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Lernen in der Abgeschiedenheit der Pyrenäen

11/07/2019
by Anke DREESBACH
Sprache: DE
Document available also in: CS

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Transformative Collaboration (© IdeenHoch3)
Mit vielfältigen Eindrücken zurück aus der Abgeschiedenheit der Pyrenäen

Jan, Lynn und Maike von IdeenHoch3 haben die Möglichkeit gehabt, in den Pyrenäen mit 12 weiteren Teilnehmer*innen und drei Trainer*innen am Kurs „Transformative collaboration“ von ULEX teilzunehmen. Lesen Sie hier, wie es möglich ist, ohne digitale Medien eine Woche zu lernen und zu leben.


Untergebracht waren wir in einem wunderschönen Seminarhaus namens „Casa de colores“ (Das Haus der Farben) im kleinen Dorf namens Eroles in den spanischen Pyrenäen. Während der ganzen Woche hat sich die Gruppe auf die Einladung von den ULEX Trainer*innen eingelassen, auf elektronische Geräte zu verzichten. Diese Tatsache hat die Teilnehmer*innen dazu gebracht im „Hier und Jetzt“ sein zu können und sich auf die verschiedenen Prozesse einzulassen, welche die Woche begleiteten. Es war so wundersam an einem so verlassenen Ort in den Bergen mit dieser wunderschönen Natur den Kurs zu haben! Die Abwesenheit von jeglichen elektronischen Geräten wurde eine sehr aufmerksame und sinnesfördernde Atmosphäre geschaffen. Aus unserer Sicht waren die Trainer*innen sehr gut auf die Inhalte vorbereitet und haben sich einer großen Bandbreite von Methoden bedient. Zudem wurden die Methoden liebevoll, kreativ und authentisch ausgeführt.

Die Tage waren so strukturiert, dass es 4 Workshop-Blöcke gab, welche sich mit einer langen Mittagspause mittendrin bis abends um 20:00 Uhr erstreckten. Anfangs wurde uns von den Trainer*innen erklärt, dass sich die Gruppe während des Seminars vorzugsweise in der sogenannten Lernzone befinden solle – nicht nur in der Komfortzone und auch nicht in der Panikzone. Durch das Framing der Trainer*innen wurden die Teilnehmer*innen immer wieder dazu ermuntert, sich in die Lernzone zu begeben. Die diversen Methoden waren sehr wertvoll in Hinblick auf die Gestaltung unserer zukünftigen eigenen Seminare als Bildungsreferent*innen.

Das Seminar vermittelte Wissen, Fähigkeiten und Werte, um Gruppen dabei zu unterstützen, zu kollaborieren, partizipativ zusammen zu arbeiten und die gemeinsame Vision tatkräftig in die Welt zu tragen. Im folgenden werden einige Elemente detaillierter dargestellt, um einen Eindruck zu geben, worum es ging.

Einen gemeinsamen Container formen – transformative Gruppenkultur

Am ersten Tag stellten wir uns die Frage, was wir brauchen, um uns in der Gruppe voll und ganz mit unserem Potential einbringen zu können. Daraufhin sammelten wir Vereinbarungen, die wir während unserer gemeinsamen Woche einhalten wollten, z.B. einander ausreden lassen, keine diskriminierende Verhaltensweisen aufzeigen, gemeinsam Verantwortung für die praktischen Aufgaben zu übernehmen. Zudem beschäftigten wir uns mit der Frage, was es braucht um effektiv miteinander zu arbeiten, z.B. ein Gleichgewicht finden zwischen reflektieren und handeln, respektieren und hören unterschiedlicher Stimmen, Konflikte zu lösen, Feedback zu geben und empfangen, alle Gefühle da sein zu lassen, Annahmen überprüfen, transparente Entscheidungsfindungsmethoden zu wählen und Elefanten zu enttarnen (ein Elefant ist etwas, über das nicht gesprochen wird, aber einen gravierenden /negativen Einfluss auf die Gruppe hat).

It's working time

Im Gegensatz zu herkömmlichen Gruppen ist der Fokus bei Gruppen mit transformativer Arbeitsweise nicht nur auf Aufgaben und und Prozess gerichtet, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, was zum Ziel hat, Vertrauen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung zu fördern.

Als wichtig erachteten wir auch die Einheiten zu „understanding power-dynamics in our groups“ und die Einheiten zu Konsensfindung in Gruppen. So durften wir viel in der Gruppe zu Konsens herumexperimentieren und tatsächlich „üben“,- was sich als nicht einfach herausstellte.

Machtdynamiken in Gruppen

Das sprechen über Machtverhältnisse in Gruppen ist essentiell, wenn man effektiv Zusammenarbeiten möchte. Häufig denken wir, alle in der Gruppe hätten gleich viel Macht, außer es gibt explizite Hierarchien. Meistens ist das aber nicht der Fall. So können Persönlichkeitseigenschaften wie Extroversion oder Selbstbewusstsein einen enormen Einfluss darauf haben, wie stark die entsprechende Person ihre Ideen und ihr Wissen in die Gruppe einbringt. Auch Sprache, Geschlecht oder Alter kann unterbewusst Einfluss haben. Diese Strukturen transparent zu machen hilft, anders mit ihnen umzugehen und den nicht erwünschten Effekten entgegenzutreten. Hier machten wir die sogenannte Chapati Übung, das heißt wir diskutierten in der Gruppe,wie groß das jeweilige Chapati ist. Je größer, desto mehr Macht hat diese Person in der Gruppe.

Entscheidungsfindung in Gruppen

Wir beschäftigten uns mit verschiedenen Methoden der Entscheidungsfindung. So schauten wir uns von Entscheidungen, die von einer Person getroffen werden, über Entscheidungen, die von einer Subgruppe getroffen wird bis hin zu Konsensus verschiedene Optionen an und reflektierten, wo welche Entscheidungsmethode sinnvoll und angebracht ist. Konsensus nahmen wir noch genauer unter die Lupe und erprobten anhand einer realen Entscheidung den Prozess.

Kommunikationskompetenzen und Feedbackkultur

Wir erprobten und reflektierten Aspekte der Kommunikation, die im Hinblick auf Zusammenarbeit und Vertrauensbildung hilfreich sein können. Dazu machten wir eine praktische Übung in aktivem Zuhören und Paraphrasieren und implementierten intentionaler Ruhe, das Wahrnehmen der gemeinsamen Intention und ermutigen und ausbalancieren von Redeanteilen während unserer Gruppenprozesse. Auch über Feedbackkultur machten wir uns Gedanken und setzten uns mit wichtigen Aspekten des Feedback Gebens und Nehmens auseinander.

Gruppendynamik und Reflexionsmethoden

Wir beschäftigten uns mit der Gruppe als System innerhalb anderer Systeme (Umwelt, Gesellschaft etc.) und mit Systemen innerhalb von Gruppen (verschiedene Individuen und Subgruppen). Dabei ging es darum, wie wir als Gruppe miteinander „koppeln“ können, bzw. wie die Gruppe mit der Umwelt „koppeln“ kann. Welche expliziten und impliziten Regeln und Normen treffen aufeinander? Welche besondere Sprache wird in den Systemen gesprochen? Wo gibt es Überschneidungen, wo Grenzen?

Um verschiedene Rollen transparent zu machen schauten wir uns die 6 Hüte von Edward de Bono an: Weiß ist der Faktenhut, gelb der Optimismushut, schwarz der Pessimistenhut, rot der Gefühls- und Intentionshut, grün der Kreativitätshut und blau der Prozesshut. Welchen Hut trage ich für gewöhnlich? Liegen gerade Konflikte vor, weil wir unterschiedliche Hüte tragen? Welcher Hut fehlt gerade und wäre nützlich für den Prozess? Außerdem reflektierten wir unsere eigene Rolle in Gruppen anhand der Teamtypen von Belbin. Gewisse Übungen und Methoden wirkten so manches Mal recht abstrakt, da Dinge nur simuliert wurden. An einem Tag haben wir ein Zine, welches tatsächlich veröffentlicht wurde, komplett erarbeitet und sogar gedruckt. Die verschiedenen neu gelernten Kommunikations – und Gruppendynamik-skills konnten wir daran direkt üben und anwenden.

Ein Fazit

Wir haben die Woche als sehr arbeitsintensiv empfunden und glauben, dass es der Gruppendynamik und auch der teilweise konfliktanfälligen Methoden unterstützend und entgegenkommen wäre, hätte es einen freien Nachmittag gegeben. Das Seminar hat uns in vielen Punkten zum Nachdenken angeregt und wir freuen uns darauf viele dieser Methoden und auch das neu generierte Wissen über u.a. Gruppendynamiken und Moderation anwenden zu können. Die direkte Anwendung findet in unserer Vereinstätigkeit statt, in der wir das neue Wissen gut weitergeben können.

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Kofinanziert durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union

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1 - 1 von 1 anzeigen
  • Bild des Benutzers Christine Bertram
    Das hört sich in der Tat sehr intensiv und spannend an. Ich finde auch die Einteilung in "Zonen" - Komfort-, Lern- und Panikzone, interessant. Weiterentwickelndes passiert selten in der Komfortzone.