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Landschaft der Emotionen

Mentale Barrieren durchbrechen und den Zugang zu Emotionen schaffen: eine Lernerfahrung beim Gefängnisradio von Salto del Negro. Dort entstand ein einzigartiger Raum, in dem analysiert, diskutiert und gemeinsam zum Thema Umwelt gelernt wird. María Ángelés Pérez Suárez erzählt aus ihren Erfahrungen als Lehrerin in der Justizvollzugsanstalt Las Palmas 1 in Salto del Negro.

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Originalsprache: Spanisch


El paisaje emocional a través de la radio.

Mentale Barrieren durchbrechen und den Zugang zu Emotionen schaffen: eine Lernerfahrung beim Gefängnisradio von Salto del Negro. So enstand dort ein einzigartiger Raum, in dem analysiert, diskutiert und gelernt wird. María Ángelés Pérez Suárez erzählt aus ihren Erfahrungen als Lehrerin in der Justizvollzugsanstalt Las Palmas 1 in Salto del Negro.

„Das Gehirn braucht Emotionen, um lernen zu können“, erklärt der Neuropsychologe José Ramón Gamo. „Wir lernen nur dann, wenn uns etwas berührt“, bestätigt Eduardo Punset. Was heißt das für uns, wenn wir versuchen, wichtige Konzepte an Lerner*innen heranzutragen? Wie können wir aktiv das Bewusstsein für aktuelle Probleme schärfen, die unserem Planeten schaden? Es scheint, nahezu alles zum Thema Umweltprobleme sei bereits gesagt, vorgetragen und durchgekaut und es nicht immer leicht, wieder Interesse zu wecken und neue Begeisterung hervorzurufen. Doch manchmal nimmt die Geschichte ganz unverhofft und zwanglos ihren Lauf.

„Können Sie Fotos vom Strand ‚Las Canteras‘ mitbringen?“- Dieser Vorschlag kam von meinen Schüler*innen, den Insassen der JVA, zu Beginn des Jahres. Und tatsächlich rief die fortwährende Betrachtung dieses kostbaren Naturgebiets bei Ihnen verschiedene Reaktionen und Emotionen hervor und schuf den perfekten Rahmen für ein Projekt zum Thema Umwelt. Hierbei konnten Konzepte eingeführt werden, die seit jeher als trocken gelten und nur schwer zu fassen sind, denn unsere Umwelt hat ohne einen emotionalen Wert für die Menschen. Es liegt auf der Hand, dass Ökosysteme für den Menschen eine wichtige psychologische Rolle spielen, schaffen sie doch eine emotionale Bindung zwischen Lebewesen, die zum Gemeinwohl beitragen.

Vielleicht reicht dieser kleine Funke Gefühl, um uns alle wieder dazu zu bringen, über die regelmäßig über unsere unmittelbare und so vertraute Umwelt hereinbrechenden Katastrophen nachzudenken und ernsthaft Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Denn wenn es der Natur, die die Grundlage für unser Leben ist, nicht gut geht, was passiert dann erst mit den Lebewesen, die von ihr abhängig sind (uns)? Schon seit langem sehen wir, wie ganze Arten, Ökosysteme und sogar Inseln verschwinden; die kostbare Biovielfalt nimmt immer weiter ab und im Gegenzug steigen die Temperaturen und Krankheiten und die Zahl derjenigen, die vor dem Klimawandel fliehen, nimmt zu.

Wenn nun eine Landschaft bei Menschen Emotionen hervorruft, so transportiert das Radio, jener klangvolle Ort der Sendungen, die uns einfangen und bewegen, diese erst recht. Das ist der Ort, an dem wir zuhören, kommunizieren, kreativ sind, reflektieren und uns miteinander in Verbindung setzen. Kurz gesagt, durch das Radio lernen wir.

Diese beiden Annahmen sind der Ausgangspunkt unseres Projekts, in dem wir uns zunächst der Geologie widmeten, denn im Hinblick auf unsere natürliche Umwelt ist sie Grundlage für jegliches Leben auf der Erde. Im Anschluss widmeten wir uns der Untersuchung verschiedener Ökosysteme. So wollten wir in diesem Projekt eine Antwort auf die Schwachstellen finden, die in großem Maße und unglücklicherweise der Hauptgrund für Probleme sind, die auch mitunter zum Freiheitsverlust meiner Schüler*innen geführt haben.

Deshalb lautet das erste und wichtigste Ziel: lernen, mit Freizeit umzugehen und diese zu genießen, und zwar bei Aktivitäten in der natürlichen Umgebung. Dabei geht es um: das Training von Kommunikationskompetenzen durch die Gestaltung und Umsetzung eines Radioformats, um Kennen- und Schätzenlernen unseres Naturerbes, ums Entwickeln einer kritischen Haltung zu den vom Menschen verursachten Umweltproblemen, das Fördern von Umweltschutzmaßnahmen auf individueller Ebene. Aktivitäten, die auf den Kompetenzen jedes Einzelnen aufbauen, wie beispielsweise das Vorlesen von Texten, um die heimische Naturerbe bekanntmachen, haben zudem einen positiven Effekt auf das Selbstwertgefühl. Des Weiteren unternahmen wir folgende Aktivitäten: Analysieren von Umweltproblemen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit und die Artenvielfalt. Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Schüler*innen und dem Personal der Justizvollzugsanstalt sowie Stakeholdern, die sich um eine Sensibilisierung bezüglich der Wahrung unserer Umwelt und deren Schutz bemühen.

Dem neuen Format ist eine Vielzahl von Aktivitäten vorausgegangen. Die kanarische Landschaft wurde unter geologischen Gesichtspunkten analysiert, die Caldera de Bandama im Naturpark Bandama wurde besucht. Zusätzlich gab es topographische Untersuchungen einer Naturlandschaft auf der Insel, eine Untersuchung der kanarischen Vegetationsstufen, Workshops im Rahmen des Projekts LIFE Pinzón, und die Ausarbeitung von kleinen Texten zu bedeutenden Orten in unserer unmittelbaren Umgebung. Wir verfassten einen Rap-Textes zur Sensibilisierung für Umweltprobleme, erstellten eine Karte von Gran Canaria mit geschützten Räumen und erarbeiteten eine kleine Abhandlung über Sauerstoff, der das Leben auf der Erde erst möglich macht.

In diesem Radioformat, das wir „Die Gesundheit der Erde“ getauft haben, erzählen wir Geschichten und diskutieren Perspektiven. Wir fördern kritisches Denken auf Basis von Informationen, die uns von unseren Partnern zur Verfügung gestellt werden. Dieses Wissen reicht von den Auswirkungen der Umweltverschmutzung auf die Gesundheit über nachhaltigen Tourismus bis hin zu einem wunderschönen und passenden Beispiel darüber, wie sich der „Blaue Finken von Gran Canaria“ und seine Umgebung wieder von Umwelteinflüssen erholt haben. Neben Rap und Landschaftsbeschreibungen führen die Schüler*innen in dem Format auch Interviews mit eingeladenen Gästen durch.

Für dieses neue Projekt mussten wir viele Hürden überwinden. Zum Beispiel mussten wir es schaffen, die Termine von Ärzten, den Gefängnisinsassen, Beamten, den für das Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung verantwortlichen Personen und Vertretern von Life Pinzón aufeinander abzustimmen. Ein echter Kraftakt, der aber in keiner Weise die Freude und Lust der Insassen an dem Projekt schmälern konnte. Die Stimmung, die angesichts dieser neuen Herausforderung entstand, war eine treibende Kraft für das weitere Lernen. Der Weg war zwar lang und anstrengend, doch das Ergebnis und die Erfahrungen, die wir dabei gesammelt haben, sind unbezahlbar.

„Die Sprache ist nicht einfach eine weitere menschliche Erscheinung, sie ist kein reines Instrument zur Kommunikation, sondern eine Erscheinung, die das Denken, die Aufnahme der Realität und deren Wahrnehmung ermöglicht.“ Psicolingüística del discurso. Von Francisco José Cantero und José de Arriba García.

„Bereits die alten Griechen wussten, dass wir nicht lernen, indem wir etwas wiederholen, bis wir es auswendig können, sondern indem wir selbst etwas machen und mit Begeisterung dabei sind.“ Eduardo Punset.

Hören Sie hier mehr vom Projekt [ES]:

http://www3.gobiernodecanarias.org/medusa/ecoescuela/comunicacion/files/2019/06/programa-medioambiente.mp3 [ES]


Kontakt der Autorin:

MARÍA ÁNGELES PÉREZ SUÁREZ LEHRERIN IM BEREICH WISSENSCHAFT-TECHNIK JUSTIZVOLLZUGSANSTALT LAS PALMAS 1 SALTO DEL NEGRO

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