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Intergenerationelles Lernen: Es findet jederzeit statt

19/05/2015
von Simon BROEK
Sprache: DE
Document available also in: EN FR PL IT

In seinem Gastblog hat Brian Findsen das Problem der vergessenen mittleren Generationen beim intergenerationellen Lernen angesprochen. Programme für intergenerationelles Lernen bringen häufig junge Menschen mit älteren Menschen in Kontakt. Aber informelles intergenerationelles Lernen findet zu allen Zeiten und zwischen allen Generationen statt; Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichen Alters lernen voneinander - dasselbe gilt für Eltern und Kinder.

Die Forschung (Corrigan, McNamara, O'Hara; 2013) zeigt, dass intergenerationelles Lernen eine hervorragende Methode ist, um eine transformative Bildung zu ermöglichen. Die Menschen lernen voneinander durch Beobachtung, Nachahmung und Modell-Lernen. Programme für intergenerationelles Lernen schaffen hervorragende Lernmöglichkeiten und tragen zu einer Veränderung der Einstellung zwischen den Generationen bei. Als Nebenwirkung werden auch intergenerationelle und interkulturelle Solidarität gefördert, eine wichtige Entwicklung in dem augenblicklichen sozioökonomischen Klima in Europa.

Intergenerationelles Lernen steht für  :

  •  beiderseitigen Nutzen: Alle teilnehmenden Generationen sollten davon profitieren.
  • Einbettung in den kulturellen Kontext: Bedürfniskontext und Einstellungen unterscheiden sich in den einzelnen Kulturen erheblich. Eine Methode, die in einer Region erfolgreich ist, funktioniert wegen dieser Unterschiede in einer anderen vielleicht überhaupt nicht oder ist dort nicht relevant.
  • Aktive Mitwirkung: Die Teilnehmer sollten aktiv an der Ausgestaltung der einzelnen Aktivitäten mitwirken und so ein Gefühl der Eigenverantwortung  entwickeln – und die Generationen miteinander verbinden.
  • Förderung des Zusammenhalts der Gemeinschaft und einer aktiven Bürgerschaft: Generationenübergreifendes Engagement mit dem Ziel, positive Verbindungen  für die Schaffung eines besseren Zusammenhalts in der Gemeinschaft mit mehr Sozialkapital und mit mehr Bürgersinn aufzubauen.
  • Wertebasierte Vorgehensweise: Auf Stärken für Erfolg, Verständnis und gegenseitige Achtung aufbauen.
  • Bekämpfung der Altersdiskriminierung: Altersdiskriminierung ist nicht nur ein Problem, das alte Menschen betrifft  – auch junge Menschen werden aufgrund ihres Alters diskriminiert. Die Begegnung zwischen alten und jungen Menschen kann dazu beitragen, dass beide herausfinden, wer sie wirklich sind und was sie gegenseitig voneinander lernen können.
  • Gute Planung: Versuch, positive Veränderungen zu schaffen, die sich auf natürliche Abläufe auswirken können.
  • Disziplinen übergreifende oder interdisziplinäre Ansätze: Ausweitung der Erfahrungen von Profis, damit sie stärker inklusiv arbeiten und einen breiteren Ansatz für die Gestaltung ihrer Arbeit gewinnen.

Dieses Video hat sich im vergangenen Jahr rasend schnell verbreitet; es enthält sämtliche Grundsätze für intergenerationelles Lernen.

 

Es gibt auch eine Reihe interessanter europaweiter Initiativen im Bereich des intergenerationellen Lernens. Die folgenden zählen zu meinen Favoriten:

  • Zum Beispiel die European Approaches to Inter-Generational Lifelong Learning (EAGLE) (Europäische Ansätze zum lebenslangen intergenerationellen Lernen), die politische Maßnahmen und Praktiken auflisten und ein Toolkit für intergenerationelle Aktivitäten entwickelt haben (im Rahmen von Grundtvig finanziert)
  • Oder das European Certificate of Intergenerational Learning (ECIL) (Europäisches Zeugnis für intergenerationelles Lernen), im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen gefördert. Ziel dieses Projekts ist, einen Fernkurs für intergenerationelles Lernen zu entwickeln.
  • Und nicht zuletzt die European Map of Intergenerational Learning (EMIL)(europäische Karte des intergenerationellen Lernens), finanziert über die Beth Johnson-Stiftung. EMIL ist ein Netzwerk zur Förderung der Zusammenarbeit von Mitgliedern, die gemeinsam an der Unterstützung des intergenerationellen Lernens in ganz Europa arbeiten. Die Website von EMIL enthält sehr viel nützliches Material zu dem Thema, darunter auch Fallstudien über interessante Praktiken und Länderprofile.

Was wir von diesen Initiativen lernen können, ist, dass die Organisation von intergenerationellem Lernen nicht nur eine Herausforderung sein kann, sondern auch eine sehr wertvolle Erfahrung. Wir müssen die richtigen Inhalte finden, die für unterschiedliche Generationen relevant sein und zu ihrem Wissen und Verständnis beitragen können. Das Lernumfeld sollte dazu beitragen, dass sich alle aktiv  beteiligen und dass die Lernenden sich gegenseitig mit Respekt begegnen.

Aber mehr noch – ohne das Thema jetzt mit allzu viel Theorie zu überfrachten – können Sie Beispiele für intergenerationelles Lernen beisteuern, das in Ihrem Alltag stattfindet? Manchmal passieren faszinierende Dinge genau vor Ihren Augen!

Simon Broek war an mehreren europäischen Forschungsprojekten zu Bildung, Arbeitsmarktfragen und dem Versicherungswesen beteiligt. Er hat die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und europäische Agenturen zu Fragen im Bereich Bildungspolitik, lebenslanges Lernen und Arbeitsmarkt beraten und ist geschäftsführender Gesellschafter im Ockham Institute of Policy Support.

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