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EPALE - E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

Blog

Ein Interview mit Antonio Román und Gema Parrado – AUPEX

05/05/2020
von EPALE Moderator
Sprache: DE
Document available also in: EN ES FR HU LV EL RO

EPALE interviews AUPEX

Antonio Román und Gema Parrado arbeiten als Projektkoordinatoren bei AUPEX [ES] (Asociación de Universidades Populares de Extremadura), einer gemeinnützigen Organisation in Spanien, die ein Netzwerk von 213 überwiegend in ländlichen Gebieten liegenden Volkshochschulen koordiniert, in denen verschiedene Projekte im Bereich lebenslanges Lernen durchgeführt werden. In diesem Interview erläutern sie uns, wie ihre Arbeit vom Ausbruch des neuartigen Coronavirus COVID-19 beeinflusst wird.

Erzählen Sie uns ein wenig von den fantastischen Initiativen, die AUPEX in der Extremadura durchführt, um die digitalen Kompetenzen von Erwachsenen in ländlichen Gebieten auszubauen.

Als in der spanischen Extremadura tätige Vereinigung leitet AUPEX das regionale Programm im Bereich Digitale Kompetenz, das kürzlich in „Digitalkompetenzprogramm für Beschäftigungsfähigkeit“ umbenannt wurde und von der staatlichen Arbeitsverwaltung finanziert wird. Zu AUPEX gehört ein Netzwerk aus 75 Zentren für digitale Kompetenz, die in ländlichen Gebieten und Gegenden in Randlage angesiedelt sind. Wir arbeiten mit Erwachsenen – hauptsächlich Arbeitslose oder Menschen aus benachteiligtem Milieu –, um deren digitale Kompetenzen zu verbessern, damit sie bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz haben. Wir bieten kostenlose Schulungen für Erwachsene an, die in die Zentren für digitale Kompetenz kommen und dort an Workshops, Sensibilisierungsaktivitäten und -kampagnen teilnehmen. Wir sind im Bereich digitale Inklusion und digitales Empowerment tätig und beziehen uns bei unserer Arbeit auf den Europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger (DigComp). Auch auf europäischer Ebene sind wir aktiv und beteiligen uns an Initiativen wie der EU Code Week und der ALL DIGITAL Week. Auf europäischen Plattformen wie EPALE sind wir ebenfalls präsent und tauschen uns dort über bewährte Verfahrensweisen und neue Methoden, Inhalte und Ansätze aus, um unsere Schulungsaktivitäten optimal zu nutzen.

Wie bewältigt AUPEX die Herausforderungen der sozialen Isolation, die durch den Ausbruch des Coronavirus verursacht werden?

Wir arbeiten mit benachteiligen Menschen in ländlichen Gebieten, und nun mussten die Zentren, in denen diese sich Hilfe holen konnten, schließen. Unsere E-Vermittler*innen arbeiten im Homeoffice und bieten Online-Unterstützung an. Aktuell besteht unsere größte Herausforderung darin, laufend mit unseren Nutzer*innen Kontakt zu halten. In den letzten zwei Wochen gingen bei uns über 400 Anfragen zu Unterstützung ein.

Wie gelangen diese Anfragen zu Ihnen? Wie können Sie sicherstellen, dass Sie die Bedürftigen in Ihrer Region erreichen?

Unsere E-Vermittler*innen arbeiten in sehr kleinen Gemeinden, sind also Teil Ihrer Gemeinde, haben starke persönliche Verbindungen zu den Menschen vor Ort und sind durch soziale Netzwerke gut integriert.

Als wir mit der Arbeit im Homeoffice begannen, haben wir als erstes ein Formular erstellt, das jedes Digitalzentrum über sein Netzwerk verbreitet hat. Wir haben deutlich gemacht, dass man das Formular ausfüllen muss, wenn man Unterstützung bei der Nutzung einer Technik, der Kommunikation, der Erledigung von Verwaltungstätigkeiten im Internet oder bei den Hausaufgaben der Kinder benötigt, und wir dann Kontakt aufnehmen. Wenn Anfragen eingehen, nutzen wir für die Kommunikation mit unseren Nutzer*innen alle verfügbaren Tools: E-Mails- oder WhatsApp-Nachrichten, Video- und Telefonanrufe. Gegebenenfalls können wir sogar die Computer unserer Nutzer*innen steuern. Momentan ist es sehr wichtig, dass die Nutzer*innen unsere Unterstützung spüren, was uns auch die Möglichkeit bietet, unsere Rolle als Bezugspunkt zur Verbesserung digitaler Kompetenzen zu bewerten.

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Was sind aktuell die wichtigsten Anliegen der Nutzer*innen? Welche Art von Anfragen gehen bei Ihnen ein?

Viele unserer Nutzer*innen befürchten einen Arbeitsplatzverlust, weshalb die meisten Anfragen konkrete Beschäftigungssituationen betreffen. Bei manchen Fragen geht es darum, wie die Online-Ressourcen genutzt werden, um Informationen über derartige Angelegenheiten zu sammeln (zum Beispiel die Leitlinien und Unterstützungsmaßnahmen der Regierung). Andere Fragen wiederum sind spezieller und betreffen die Arbeitnehmerrechte oder stammen von Arbeitgeber*innen, die wissen möchten, wie sie Unterstützung erhalten können, um ihre Beschäftigten zu bezahlen. Bei uns gehen viele Anfragen zu neuen Kommunikationsmöglichkeiten mit Freund*innen oder Verwandten ein. Ein weiteres häufiges Thema ist die Zuverlässigkeit von Informationen. Wir werden oft gefragt, welche Wege man am besten nutzen sollte und wie man Falschinformationen erkennen kann. Auch das ist Teil der umfassenderen Medienkompetenzstrategie von AUPEX. Bei der All Digital Week investieren wir beispielsweise viel in die Sensibilisierung dafür, wie die richtigen Informationsquellen ausgewählt werden, wie man Falschinformationen und absichtlich manipulierte Informationen erkennt. Wir versuchen, den Begriff „Fake News“ zu vermeiden, wie von der Hochrangigen Expertengruppe der EU zu Falschinformationen [EN] empfohlen. Kürzlich haben wir das Projekt INFOPIRINA [ES] ins Leben gerufen, ein natürliches Heilmittel, das auf den Wirkstoffen kritisches Denken und Medienkompetenz basiert, mit denen sich das Problem der Falschinformation am besten bewältigen lässt. Es steht in spanischer und italienischer Sprache zur Verfügung (die italienische Fassung wurde von ART-ER [IT] übersetzt und adaptiert).

Wir erhalten auch viele Anrufe von Nutzer*innen zu Alltagsthemen und persönlichen Fragen, die auf den freundschaftlichen Beziehungen basieren, die sie mit den E-Vermittler*innen geknüpft haben, die in ihrer Gemeinde arbeiten und oft auch dort leben und für sie nun noch wichtiger geworden sind. Dieser direkte Kommunikationsweg ist wirklich der Schlüssel.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie in der aktuellen Situation noch?

Wir müssen überdenken, wie wir künftig Schulungen anbieten wollen. Momentan befassen wir uns noch einmal mit den Themen, die wir bei unseren Schulungen behandeln sollten. Normalerweise würden wir unsere Nutzer*innen dazu befragen, aber momentan konzentrieren sich alle auf das „Jetzt“ und sind nicht in der Lage, über viel Anderes nachzudenken, was darüber hinaus geht. Das gilt auch für unsere Lehrkräfte. In dieser schwierigen Zeit konzentrieren sich alle auf ihr eigenes Digitalzentrum und ihren eigenen Kontext und haben alle eigene Ideen, wie man die Methoden, die wir nutzen, neu denken könnte. Unsere darüber hinausgehende Herausforderung besteht darin, zu versuchen, uns von der lokalen auf die globale Ebene zu begeben, indem wir unsere Schulungen mit globaler Perspektive neu denken.

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Gibt es Ressourcen, die Sie angesichts dieses neuen Kontexts mobilisieren?

Das Digitalkompetenzprogramm für Beschäftigungsfähigkeit der Extremadura beinhaltet auch Schulungen im Bereich 3D-Druck, virtuelle Realität, Coding, rechnergestütztes Denken und Experimentieren mit digitalen Geräten. Wir besitzen mehrere Digitaldrucker. Momentan beteiligen wir uns an einer Herstellerbewegung zum 3D-Drucken von medizinischen Bedarfsartikeln – Gesichtsmasken – zum Schutz derjenigen, die aktuell mehr Schutz benötigen, beispielsweise medizinisches Personal oder Beschäftigte in Supermärkten. Als die Zentren schließen mussten, haben wir die 3D-Drucker mit nach Hause genommen. Wir haben mittlerweile 2000 Gesichtsmasken gedruckt, rund 400 pro Tag.

Damit vermitteln wir eine Botschaft: Für die Nutzer*innen können digitale Kompetenzen und digitale Technologien eine Antwort auf soziale Bedürfnisse liefern und für ein Empowerment der Bürger*innen sorgen, ein sehr spezielles Problem zu lösen.

Die Teilnahme an einem solchen Projekt bedeutet, dass verstanden wird, welche entscheidende Bedeutung digitale Kompetenzen und Soft Skills für die Erwachsenenbildung haben können. Dies passiert nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa. Unserer Meinung nach sollten diese lebendigen Laboratorien, diese Ökosysteme der Innovation Teil der Erwachsenenbildung sein. Kreativität, Anpassung an den Wandel, Teamarbeit und Nutzung neuer Tools – all das sind Dinge, auf die wir uns in unserer Erwachsenenbildungseinrichtung künftig ausrichten möchten, wobei wir uns stets vergegenwärtigen, dass grundlegende digitale Kompetenzen für Erwachsene nie gefragter waren als jetzt.

Wird die aktuelle Notsituation Ihrer Meinung nach für die Erwachsenenbildung eine Hürde darstellen oder Innovationen und ein Umdenken herbeiführen?

Unserer Meinung nach könnte sie eine riesige Chance darstellen, mit neuen Tools zu experimentieren und sie einzusetzen, und die Art und Weise, in der wir Schulungen durchführen und entwickeln, neu zu organisieren. Wenn die Notsituation überstanden ist, wird es interessant sein, die Nutzung dieser digitalen Tools weiter fortzusetzen, um unsere Nutzer*innen zu erreichen. Dadurch werden wir einen Schritt weiter gehen können (ir más allá).

Da die digitale Dimension immer mehr Bedeutung erlangt, ist uns mehr als je zuvor klar geworden, dass es tiefgehende Veränderungen geben wird. Die Methoden, die wir bereits nutzen, – wie dienstbasierte(s) Lernen oder Simulationen – und auch neue Methoden bergen ein riesiges Potenzial für die Förderung sozialer Innovationen. Uns wird immer mehr klar, dass man, wenn man an einer Schulung teilnimmt, nicht nur lernt, sondern auch die eigene Zukunft und die der eigenen Community neu gestaltet. Digitaler Unterricht und nicht-formale Bildung bergen ein gewaltiges Potenzial, Mehrwert zu schaffen und lokale Communities unter den neuen Umständen, in denen wir uns befinden, voranzubringen.

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1 - 1 von 1 anzeigen
  • Bild des Benutzers David LOPEZ
    La entrevista me parece muy interesante. Plantea realmente el riesgo de exclusion digital. Sabemos que habra un incremento de las herramientas digitales. Pero como lo explican perfectamente, es necesario poder acompanar a las personas sobre los temas pedagogicos como los materiales. Un problema visto desde Francia, es poder preparar un gran numero de personas a entrar en el mundo digital. Hoy me parece que muchos no han hecho todavia ese paso. Hay una cierta urgencia a hacerlo. Gracias por su entrevista. David LOPEZ