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Blog

Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung

18/05/2018
von David Mallows
Sprache: DE
Document available also in: EN EL LV FI SL ET HU ES FR IT PL RO NL

/en/file/intercultural-learningIntercultural learning

Intercultural learning

 

David Mallows denkt darüber nach, wie interkulturelles Lernen effektiver gestaltet werden kann, um MigrantInnen bei der Integration in ihrem Gastland zu helfen und das kulturelle Bewusstsein der lokalen Gemeinschaften zu stärken.

 

Kritisches Bewusstsein ist unabdingbar

Beim EPALE-Podcast im Mai wurde über interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung diskutiert, im Kontext von Migration in Europa. Für die vielen Erwachsenen, die aus anderen Ländern Europas kommen, ist es sehr wichtig, die Kultur ihrer neuen Gastgemeinschaft zu verstehen. Interkulturelle Missverständnisse, die oft durch Unwissenheit oder Fehlinformationen verursacht werden, können sich negativ auf das Vertrauen der MigrantInnen und ihre Fähigkeit, sich auf die neue Gesellschaft einzulassen, auswirken. Kulturelle Grenzen können genutzt werden, um zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern einer Gruppe zu unterscheiden. Wenn jemand, der mit einer Kultur verwachsen ist, mit einer anderen Kultur in Kontakt kommt, entstehen eventuell Missverständnisse. Dies kann zu Misstrauen, Angst und folglich Fremdenfeindlichkeit führen. Die Mitglieder der Gastkultur können Aspekte der Kulturen von MigrantInnen als fremd wahrnehmen, was ihre Bereitschaft, sich mit MigrantInnen auseinanderzusetzen und sie zu unterstützen, stark einschränken kann. Im schlimmsten Fall kann dies zu negativen Reaktionen und dazu führen, dass Menschen aus anderen Kulturen, nur weil sie „anders“ sind, abgelehnt werden. In diesem Zusammenhang sollte es das Ziel von ErwachsenenbildnerInnen sein, dass ihre TeilnehmerInnen ein kritisches Bewusstsein entwickeln, damit sie in der Lage sind die vorherrschende sozioökonomische Kultur zu hinterfragen, die Ursachen von Fremdenfeindlichkeit zu verstehen und sie abzulehnen.

 

Oberflächenkultur und interne Kultur

Welche Rolle spielt dabei also die Erwachsenenbildung? Zunächst müssen wir darüber nachdenken, was wir unter „Kultur“ verstehen. In England ist es üblich, dass in Bildungseinrichtungen die vielfältigen Kulturen der jeweiligen TeilnehmerInnen durch öffentliche Aushänge an Schwarzen Brettern „gefeiert“ werden. Dort findet man dann meistens Bilder und Texte zu folgenden fünf Themen - Essen, Mode, Prominente, Feste und Fahnen. Doch was sagen diese fünf Themen wirklich über die Kultur einer Person oder einer Gemeinschaft aus? Was verraten uns Fish and Chips oder David Beckham wirklich über die englische Kultur?

Die fünf Themen kann man sich als Oberflächenkultur vorstellen - Kultur, die sichtbar ist, die man sehen, berühren und hören kann. Diese Oberflächenkultur kann der internen Kultur gegenübergestellt werden, die mit Überzeugungen, Werten und Denkweisen zu tun hat. Im Gegensatz zur Oberflächenkultur ist die interne Kultur oft insofern unbewusst, als uns nicht klar ist, dass unsere Ansichten kulturell bestimmt sind. Sie ist auch oft subjektiv, wobei einige Elemente mit anderen Menschen in unserer „Gemeinschaft“ geteilt werden, andere wiederum als Reaktion auf unsere lokalen, persönlichen Erfahrungen entwickelt werden. Für uns hier ist am wichtigsten, dass die Oberflächenkultur explizit erlernt wird und häufigen Veränderungen unterworfen ist, während die interne Kultur implizit erlernt wird, hauptsächlich durch Erfahrung, und sehr schwer zu verändern ist. Zu dieser tiefergehenden Form von Kultur könnten auch der Einfluss von Religion, sozialen Normen und deren Unterschiede im Kontext, unterschiedliche Einstellungen zu jungen und alten Menschen sowie ein gemeinsames historisches Verständnis zählen, auch wenn diese jeweils auf wenig Sachkenntnis beruhen. In diesen Elementen von Kultur sind unser tägliches Verhalten und viele gesellschaftliche Entscheidungen, die wir treffen, begründet.

Wenn wir uns also als ErwachsenenbildnerInnen für MigrantInnen dazu entschließen, die Gastkultur zu unterrichten, um das interkulturelle Lernen zu fördern, sollten wir dies über die Werte unserer Kultur und nicht über die Symbole tun. Statt darüber zu diskutieren, was an einem bestimmten nationalen Feiertag geschieht, sollten wir uns mit den sozialen Normen und ihren Auswirkungen auf die alltäglichen Interaktionen, die MigrantInnen erleben, befassen, die, wenn sie nicht erläutert werden, zu Hindernissen für Integration und Wohlbefinden werden können.

 

Zeigen, nicht reden

Wir sollten auch daran denken, dass zeigen mehr bewirkt als erklären. Als Vertreter der Gastkultur sollten wir unser eigenes kritisches Bewusstsein für die Gastkultur entwickeln, um die Annahmen zu verdeutlichen, die hinter vielen alltäglichen Situationen und Interaktionen, die MigrantInnen erleben, stehen. Im EPALE-Podcast wies mein Kollege Markus Palmen sehr richtig darauf hin, dass unsere Klassenzimmer selbst unsere Kultur und unsere Vorstellung von Bildung repräsentieren. Für MigrantInnen, die an formale Bildungssysteme gewöhnt sind, können Konzepte von Studienzirkeln, kreative Lernansätze oder ein weniger hierarchisch geprägter Unterricht mit Peer-Learning und Bewertung ein Schock sein. Unsere Vorstellungen von Bildung werden von Menschen anderer Kulturen möglicherweise nicht geteilt - und dies ist auch in vielen Bereichen des täglichen Lebens der Fall.

 

Integration ist keine Einbahnstraße

Es ist wichtig, dass wir bei unserer Diskussion über interkulturelles Lernen nicht die Meinung vertreten, dass es nur darum geht, dass MigrantInnen etwas über „unsere“ Kultur lernen. Bei der Integration geht es nicht nur darum, MigrantInnen die Mittel an die Hand zu geben, um in der neuen Gesellschaft erfolgreich zu sein und sich anzupassen, sondern auch darum, die Hindernisse zu beseitigen, die sie genau daran hindern. Integration bedeutet manchmal Assimilation im alten Stil, bei der MigrantInnen den größten Teil ihrer Kultur aufgeben und sich die Sprache, Kultur und Praktiken des Gastlandes aneignen. In anderen Fällen wird die Integration als wechselseitiger Prozess gesehen, in dem sich MigrantInnen und die Gastgemeinschaft aufeinander einstellen. Wenn wir die Integration nicht als Einbahnstraße sehen, dann kann die Erwachsenenbildung eine wichtige Rolle spielen, indem sie Erwachsene aller Gemeinschaften dabei unterstützt, ihre eigene interne, verborgene Kultur und die Gegensätze und möglichen Spannungen zwischen dieser und anderen Kulturen in ihrer Gemeinschaft besser zu verstehen. Interkulturelles Lernen kann durch die soziale Interaktion mit Mitgliedern der Gastgemeinschaft, bei der Elemente der internen Kultur verdeutlicht und diskutiert werden, stark gefördert werden.

Damit die Erwachsenenbildung zur Entwicklung einer kulturell reichen, kulturell bewussten, aber harmonischen Gesellschaft beitragen kann, sollten wir versuchen, die Gastgemeinschaft in die Bildungsprogramme für MigrantInnen einzubeziehen. Außerdem müssen wir einen multikulturellen Ansatz verfolgen, der die Kulturen der MigrantInnen und der Gastgemeinschaft hervorhebt und dadurch wertschätzt.


David Mallows besitzt 30 Jahre Erfahrung als Lehrer, Ausbilder, Manager und Forscher der Erwachsenenbildung. Er war früher Direktor der Forschungsabteilung am nationalen Forschungs- und Entwicklungszentrum für Erwachsenenbildung am UCL-Bildungsinstitut London und vertritt zurzeit als thematischer Koordinator für Lebenskompetenzen das European Basic Skills Network auf der EPALE-Plattform.

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1 - 10 von 13 anzeigen
  • Bild des Benutzers Filomena Montella

    I totally agree with the above. As a history teacher in evening classes, I base my lessons on sources and on the comparison of different cultures for a truly inclusive approach. Even with the teaching of Italian literature I propose a comparison of the texts from a thematic and formal point of view. The cultural comparison is richness and enrichment for the host community and for the guests who voluntarily choose to stay with it or not.
  • Bild des Benutzers Guenther Dichatschek MSc
    Im "Netzwerk gegen Gewalt" sind Anregungen zur Interkulturalität in der Erwachsenenbildung enthalten. Voraussetzung scheint ein Wissen von interkultureller Kompetenz und Politischer Bildung zu sein. Nach den bisherige Erfahrungen ist die Zahl der Teilnehmenden gering. Allerdings bei den notwendigen Sprachschulungen ist große Bedarf vorhanden.

    "Allgemeine Erwachsenenbildung" kämpft mit wenig Interesse, wenngleich die Notwendigkeit interkultureller und politischer Bildung vorhanden ist. Ebenso notwendig ist die Aus- und Fortbildung Lehrender in der Erwachsenenbildung.

    IT-Hinweise
    www.netzwerkgegengewalt.org > Index: Erwachsenenbildung, Interkulturelle Kompetenz, Lernkulturen in der Erwachsenenbildung, Vorberufliche Bildung in Österreich, Politische Bildung, Diakonisches Lernen und Lehren

    Dr. Günther Dichatschek MSc  -  stv. Leiter des Evangelischen Bildungswerks in Tirol, Kursleiter/Lehrender an den Volkshochschulen des Landes Salzburg in Zell/See, Mittersill, Saalfelden und Stadt Salzburg, Lehrbeauftragter im Fachbereich Geschichte/Universität Salzburg/Lehramt/Didaktik der Politischen Bildung  - Absolvent der Universitätslehrgänge Politische Bildung/Universität Salzburg-Klagenfurt(2008) und Interkulturelle Kompetenz/Universität Salzburg(2012), der Weiterbildungsakademie Österreich(2010), des Internen Lehrgangs für Hochschuldidaktik/Universität Salzburg(2016), des Fernstudiums Erwachsenenbildung/Evangelische Arbeitsstelle Fernstudium-Comenius Institut Münster(2018) 
     





  • Bild des Benutzers Karina Tambovska
    Raksts skar mūsdienu ļoti aktuālo tēmu, jo migrācija turpina savu aktīvo darbību. Cilvēks var adoptēties gandrīz jebkurā kultūrā, jo cilvēkam ir jāizdzīvo. Biežāk cilvēks pats atrod to zelta griezumu starp savu kultūru un citas vides kultūru un tas ir tā ”pieredze” – saprast, pieņemt, secināt, veidot attieksmi utt. Retāk cilvēks gatavs pārņemt citu kultūru, ja pat dzīvo citā kultūras vidē visu savu mūžu. Manuprāt, jāzina valoda, bez tas nav iespējams pilnīgi saprast kultūru, jo saprašana vairākkārt realizējas socializācijā. Kā minēts rakstā – parādīšana darbojas daudz labāk nekā izskaidrošana – cilvēkam ne tikai jāzina teorija, bet jāpārbauda to praksē, kā jebkurā lietā. Protams, tas ir svarīgi un lietderīgi izskaidrot un parādīt cilvēkiem (iebraucējiem) kāda ir uzņēmējvalsts iekšējā kultūra, dzīvojošo cilvēku uzskati un vērtībās, domāšanas veids, tāda veidā pazeminās starpkultūru konfliktu skaits un paaugstinās spēja iebraucējiem iekļauties vietējā sabiedrībā.
  • Bild des Benutzers David Mallows
    I've asked Google to translate it for those of us who don't speak Latvian: 
    The article touches upon today's very topical issue, as migration continues its active work. A person can be adopted in almost any culture as a person must survive. More often, a person finds himself a golden cut between his culture and other cultures of the environment and this is his "experience" - to understand, accept, conclude, form an attitude, etc. Unlikely, a person is prepared to take on another culture, even if he lives in another cultural environment for his entire life. In my opinion, it is necessary to know the language, without it it is impossible to fully understand the culture, because understanding is realised in socialisation many times. As mentioned in the article, displaying works much better than explaining - people need not only know the theory but have to test it in practice, as in any case. Of course, it is important and useful to explain and demonstrate to people (inmates) the host culture, the attitudes and values ​​of the people living in it, the way of thinking, thus reducing the number of intercultural conflicts and increasing the ability of immigrants to enter the local community.
  • Bild des Benutzers Ināra Juškāne
    Raksts skar ļoti nozīmīgu un modernajā sabiedrībā ļoti aktuālu integrācijas jautājumu caur kultūru izpratni. Ikdienā strādājot un skaidrojot jauniešiem dažādu kultūras izpausmju formu jautājumus, šajā rakstā atradu arī sev noderīgas atziņas, kā cilvēks no malas vispirms redz citas tautas kultūru, ar ko tā vispirms to asociē. Šeit atradu skaidrojumu tam virspusējam jeb ārējam kultūras redzējumam un iekšējam. Un tieši šis otrais tik tiešām ir tas dziļākais redzējums, ko visgrūtāk uzreiz ieraudzīt un saprast - uzskatus, vērtības un domāšanas veids. To var atklāt tikai esot informētam ne tikai kaut kur sēžot lekcijās, auditorijās, bet gan iepazīstot konkrētās tautas kultūru tieši praksē - vērojot un domājot līdzi tam, ko tu redzi. Viena no labākajām atziņām, ko šajā rakstā atklāju, ka kultūras elementi ir pamatā mūsu uzvedībai un sabiedrības lēmumiem. Bet tā arī ir. To dziļāko katras tautas kultūras būtību tik tiešām nevar atklāt tikai zinot konkrētās tautas simbolus, bet gan iepazīstot kultūras vērtības, ko var atklāt tikai līdzvērojot, kā tauta uzvedas ikdienā caur sociālajām normām, un tad, kā tā kopj savas tradīcijas, kas veido tās vērtības.      
  • Bild des Benutzers David Mallows
    Normal 0 false false false EN-GB X-NONE X-NONE

    I've asked Google to translate it for those of us who don't speak Latvian:

    The article touches upon a very important and very modern society of issues of integration through cultural awareness. By working and explaining to young people the issues of various forms of cultural expressions, in this article I also found some useful lessons that one sees from the edge first of all with the other cultures of the people with which it is first associated with it. Here I found an explanation for this superficial or external view of culture and the inner one. And precisely this second is really the deepest vision that is most difficult to see and understand at once - views, values ​​and way of thinking. It can only be discovered by being informed, not only while sitting in lectures, in classrooms, but rather by learning the specific culture of a particular nation in practice - by observing and thinking about what you see. One of the best ideas in this article is that cultural elements are at the core of our behavior and community decisions. But that's it. Indeed, the depth of the essence of each of these folk cultures can not be revealed only by knowing the symbols of a particular nation, but by learning cultural values ​​that can be discovered only by matching, how people behave in daily life through social norms, and then, as it treats its traditions that make up its values.

  • Bild des Benutzers Andrew McCoshan
    Hi David, very though-provoking.  2 thoughts in particular:

    (i) It must take great (cultural) sensitivity to explore underlying values as you suggest 

    (ii) I wonder what experiences EPALE users have of getting host communities involved? Sounds like quite a challenge!  

    Andrew
  • Bild des Benutzers Gina Ebner
    Hi Andrew,
    I came across this fascinating article: https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-02/sex-education-refugees-ge... This is certainly a key topic for cultural and intercultural learning! And a good example how we need to combine knowledge and social norms
    Gina
  • Bild des Benutzers Graciela Sbertoli
    I think the Scandinavian countries have a bit of experience on this. I will try to get somebody working in that field to comment this here.
  • Bild des Benutzers David Mallows
    (i) Yes, it does. But I think that for teachers working with migrants (and migrants in those teachers' classes) exploring cultural values (including, or perhaps especially, our own) is interesting and valuable (even if it is hard). 
    (ii) Good question. I would certainly be interested to hear from EPALE users about that.