zu empfangen und sie auf diese Weise die französische Gastronomie und unsere Ausbildungszentren entdecken zu lassen, damit wir uns über fachliche und menschliche Arbeitsweisen austauschen und sie teilen können.


[1] https://www.certificat-clea.fr/

[2] https://travail-emploi.gouv.fr/formation-professionnelle/certification-competences-pro/article/certificat-de-qualification-professionnelle-cqp

[3] Hazard Analysis and Critical Control Point System.

[4] Zertifikat über die berufliche Qualifikation im Hotel- und Gaststättengewerbe.

[5] Unbefristeter Vertrag oder befristeter Vertrag.

[6] Digitales Kartensystem.

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1 - 2 von 2 anzeigen
  • Bild des Benutzers Lucia Iacovone
    It's great to see that there are initiatives taking place like the one described in this blog. In each country, I believe tourism and local shops/restaurants have been affected the most, reason why innovative answers and cooperation among sectors are needed! 
  • Bild des Benutzers Ramon Mangion
    This is quite a pertinent issue at the moment. Unfortunately various economic sectors were hit hard. Even highly educated people ended up doing completely different jobs in order to survive.