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Künstliche Intelligenz in der Bildung

Die Künstliche Intelligenz (KI) verspricht eine zunehmende Demokratisierung von Bildung, indem sie vielen Menschen maßgeschneiderte Lernpfade zur Verfügung stellt. Erwachsenenbildnerinnen und -bildner müssen die technologischen und ethischen Dimensionen dieses Megatrends verstehen, um uneingeschränkt an der Co-Creation qualitativ hochwertiger KI mitwirken zu können.

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Dieser Artikel wurde im Original im Journal "Bildung für Europa" der NA beim BIBB veröffentlicht. 


Die Künstliche Intelligenz (KI) verspricht eine zunehmende Demokratisierung von Bildung, indem sie vielen Menschen maßgeschneiderte Lernpfade zur Verfügung stellt. Erwachsenenbildnerinnen und -bildner müssen die technologischen und ethischen Dimensionen dieses Megatrends verstehen, um uneingeschränkt an der Co-Creation qualitativ hochwertiger KI mitwirken zu können.

Künstliche Intelligenz und Erwachsenenbildung – halten Sie einen Augenblick inne und denken Sie darüber nach, welche Bilder diese Worte vor Ihrem geistigen Auge entstehen lassen. Vielleicht denken Sie dabei an eine futuristische Szene des computerunterstützten Lernens oder an Ihren gegenwärtigen Alltag wie beispielsweise das KI-unterstützte Smartphone in Ihrer Hand. Welche Assoziation auch immer es sein mag, die Künstliche Intelligenz erweist sich als Megatrend in der Bildung.

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Frau, die auf ihr Smartphone schaut.
Künstliche Intelligenz imitiert menschliches Lernen

Der Begriff KI bezieht sich auf Computer, die das menschliche Lernen nachahmen und anhand des Gelernten eigenständig Probleme lösen können. Die technologischen Anwendungen von KI reichen vom Betrieb von Internetsuchmaschinen und Online-Nachrichten über Werbealgorithmen bis hin zu selbstfahrenden Autos.

Im Bildungskontext sind die Anwendungen ebenso vielfältig. Ein Sprachassistent auf dem Smartphone sucht für dessen Nutzerinnen und Nutzer nach Informationen. Lehrende überlassen die Benotung eines Multiple-Choice-Tests einem KI-Programm. Eine KI-gestützte Oberfläche einer Online-Lernumgebung verfolgt die Fortschritte der Lernenden und empfiehlt in Abhängigkeit von den jeweiligen Schwierigkeiten maßgeschneiderte Aufgaben. Bei noch fortschrittlicheren Anwendungen zeichnet Gefühlserkennungssoftware die Gesichtsausdrücke der Lernenden auf und erkennt mit der Zeit, wo die größten Schwierigkeiten liegen.

 

Große Versprechungen der KI in der Bildung

Anhand dieser Beispiele wird klar, dass die KI im Bereich Lernen auf zwei Ebenen operiert: Sie fungiert als Lernhilfe, aber auch als Beobachterinder Lernenden, indem sie im Hintergrund auf der Metaebene des Lernprozesses agiert. Wir können versuchen, die „Rollen“ und „Versprechungen“ der KI im Bereich Lernen folgendermaßen zusammenzufassen:

  • Als „Lehrender“ verspricht die K I, im Bildungsbereich für Chancengleichheit zu sorgen, indem sie den Massen kostengünstigen Zugang zu Bildung erlaubt und ihnen das Fernlernen ermöglicht.​​​​​​.
  • Als technische Assistentin von Lehrenden, die sie bei Routineaufgaben wie Benotungen und Backoffice-Tätigkeiten unterstützt, verspricht sie diesen, ihnen Zeit für die persönliche Interaktion mit den Lernenden freizuschaufeln.
  • Als Beobachterin des Lernens, die die Lernfortschritte und -schwierigkeiten der einzelnen Lernenden aufzeigt, verspricht sie, das Lernen an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen und zu individualisieren, indem sie den Lehrenden eine Fülle an Daten über die Lernenden und ihr Lernverhalten zur Verfügung stellt, die sie bei der Verbesserung ihres Unterrichts unterstützen.

Die letzte „Versprechung“ auf der Liste – die maßgeschneiderte Anpassung – ist besonders für erwachsene Lernende mit heterogenen Lernhintergründen und -bedürfnissen von Bedeutung.

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Paradoxien und datenschutzrechtliche Bedenken

Mit Listen wie dieser läuft man Gefahr, eine wirklich komplexe Frage mit starken ethischen Untertönen zu vereinfachen. Bei genauerer Untersuchung ergibt sich ein merkwürdiges Paradox, das im Mittelpunkt der Diskussion über KI in der Bildung steht. KI birgt das Versprechen, das lebenslange Lernen zu demokratisieren, indem das personalisierte Lernenden Massen nähergebracht wird. Gleichzeitig wird das lebenslange Lernen jedoch als Strategie gegen eine KI-dominierte Zukunft gesehen, in der intelligente Maschinen einen Großteil unserer Arbeitsplätze überflüssig machen. Anders ausgedrückt, stellt das lebenslange Lernen aus politischer Sicht eine Strategie dar, um die Erwerbstätigen „zukunftssicher“ gegenüber KI zu machen. Gift und Medizin zugleich zu sein, ist ein unlösbares Paradox, das als Beweis für die Komplexität des Phänomens einfach anerkannt werden muss.

Wenn man sich darüber hinaus hauptsächlich auf die pragmatischen Aspekte der KI konzentriert, läuft man Gefahr, die mit ihr verbundenen ethischen Gesichtspunkte, die die aktuelle Diskussion um die KI beherrschen, außer Acht zu lassen. KI-Algorithmen lernen durch die Analyse großer Datenmengen. Im Bildungsbereich zehrt KI beispielsweise von den zahlreichen Beobachtungen verschiedener Lernender bzw. Individuen. Daher dreht sich die ethische Diskussion hauptsächlich um die Frage, wer all diese Daten erfasst. Wem gehören diese Daten und wer darf auf sie zugreifen? Werden die Daten der Lernenden geschützt oder können sie ihnen sogar schaden? Stellen wir uns beispielsweise vor, dass durch die bei einer Unternehmensschulung erfassten Daten ein „Klassensystem“ von schnell Lernenden und Leistungsschwächeren geschaffen wird. In dieser Diskussion werden ähnliche Argumente angeführt wie bei der Debatte um Big-Data-Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon, die für ihre Geschäftstätigkeit ebenfalls KI-Algorithmen verwenden.

Bezüglich der datenschutzrechtlichen Diskussionen zeichnen sich vielversprechende politische Entwicklungen ab, zumindest in Europa. Im November 2019 kamen die EU-Bildungsministerinnen und -minister zu dem Schluss, dass der Einsatz von KI im Bereich lebenslanges Lernen „ethisch“ und „menschenzentriert“ erfolgen und den Menschen Zugriff auf ihre durch KI erfassten Daten sowie deren Kontrolle gewähren muss. Eine vielleicht wenig überraschende und risikolose, aber willkommene politische Aussage.

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Lehrende als Mitgestaltende von KI

Welchen Platz nehmen Erwachsenenbildnerinnen und -bildner dann bei all dem ein? Ich könnte mir für sie zwei Rollen vorstellen. Zunächst wird ein Verständnis der KI in dem hier beschriebenen Umfang in einem Bündel aus Grundkenntnissen und digitaler Literalität bestehen. Denn um das Phänomen weitervermitteln zu können, müssen die Lehrenden es selbst erst einmal verstehen. Zweitens argumentieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich KI-Bildung wie Professorin Rose Luckin vom University College London, dass KI basierte Bildungsanwendungen mit Lehrenden gemeinsam entwickelt werden müssen, damit sie auch die notwendige pädagogische Qualität besitzen.

Für Luckin bedeutet gemeinsame Gestaltung nicht, dass die Lehrenden die komplizierten technologischen Details von KI beherrschen müssen. Vielmehr sollten sie KI-Unternehmen selbstsicher gegenübertreten und siebefragen können, während die Unternehmen wiederum die Details und Datennutzung ihrer Produkte verständlich kommunizieren müssen. Professor Luckin sieht bereits vielversprechende Anzeichen für eine branchenübergreifende Zusammenarbeit im Bereich KI in der Bildung.

Co-Creation ist noch nicht weit verbreitet, aber in der Bildungstechnologie wächst die Bereitschaft der Unternehmen, mit Lehrenden zusammenzuarbeiten. Laut Luckin entwickelt sich die Dynamik hier in die richtige Richtung.

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KI – grundlegend sozial?

Die Diskussion über die Rolle der Lehrenden bei der KI-gestützten Bildung wirft die allgemeinere und vielgestellte Frage auf, wie KI sich auf die soziale Dimension des Lernens auswirken wird.

Hierbei hilft eine wichtige Unterscheidung. Das KI-unterstützte Lernen ist kein standardmäßiges Fernlernen, als das es möglicherweise oft wahrgenommen wird. KI eignet sichgut für Anwendungen im Bereich Fernlernen, aber das „personalisierte Lernen durch KI“ kann auch starke gesellschaftliche Auswirkungen haben. Anstelle von Online-Lernmaterialienkann, zum Beispiel, eine KI Ihnen eine geeignete Lehrkraft im realen Leben empfehlen, deren Kompetenzprofil zu Ihren individuellen Bedürfnissen passt. Außerdem kann ein Algorithmus Ihnen, wenn Sie Fernlernen betreiben, die beste Online-Lerngruppe empfehlen, um Synergien zu schaffen und den Nutzen des sozialen Lernens zu optimieren.

Wie Jaron Lanier und Glen Weyl kürzlich in einer Stellungnahme im Magazin WIRED schrieben, besteht die grundlegende Eigenschaft von KI nicht in der Unabhängigkeit von Menschen, sondern eher in der Abhängigkeit von und der Interaktion mit menschlichem Input. Maschinelles Lernen ist nur anhand von Daten über menschliche Tätigkeiten möglich.KI ersetzt menschliches Handeln nicht, sondern ergänzt es.

Natürlich trifft das auch auf das Lernen zu, das per definitionem eine soziale Tätigkeit ist. Luckin weist darauf hin, dass für qualitativhochwertiges Lernen in der Zukunft Ausgewogenheit zwischen KI-betriebener Technologie und menschlicher Unterweisung und Interaktion unverzichtbar ist. Eine ausgewogene Mischung maximiert das Potenzial der KI und hält im Zusammenspiel mit Lehrenden ihr gewaltiges Bildungsversprechen ein.

Lesen Sie die anderen Beiträge aus der Journal-Ausgabe zur Zukunft der Erwachsenenbildung!Loggen Sie sich ein und diskutieren Sie mit. Wie sehen Sie die Situation der Erwachsenenbildung auf der Welt?

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Quellen

https://www.holoniq.com/notes/2019-artificial-intelligence-global-education-report/

https://www.ucl.ac.uk/ioe/departmentsand-centres/centres/ucl-knowledge-lab

https://www.wired.com/story/opinionai-is-an-ideology-not-a-technology/?mbid=social_twitter&utm_brand=wired&utm_campaign=wired&utm_medium=social&utm_social-type=owned&utm_source=twitter

https://www.consilium.europa.eu/de/meetings/eycs/2019/11/08/

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Über den Autor

Porträt von Markus Palmén.
Markus Palmén ist freiberuflicher Journalist und Filmemacher aus Finnland. Er war als Themenkoordinator für EPALE – die E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa – und als Chefredakteur des European Lifelong Learning Magazine (ELM) tätig.
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