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Blog

Kreativ schreibt es sich leichter

15/10/2019
by Bettina Mitter
Sprache: DE

Im Rahmen des Erasmus+ Projekts Diversität leben durften wir die Organisation Piepildi in Riga kennenlernen und in Workshops gemeinsam kreativ schreiben. Madeleine Lissy hat im Folgenden ihre Eindrücke festgehalten.

 

Schreibworkshop in Riga

 

Wir sind eine siebenköpfige Gruppe von Frauen, die sich auf den Weg nach Riga macht. Wir alle arbeiten in unterschiedlichen Zusammenhängen für uniT, als Basisbildnerin, als Autorin, als Regisseurin. Wir alle haben mit Sprache und Schreiben zu tun, jedoch jede auf unterschiedliche Weise.

 

Riga empfängt uns mit Kälte, Wind und Schneegestöber, aber auch mit Wärme, menschlicher Wärme. Diese erleben wir durch unsere kompetenten Workshopleiterinnen, aber auch durch die Freundlichkeit vieler Angestellter in Geschäften und Lokalen.

 

Es geht in unserem Workshop ums Schreiben, um die Frage wie man in Menschen durch das Schreiben ihre Kreativität anstößt, wie man sie darin bestärkt, sich auszudrücken. Wir erproben selber, was wir dann mit unseren Teilnehmer*innen in Kursen und in Projekten tun wollen. Spannend ist, dass wir erleben, dass Schreiben auch dann eine Lernmöglichkeit darstellt, wenn man sich noch nicht sicher in einer Sprache bewegt. Man kann sich mit Lust eine Sprache erschreiben, und man kann kreatives Schreiben verwenden, um miteinander in einen Austausch zu kommen. Das ist es auch, was wir kennenlernen wollten – und unsere Erwartung wird mehr als erfüllt.

 

Eine Besonderheit der Weiterbildung war, dass wir immer wieder den Workshopraum wechselten. Ein spannendes Unterfangen, wie sich zeigte. Die Suche nach den jeweiligen Räumen führt uns in sehr diverse Stadtteile, lässt uns verschiedene Räume und soziale Kontexte erleben. Es ist gar nicht so einfach sich in einer unbekannten Stadt zu orientieren. Nicht einmal die Abstände der Straßenbahnhaltestellen sind so leicht einzuschätzen. Es braucht mehr Zeit, als ursprünglich gedacht, um von einem Ort zum anderen zu kommen, die Entfernungen müssen wir erst in den Griff kriegen. Deshalb haben wir uns auch bald einen Namen als die österreichischen „Zuspätkommer“ gemacht. Immer wieder denken wir da an unsere Jugendlichen aus der Grazer Basisbildungsgruppe – im Moment lauter junge Geflüchtete – und ihre Tendenz, sich zu verspäten. Wie schwierig es manchmal ist, wenn neue, bis dato unbekannte Orte als Treffpunkte festgelegt werden, das wissen wir jetzt.

 

Nicht nur die Orte unserer Arbeit ändern sich, auch die Arbeitsgruppe ist beständig einem Wandel unterworfen. Immer wieder wird unser Workshop geöffnet, neue Leute nehmen an der Arbeit teil. So lernen wir Menschen aus Riga kennen, die mit Gruppen unterschiedlichster junger Menschen arbeiten. Was uns alle verbindet ist das Interesse am Schreiben, bzw. das Interesse daran, mit welchen kreativen Impulsen man Menschen, die Hemmungen und Widerstände haben, sich schriftlich auszudrücken, dennoch zum Schreiben motivieren kann. Die angebotenen Methoden und Übungen sind zum Teil sehr niederschwellig und deshalb für verschiedene Zielgruppen gut geeignet.

 

Die Kursleiterinnen Linda Skranda und Inese Priedite gehen auf unsere Interessen und Wünsche ein. Sie harmonieren gut und leiten uns gekonnt an. Dabei stellen sie immer wieder klar: Ob wir uns an die Aufgabenstellung halten oder von ihr abweichen, das ist unsere Entscheidung. Allerdings, das betonen sie auch, lohnt es sich oftmals, sich einer formalen Beschränkung zu unterwerfen und neue Wege gehen zu müssen. Die gewohnten Denkpfade verlassen – das ist ein Ziel des Kreativen Schreibens. Auf der anderen Seite kann es auch fruchtbar sein, auf die Aufgabenstellung zu pfeifen und sich dem Schreibfluss hinzugeben. Beides lernen wir schätzen.

 

Die gemeinsame Sprache ist Englisch, sie ist aber für keinen der Teilnehmenden die Muttersprache. Es geht uns ein wenig wie vielen unserer Teilnehmenden in der Basisbildung. Wir erleben die Mühen sich in einer Sprache zu bewegen, die nicht die eigene ist. Es ist für uns nicht das erste Mal, dass wir die Erfahrung machen können, wie anstrengend es ist, über viele Stunden in einer Sprache zu kommunizieren und zu schreiben, die nicht die eigene ist. Da denken wir schon wieder an unsere jungen Geflüchteten. Nach einigen wenigen Stunden tritt Müdigkeit auf. Das Bedürfnis nach Unterbrechung durch Bewegung und Spiel zeigt uns, wie wichtig kreative Pausen sind.

 

Grundsätzlich ist es spannend, wieder einmal in der Position einer Gruppenteilnehmerin zu sein und aus dieser Perspektive Lernen und Lehren zu erfahren. Auf uns als uniT-Team und auf das Arbeitsklima in Graz dürfte sich ebenfalls positiv auswirken, dass wir während des Seminars in Riga alle auf Augenhöhe waren. Weder spielt eine Rolle, wer welche Position bei uniT inne hat, noch macht es einen Unterschied, ob jemand viel oder wenig schreibt. Alle sind in ihrem Bestreben, sich und ihr kreatives Potenzial zu erkunden, gleich. Somit erlebten wir hautnah, wie die Begegnungen im Schreibprozess es möglich machen, Diversität zu leben.

 

Einige Zeit nach unserem  Aufenthalt in Riga treffen wir einander im Reflectionlab und teilen und reflektieren unsere Erfahrungen mit den KollegInnen, die uns nicht nach Riga begleiten konnten. Wir stellen die neu gelernten Methoden und Ansätze vor und erproben diese gleich praktisch. Es zeigt sich auch anhand der Rückmeldungen unserer KollegInnen, dass wir viel neues und hilfreiches Material aus Riga mitgebracht haben.

 

Neue Impulse und Ideen sind stets wichtig für die eigene Arbeit, die ja nicht in Routine erstarren soll. Und es macht wieder Lust, selbst kreativ und innovativ zu werden im Erkunden neuer Lehr- und Lernmethoden.

Mehr zum Kreativen Schreiben:

https://www.salto-youth.net/downloads/toolbox_tool_download-file-1429/CW-cookbook-web.pdf

 

Von Madeleine Lissy

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