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Blog

Kreativsein ist alles – Eindrücke aus einer Recherche im Rahmen des EU-Projektes CIM

11/06/2019
by Susanne Lattke
Sprache: DE

Lesedauer circa 3,5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Ziel des Erasmus+ Projektes CIM – Promoting Creativity and Innovation Management in an innovative blended learning and validation programme at the interface between higher education and business ist es, an der Schnittstelle von Hochschulen und Unternehmen ein innovatives IKT-gestütztes Lern- und Validierungssystem für Kompetenzen in den Bereichen Kreativität und Innovation zu entwickeln. Für das erste Arbeitspaket recherchierten die Projektpartner einschlägige Fortbildungsangebote in ihren jeweiligen Ländern. Der folgende Blogbeitrag gibt einige aus dieser Recherche resultierende Impressionen wieder.

Kreativität als Schlüsselkompetenz

Kreativität ist zur ubiquitären Schlüsselkompetenz bzw. Qualifikation avanciert. Kreativität wird heutzutage nicht nur von Künstlern oder Kulturschaffenden erwartet, sondern ist in ausnahmslos jeder Branche gefragt, um den jeweiligen Firmenerfolg optimieren zu können. Nicht nur Produktentwickler müssen kreativ sein, um innovative Angebote zu entwickeln. Auch Vertriebsleute sollten kreative Marketingtechniken beherrschen, um die Produkte erfolgreich an den Kunden zu bringen. Und Führungskräfte benötigen besonderen Einfallsreichtum, um mit kreativen Managementmethoden die Kreativität der Mitarbeiter gezielt fördern zu können.

Damit nicht genug. Auch im Privatleben muss kreativ sein, wer nur etwas auf sich hält. Freizeitgestaltung, Wohnungseinrichtung, Geschenke – was nicht den Stempel von Individualität und Kreativität trägt, ist im sozialen Umfeld kaum noch satisfaktionsfähig. Und ja, zugegeben: Auch die persönliche Befriedigung ist in der Regel hoch, wenn man sich (erfolgreich) einer kreativen Tätigkeit widmet.

Der Kultursoziologe Andreas Reckwitz spricht in diesem Zusammenhang von einer Doppelung von Kreativitätswunsch und Kreativitätsimperativ, die unsere Gesellschaft tief durchdrungen hat: Man will kreativ sein, und man soll es auch.

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be creative

Erlernbarkeit von Kreativität

Wie kann man nun aber einer nicht sprudeln wollenden Kreativität gezielt auf die Sprünge helfen?

Kann man Kreativität überhaupt lernen? Die Frage scheint sich zu erübrigen, wenn man in einer Weiterbildungsdatenbank den Suchbegriff “Kreativität” eingibt. Knapp 16.000 Treffer spuckt der Computer aus. Und auch wenn man die Kurse aussortiert, die nicht Kreativität an sich im Blick haben, sondern “nur” auf das Erlernen spezifischer künstlerischer Techniken wie Ölmalerei oder Ikebana abzielen, ist die Bandbreite einschlägiger Angebote enorm. “Kreativität ist erlernbar” lautet plakativ der Titel eines VHS-Angebots, jeden möglichen Zweifel sofort im Keim erstickend. Und wie lernt man sie nun, die Kreativität? Die Ansätze sind vielfältig, und doch begegnet man vielfach denselben Stichworten und Formaten. Bei den Kursangeboten dominieren – neben künstlerischen Hobbykursen und beruflichen Fortbildungen für Fachkräfte aus den Bereichen Pflege, Therapie und Pädagogik – stark vereinfacht, zwei Richtungen:

Da ist zum einen das betriebliche Fortbildungsseminar, typischerweise einen oder zwei Tage lang, in dem Führungskräfte und/oder Mitarbeiter ihr Kreativitätspotential frei- und zum Wohle des Unternehmens einzusetzen lernen sollen. Hier dominiert das Kennenlernen und Ausprobieren von Kreativitätstechniken und -methoden (Brainstorming, 6 Thinking Hats, …), die dann im Berufsalltag zu Problemlösungszwecken oder zur Innovationsentwicklung gute Dienste leisten sollen. Kreativität nicht nur des Einzelnen, sondern speziell im Team zu fördern, steht dabei häufig im Fokus. Auch Themenmoden scheint es zu geben. “Kreativität ist mehr als Design Thinking” lautet ein weiterer Seminartitel – nicht ohne Grund, ist doch der Ansatz des Design Thinkings gerade äußerst angesagt. Die oben erwähnte Datenbank verzeichnet immerhin mehr als 1.500 aktuelle Einträge zu diesem Thema.

Zum anderen gibt es den drei- bis fünftägigen Bildungsurlaub, im dem Berufstätige lernen sollen, durch kreative Betätigung wie Malen oder Tanzen zu Entspannung, Wohlbefinden und innerem Gleichgewicht zu kommen. Kreativität dient hier der Stressbewältigung – und das heißt zur Lösung eines Problems, zu dem die ständigen Kreativitätsanforderungen im Berufsleben nicht unerheblich beitragen.

Neue Lehr- und Lernansätze in der Praxis

Kreativität ist das Mittel der Wahl für alles und jedes, so scheint es. Und so ist es gut, dass es so viele einschlägige Weiterbildungsangebote gibt. Natürlich sind sie noch viel zahlreicher und vielfältiger, als hier angedeutet. Auch etliche Online-Angebote finden sich darunter – etwa ein vom Berklee College of Music angebotener MOOC “Creativity & Entrepreneurship”, der Prinzipien des musikalisch-schöpferischen Prozesses für das Vorhaben einer Start-Up-Gründung nutzbar machen möche.

Kreativitätsfortbildungen gibt es wirklich zu fast allem und jedem – nur ein Angebot zu “kreativer Buchführung” konnte bislang nicht ausfindig gemacht werden.


Über die Autorin:

Susanne Lattke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. in Bonn.

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