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Interkulturalität und interkulturelle Kompetenzen zwischen Praxis und Forschung: L.E.R.I.C, ein interkulturelles Labor in Marokko

Interview mit Abdelouahad Mabrour, Leiter des Labors für interkulturelle Studien und Forschungen, El Jadida (Marokko)

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[Übersetzung : EPALE Frankreich]

Interview mit Abdelouahad Mabrour, Professor für Linguistik, Leiter des Labors für interkulturelle Studien und Forschungen (LERIC), El Jadida (Marokko)

Interkulturalität und interkulturelle Kompetenzen zwischen Praxis und Forschung: L.E.R.I.C., ein interkulturelles Laboratorium

Guten Tag, Herr Mabrour!

Das Thema Interkulturalität und interkulturelle Kompetenzen rückt immer mehr in den Vordergrund. Aufgrund Ihres Werdegangs, Ihrer Arbeit und der von Ihnen durchgeführten Projekte würde ich gerne mehr über Ihre Erfahrungen mit diesen interkulturellen Dimensionen erfahren.

Diese Themen sind wichtig für Fachleute und Akteure aus den Bereichen Bildung und Berufsausbildung, die sich auf der EPALE/Erasmus + Plattform treffen

Können Sie uns zu Beginn ein wenig über sich selbst erzählen?

Ich bin in Fes geboren und habe dort meine gesamte Schul- und Universitätsausbildung absolviert, die Königsstadt Fes hat eine entscheidende Rolle in der politischen und (inter-)kulturellen Geschichte Marokkos gespielt. Ich habe eine Doktorarbeit (unter der Leitung von Jean Molino) und zehn Jahre später eine Arbeit für das Staatsexamen (unter der Leitung von Joëlle Gardes-Tamine) geschrieben. Ich wechselte an die Universität Chouaïb Doukkali in El Jadida (90 km südlich von Casablanca), wo ich meine Vorlesungen im Fachbereich Französische Sprache und Literatur hielt und einige Jahre später die Ämter des Vizedekans, des Dekans der FLSH (Faculté des Lettres et Sciences Humaines) und des Direktors der Ecole Supérieure d'Education et de Formation (Hochschule für Erziehung und Bildung) übernahm. Zusammen mit Kollegen der Universität Lüttich gründeten wir 1996 die Groupe de Recherche sur l'Interculturel (Forschungsgruppe für Interkulturalität) und 2005 das Laboratoire d'Etudes et de Recherches sur l'Interculturel (Labor für Studien und Forschungen über Interkulturalität).

Können Sie uns sagen, wie Sie in Ihrem persönlichen, akademischen oder beruflichen Werdegang mit Interkulturalität in Berührung gekommen sind?

Schon als kleines Kind las ich alles, was mir in die Finger kam. Zunächst (übersetzte) Texte auf Arabisch: Tausend und eine Nacht, Les Misérables, Die Kameliendame, die Romane von Hemingway, ... dann etwas später auch Texte, die auf Französisch geschrieben oder ins Französische übersetzt worden waren. Man sollte auch sagen, dass die Stadt Fes (und auch heute noch) ein erstklassiger Ort der Begegnung (mehrere Konfessionen) und der Pilgerfahrt für viele Menschen aus Subsahara-Afrika war. Die Frage der Interkulturalität wird aus akademischer Sicht an der Universität, in Marokko und im Ausland, während meiner Praktika, meiner Dienstreisen und der wissenschaftlichen Treffen, an denen ich teilnahm, behandelt.

Was hat Sie dazu veranlasst, sich mit dem Thema Interkulturalität und interkulturelle Kompetenzen zu beschäftigen?

Zunächst meine Leidenschaft fürs Lesen, die ich bereits erwähnt habe, und dann, in der Ausübung meines Berufs (Ausbildung und Forschung), die verschiedenen sprachlichen und kulturellen Kontexte, die ich in meinen Kursen (Sprachkontakt und Sprachen in Kontakt; mehrsprachige Räume, ...) und im Rahmen der Seminare, die ich leitete, erwähnte. Die internationale Öffnung (Kooperation, Austausch, Dienstreisen, ...) war auch in dieser Hinsicht ein entscheidender Faktor.

Sie leiten das Laboratoire d'Etudes et de Recherches sur l'interculturel (LERIC) in El Jadida, Marokko. Können Sie uns etwas mehr über die Entstehung des Labors, die Ziele, die Ausrichtung und die Maßnahmen erzählen?

1996 haben wir zusammen mit Kollegen von der Universität Lüttich die Forschungsgruppe Interkulturalität ins Leben gerufen. Diese Partnerschaf, aber auch die Ausbildung zur/durch Forschung, war Teil eines Forschungsprogramms, das jeweils um drei Dreijahreszeiträume verlängert wurde (1997-1999; 2000-2002; 2003-2005). Zusammen mit der Forschungsgruppe für Kommunikation, interkulturelle Didaktik und Sprachwissenschaften (Groupe de Recherche en Communication Didactique Interculturelle et Sciences du Langage) wurde 2005 das Laboratoire d'Etudes et de Recherches sur l'Interculturel (Labor für interkulturelle Studien und Forschungen) gegründet.

Gemeinsam mit den belgischen Kollegen (später mit anderen Forschern aus verschiedenen geografischen Gebieten der Welt) arbeiteten wir an der Interkulturalität, wie sie in der frankophonen Literatur beider Länder zu beobachten war. Unser Hauptziel war es, die Studierenden für diese Fragen zu sensibilisieren und zu versuchen, bei ihnen eine interkulturelle Kompetenz zu entwickeln, die den anderen in seinen Eigenheiten und Unterschieden berücksichtigt. Es wurde viel Arbeit in diese Richtung geleistet.

Das Labor, das 2010 als mit dem CNRST assoziierte Struktur (URAC 57) ausgezeichnet wurde, verfügt über einen Forschungsmasterstudiengang (Interkulturelle Studien) und einen Doktorandenstudiengang ((interkulturelle Repräsentationen: Sprache, Literatur und Kunst). Die Struktur hat 24 ständige Mitglieder und etwa 50 Doktoranden.

Zu den Forschungsschwerpunkten des Labors gehören:

  • Literatur, Stilistik, Rhetorik
  • (Sozio-)Linguistik,
  • interkulturelle Studien,
  • interkulturelle Didaktik,
  • Diskursanalyse, ..
  • Übersetzung, ..

Inwiefern trägt dieses Labor und seine Arbeit zur Entwicklung von Interkulturalität und/oder interkulturellen Kompetenzen bei?

Seit seiner Gründung haben das GRI und später das LERIC mehrere internationale wissenschaftliche Veranstaltungen organisiert, die zu mehreren Veröffentlichungen führten (auf Französisch):

  • organisation de la 1ère édition du colloque international : Trajectoires interculturelles. Représentation et image de l’autre dans le domaine francophone”, les 24, 25 et 26 novembre 1999 (publié en 2002),  
  • organisation de la deuxième édition internationale des : Trajectoires interculturelles : Exils imaginaires et exils réels dans le domaine francophone. (théorie, histoire, figures, pratiques). Colloque international organisé du 10 au 12 décembre 2002, à El Jadida (Publié en 2004),  
  • organisation de la troisième édition des Trajectoires interculturelles « (S’)écrire au féminin », 14-16 décembre 2005, Liège,  
  • hommage à Driss Chraïbi, journées d’étude organisées, en partenariat avec l’Association Provinciale pour les affaires Culturelles et l’association At’Art, les 13 et 14 décembre 2006 (Publié en 2009),  
  • hommage à Abdelkébir Khatibi, journées d’étude organisées, en partenariat avec l’Association Provinciale pour les affaires Culturelles et l’association At’Art, en mars 2008 (Publié en 2009),  
  • Oralité et écriture, colloque international (4ème édition) organisé en partenariat avec l’Université de Liège, les 18 et 19 avril 2007 (publié en 2011),  
  • Didactique interculturelle et enseignement du français langue étrangère à l’université (publié en 2013),  
  • Enseignement, langues et cultures au Maroc (publié en 2015),  
  • La lettre et l’image. Enquêtes interculturelles sur les territoires du visible (publié en 2016)?  
  • Cultures au Maghreb : représentations et interactions (2018),  
  • Anthologie littéraire francophone transversale (Algérie, Belgique, Liban, Maroc, Tunisie) (2018),  
  • Approche interculturelle du discours, (2019),  
  • La Belgique:Un continent francophone à découvrir (2020),  
  • Langue, littérature et art. Représentations, pratiques, enjeux), (2021),  
  • Contes du Maroc et du Burkina Fasso. Regards croisés, (2021)

Es gab viele finanzierte Projekte und Master- und Promotionsstudiengänge.

Was würden Sie angesichts Ihres Werdegangs und der Arbeit von LERIC als wichtigste Idee für zukünftige Studierende bzw. Generationen festhalten?

Meiner Meinung nach geht es darum, die Studierenden anhand von konkreten Fällen, anhand von Beispielen aus verschiedenen Kontexten zu sensibilisieren, um auf das Thema Interkulturalität aufmerksam zu machen. Ich glaube, dass die Rettung des Menschen zum großen Teil davon abhängt, dass er sich anderen öffnet und bereit ist, den Kreis zu verlassen, den bestimmte Ideologien gezogen haben.

Ich danke Ihnen für dieses Gespräch und Ihren Beitrag zum Thema Interkulturalität.

Thierry Ardouin

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