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Blog

Konk Ar Lab: Gemeinsam gestalten und lernen — ein FabLab für alle

12/07/2019
by André Chauvet
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

[Übersetzung (Französich - Deutsch) : EPALE Frankreich]

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„Drittorte“ liegen im Trend und sind Gegenstand des Versuchs, sie mehrere Rollen übernehmen zu lassen. Da sie aber von ihrem Wesen her einzigartig und an ihre Umwelt angepasst sind, können sie sich nur entwickeln, wenn sie Lösungen für notwendigerweise lokale Probleme bieten. Es macht daher nicht immer Sinn, sie vervielfältigen zu wollen. Aber diese Singularität, diese notwendige Plastizität, hindert uns nicht daran, nach Funktionsprinzipien zu suchen, die über den jeweiligen Kontext hinausgehen, die eine Form der Universalität bergen. Indem versucht wird, die Herausforderungen und ihre Beiträge zu verstehen, wird es möglich, Hypothesen in Bezug auf Integration, Bürgersein und Solidarität aufzustellen und auf den Prüfstand zu stellen. Das FabLab Konk Ar Lab, dessen Träger das Ballungsgebiet Concarneau Cornouaille ist, liegt in dem kommunalpolitisch prioritären Stadtteil Kérandon, und hat sich das Ziel gesetzt, ein sehr durchmischtes Publikum um unterschiedlichste Projekte zu versammeln. Der Entwicklungsleiter Olivier Audet beschreibt es wie folgt: „Ein Ort zum gemeinsamen Gestalten und Lernen, ein gemeinsamer Workshop, um Ideen zu testen, zu planen und zu konstruieren. Es ist in erster Linie ein Ort, den alle für Projekte nutzen können, die allen nützen.“ Diese digitale Fertigungswerkstatt, ein kollaborativer Arbeitsbereich, wird von verschiedenen Akteuren (Bewohner, Verbände, Unternehmen, diverse Ansprechpartner, …) getragen und der unterstützende Verband hat bereits eine sehr große Mitgliederzahl. Die Struktur, die Aufgrund ihres Einsatzes für Integration eine finanzielle Unterstützung von der Fondation erhält, stützt sich bei den Beziehungen zum Publikum und der Schwierigkeit, es für Angebote zu mobilisieren, die zu stark auf seine Schwachstellen ausgerichtet oder zu anspruchsvoll sind, auf verschiedene Feststellungen. Im Rahmen einer Analyse wurde eine Reihe von Faktoren eingegrenzt. Einige müssen berücksichtigt werden, insbesondere der Eindruck der Realitätsverschiebung, der bei vielen entsteht, wenn sie ihre alltäglichen Sorgen mit den ihnen gemachten Vorschlägen ins Verhältnis setzen. Darüber hinaus suchen diese Menschen manchmal eine Form des Rückzugs, die kooperative Ansätze erschwert, die ein Engagement erfordern (über sich selbst zu sprechen ist nicht selbstverständlich). Auch dieses mangelnde Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann eine doppelte Funktion erfüllen und einerseits ein Grund für den Rückzug, andererseits ein Hebel für die Mobilisierung zu sein.

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Gemeinsam etwas entstehen lassen

Genau an diesem Punkt wird das gemeinsame Tätigwerden mit anderen (die abgesehen von dem geplanten Projekt in keiner Verbindung zu einem stehen), das es ermöglicht, Dinge zu gestalten, zu lernen und zu basteln, zu einer Erfahrung, die per Definition mobilisiert. Vor allem aber wird sie das Verhältnis zum Handeln und zur Zukunft nachhaltig verändern. In diesem Zusammenhang war eine Gruppe von Jugendlichen des Programms ‚Garantie jeunes‘, die in verschiedenen Städten des Ballungsgebiets Concarneau Cornouaille (CCA) leben und von der Mission locale du Pays de Cornouaille (als Teil eines Experiments) begleitet wurden, an technisch sehr anspruchsvollen Projekten beteiligt. Ein Zeichen: Sie wollten das Projekt auch außerhalb des Programms abschließen. Was lernen wir gemeinsam aus diesen Erfahrungen? Zum einen gehen Integrationsfragen immer auch mit dem Verhältnis zu sich selbst, zur Umwelt und zur Zukunft einher. Daher ist es wichtig, ein Instrumente zu entwickeln, die diese drei Parameter einschließen, aber sicherlich auf eine weniger direkte, weniger erzwungene Weise, damit die Akteure und Chancen weiter existieren können. Da es sich um ein hier um ein besonders bildungsfernes Publikum handelt, können wir mehrere Effekte beobachten: Zur Entwicklung des sozialen Zusammenhalts in Umgebungen betragen, in denen Rückzug und Einsamkeit die Integrationsschwierigkeiten steigern können; neue technische und soziale Fähigkeiten durch „tun“ (digitales Lernen und Umgang mit Werkzeugen und Maschinen, Zusammenarbeit bei der Projektkonstruktion) entwickeln. Diese Fähigkeiten werden entwickelt, weil sie für das Projekt notwendig sind und nicht, weil sie Teil eines Programms sind. Dadurch kann jeder in einer fördernden und wohlwollenden Umgebung einen Beitrag zu Projekten leisten. 

Indirekte Hebel der Mobilisierung

Zu diesem Punkt sind einige Parametern gut bekannt: Nicht zu viele Einschränkungen im Vorfeld; das Interesse entwickelt sich durch das Tätigsein; die Fertigung steht im Mittelpunkt des Prozesses. Wie Hélène Guiziou, Beraterin bei der Mission Locale du Pays de Cornouaille, erklärte, ist es notwendig, einen „Überraschungseffekt“ zu erreichen. Wenn es Misstrauen besteht, ist die Möglichkeit, Dinge testen zu können, ein wichtiger Aspekt in Sachen Mobilisierung.   Weil man gehen kann, wird die Teilnahme zu etwas Natürlichem, nicht zu einem Zwang. Die gemeinschaftliche und zeitlich befristete Dimension spielen eine zentrale Rolle. Sinnvoll ist ein gemeinsames, auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtetes Handeln. Ein Ziel, das, wenn es einmal erreicht ist, stolz macht – was bedeutet, dass auch das Klima entscheidend ist: Freundlichkeit, Freude, Ausdauer bei gemeinsamen Anstrengungen. Es verändert auch die Beziehung zu Lernen und Ausbildung (informelles Lernen durch den Aufbau des Projekts: Man lernt, weil die Notwendigkeit des Aufbaus ein Verständnis für bestimmte Themen erfordert). Kein Ausbildungsexperte gibt eine Chronologie vor. Die Fertigung bedingt das notwendige Know-how und gelernt wird in einer realen Situation. Dadurch können verschiedene „Soft-Skills“ erworben werden, man wird aktiv, erwirbt Fähigkeiten zufällig und gelegentlich, ohne dass der Ausbildungsaspekt auferlegt, eine Voraussetzung oder verschult ist.  Es ermöglicht den Teilnehmern auch, die Rolle des Akteurs und Mitwirkenden zu entdecken und sich einzubringen: Die Kontrolle über die eigene Zeit, die Verpflichtungen, das eigene Leben wieder in die eigene Hand nehmen, die Klärung der Prioritäten und das Treffen von Entscheidungen zu erleichtern. Jeder kommt und kann seine Ressourcen einbringen. Es gibt nicht unbedingt einen Status, Altersklassen oder eine Hierarchie. Aus dem zu erreichenden Ziel, dem erwarteten Ergebnis kann ein Dialog entstehen. Generell ist bei kooperativen Erfahrungen zu sehen, was sie im Hinblick auf die soziale Eingliederung zu einer Zeit, in der Desinvestitionen, Loslösung und Nichtwahrnehmung von Ansprüchen zunehmen, ausrichten können. Den Blick auf sich selbst, auf andere und auf die Zukunft verändern, neues Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit gewinnen, die anderen als Ressource entdecken, sich selbst als Ressource und Mitwirkenden zu entdecken. Und es kann dabei helfen, optimistischer in die Zukunft zu blicken. Im weiteren Sinne, und die Gespräche mit den jungen Menschen bestätigen dies, kann es auch dazu beitragen, andere berufliche Perspektiven zu erkennen, sich für andere Berufe zu öffnen, andere Umgebungen zu entdecken, sich andere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten vorzustellen. Hélène Guiziou fährt fort: „Was sie im FabLab erlebt haben, hat ihnen möglicherweise Selbstvertrauen, Vertrauen in andere gegeben. Dadurch entstand eine für sie im Wesentlichen ungeahnte Dynamik, denn prinzipiell wussten sie nicht, ob  sie ein Interesse daran finden und die Vorgaben ertragen würden.“ Aber auch, um das lokale Netzwerk zu verlassen und sich anderen Umgebungen, Akteuren, Ressourcen und Integrationslösungen zu öffnen durch die Aktivierung neuer Netzwerke, durch den Kontakt mit anderen Umgebungen, durch die Entwicklung einer Neugierde für andere Möglichkeiten. 

Kurz gesagt ermöglicht die Teilnahme an Fab Lab-Projekten es den Menschen, ihre Bemühungen auf ein bestimmtes, zeitlich begrenztes Projekt zu richten, das die Schaffung von sichtbaren Gegenständen ermöglicht, auf die sie stolz sein können... ein Schritt in der Rekonstruktion der eigenen Handlungsfähigkeit. Solche Konfigurationen können als kapazitive Situation oder kapazitive Umgebung (Falzon, 2005) bezeichnet werden, wie Sen (Sen, 2000) sie in seine Theorie der Fähigkeiten integriert hat. Auch das FabLab ist noch jung, die Projekte sind vielfältig und eröffnen Perspektiven, die es zu ermöglichen und zu analysieren gilt, denn sie lassen eine andere Weise des Aufbaus von Solidarität und Lernsituationen durchscheinen, in denen jeder einen Beitrag leisten und einen Platz im Dienst des Gemeinwohls finden kann.

https://www.konkarlab.bzh

 


[1]Konk Ar Lab, FabLab in Concarneau

 

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 André CHAUVET ist der thematische Koordinator von EPALE Frankreich für das Thema "berufliche Übergänge".

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