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Blog

Innovative Bildungsmodelle und Ansätze zu ihrer Bewertung

12/07/2018
von Dearbhail Lawless
Sprache: DE
Document available also in: EN PL FR IT ES LV NL

Originalsprache: Englisch

/de/file/skills-work-programme-0Skills for Work programme

Skills for Work programme

 

Dearbháil Lawless von der National Adult Learning Organisation in Irland berichtet über das „Skills for Work“-Programm und zeigt, wie das innovative Bildungsmodell und der Bewertungsansatz Lernenden mit geringen Grundkompetenzen helfen können.

 

AONTAS ist die nationale Vereinigung für Erwachsenenbildung in Irland. Wir vertreten fast 500 Mitglieder aus ganz Irland. Wir setzen uns für die Entwicklung eines Qualitätsservice für erwachsene Lernende ein und fördern die Bedeutung und die Vorteile der Erwachsenenbildung. Teil unserer Aufgabe ist die Tätigkeit als nationaler Koordinator für die Umsetzung der Europäischen Agenda für die Erwachsenenbildung, die in den meisten EU-Mitgliedstaaten von einer Regierungsstelle übernommen wird.  

 

Lernende auf eine Bildungsreise mitnehmen

In Irland liegt die Teilnehmerquote für Erwachsene beim lebenslangen Lernen bei 6,5 %. Diese Quote liegt erheblich unter dem EU-28-Durchschnitt von fast 11 %, ganz zu schweigen von Ländern wie Dänemark, wo 31 % aller Erwachsenen an Erwachsenenbildungsmaßnahmen teilnehmen. Allerdings ist nicht alles schlecht in Irland. Wir sind stolz auf eine Reihe von wichtigen innovativen Modellen, die europaweit anerkannt sind, etwa unseren Community-Education-Sektor und das „Skills for Work-Programm“. Beide nutzen nicht formale Bildungspraktiken für Erwachsene, um Minderheiten, benachteiligte und „unsichtbare“ Gruppen zu erreichen. Der Erfolg dieser Programme ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Lernende dort abgeholt werden, wo sie stehen. Das heißt, wir arbeiten mit Lernenden, um ihr aktuelles Lernniveau zu ermitteln, und wir nehmen sie mit auf eine Bildungsreise. Wir stellen fest, welche Fortschritte sie machen und legen keinen so großen Wert darauf, festzulegen, wo die Reise letztlich hingehen soll. Das ist das Wesen der Erwachsenenbildung: die Unterstützung des persönlichen Wachstums und der transformativen Veränderungen.

 

„Unsichtbare“ Gruppen erreichen

Der Monitor der Europäischen Kommission für die allgemeine und berufliche Bildung (2017) enthält einige Zahlen aus Statistiken über den Bildungssektor in Irland. Daraus geht hervor, dass es in Irland im Bildungsbereich nach wie vor erhebliche Ungleichheiten gibt. So ist die Wahrscheinlichkeit einer Teilnahme am lebenslangen Lernen bei hochqualifizierten Erwachsenen dreimal so hoch wie bei geringqualifizierten Erwachsenen. AONTAS ist der Meinung, dass Community-Education ein wichtiger Schlüssel ist, um gerade die Personen zu erreichen, die von der Bildung her am stärksten benachteiligt sind. Dies wird unterstützt durch den Bericht über die Benefits of Lifelong Learning (2014), der zeigt, dass Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen von einer Teilnahme am lebenslangen Lernen weitaus mehr profitieren als Erwachsene mit hohen Kompetenzen. Der Bericht hat auch die Auffassung der Kommission bestätigt, dass die Unfähigkeit des Sektors, die Vorteile des Erwachsenenlernens hervorzuheben, eine der Hauptschwächen in diesem Bereich ist. Daher wird AONTAS auch in Zukunft ihre Erfahrungen mit der Erwachsenenbildung mit anderen austauschen und über den komplexen und individuellen Charakter des Community-Education-Sektors und seine Schlüsselrolle im Bereich nicht formaler und formaler Erwachsenenbildung informieren.

Eine Erfolgsgeschichte

Eine der Erfolgsgeschichten, die AONTAS aufweisen kann, ist die Geschichte von Liz McDonnell Smith, die an dem Programm „Skills for Work“ teilgenommen hat. Liz verließ die Schule mit 14 ohne Abschluss und arbeitete in einer Näherei. Sie war alleinerziehende Mutter, und wegen finanzieller Probleme, aber auch aus Angst vor formalen Lernumgebungen hatte sie sich bisher nicht getraut, an Bildungsmaßnahmen teilzunehmen. Vor kurzem hatte sie jedoch den Mut, an einem nicht formalen Lernprogramm an ihrem Arbeitsplatz teilzunehmen, das in Partnerschaft mit „Skills for Work“ und ihrem Betrieb – Woodies – durchgeführt wurde. Beschäftigte mit geringen Grundkompetenzen konnten an einem kostenlosen Unterricht in einer Reihe von Bereichen teilnehmen, die speziell auf die Bedürfnisse der Lernenden zugeschnitten waren. An ihrem ersten Unterrichtstag erklärte der Koordinator: „Sie sagen uns, was Sie lernen wollen“. Die Gruppe lernte mit dem Computer umzugehen, E-Mails zu schreiben und mit Microsoft zu arbeiten.

Die Bewertung erfolgte in einer entspannten und positiven Umgebung durch Demonstration, Beobachtung und Dialog. Der Betreuer ging Schritt für Schritt mit den Teilnehmern auf ihrer Bildungsreise vorwärts. Fortschritte wurden individuell bewertet und nicht anhand eines starren Zeitrahmens, der vorher in einem Lehrplan festgelegt worden war. Wenn ein Teilnehmer mehr Zeit brauchte, um den Umgang mit E-Mails zu lernen, erhielt er die notwendige Zeit. Wenn er mit Outlook weiter machen wollte, wurde das ebenfalls unterstützt. Liz und ihre Kolleginnen hielten alle bis zum Abschluss des Programms durch. Woodies hob hervor, dass das Lernen im Team eine so positive Auswirkung auf die Mitarbeiter hatte, dass viele Beschäftigte neue Aufgaben in der Firma übernehmen konnten, und die Betriebe mit Beschäftigten, die an Erwachsenenbildungsmaßnahmen teilnahmen, schnitten bei allen Bewertungen sehr viel besser ab. Liz hat inzwischen ein formales Lernprogramm mit „Skills for Work“ abgeschlossen und kann nun stolz sein auf ein QQI Level 4 in Tabellenkalkulation (QQI - Quality and Qualifications Ireland – eine staatliche Agentur für die Bewertung von Bildungsabschlüssen) (Level 3 EQF).

Sehen Sie sich ein Ressourcenbeispiel über die Ernährung am Arbeitsplatz an, das im Rahmen von Skills for Work entwickelt wurde

 

Das Erfolgsgeheimnis heißt personalisierte Bewertung

Community-Education und Programme wie Skills for Work sind ganzheitliche Ansätze, die garantieren, dass Bildungsprozesse wirksame und personalisierte Ansätze bei der Bewertung der Bedürfnisse der Lernenden berücksichtigen. Sie lassen den Teilnehmern genügend Zeit, um herauszufinden, wie sie am besten lernen, was sie brauchen und welches ihre Stärken sind. Sie unterstützen die Teilnehmer, indem sie auf ihre Bildungserwartungen eingehen. Sie helfen den Teilnehmern bei der Auswahl geeigneter Kurse und tragen so dazu bei, dass das Gelernte auch besser behalten wird. Das heißt, dass sowohl die Interessen der Teilnehmer als auch der Kontext der Lernumgebung beim Lehransatz und bei den Methoden berücksichtigt werden, um die Lerninhalte möglichst optimal auf die einzelnen Teilnehmer abzustimmen. Auf diese Weise können die Teilnehmer feststellen, dass das, was sie lernen, für sie persönlich wichtig ist und praktische Bedeutung für ihr Leben hat. „Der andere” verliert an Bedeutung in der Bildung, und die Grundsätze der Andragogik werden befolgt.

Die Aufwertung der nicht formalen Bildung

Die Validierung des Lernens unterstreicht die Fähigkeiten und Erfahrungen von erwachsenen Lernenden. Dies ist besonders wichtig für diejenigen, die ihre Grundkompetenzen im Einklang mit Initiativen wie „Weiterbildungspfade“ und der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung verbessern wollen, wie von der Europäischen Kommission dargelegt. Das European Validation Festival, das vor kurzem in Brüssel stattfand (14. – 15. Juni), hat gezeigt, dass Mitgliedstaaten ein Interesse an solchen Programmen haben. Die Kommissarin für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität,  Marianne Thyssen, betonte die Notwendigkeit lebenslangen Lernens und hat darauf hingewiesen, dass der heutige Arbeitsmarkt immer flexibler, immer schnelllebiger wird und sich immer rascher verändert.

Wenn das stimmt und wenn wir wirklich Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen unterstützen wollen, damit sie an lebenslangem Lernen teilnehmen, dann setzt sich AONTAS für mehr Verständnis und Respekt für die Werte des Community-Education-Sektors und innovative Programme wie Skills for Work ein. Mit solchen nicht formalen Praktiken können wir benachteiligte Zielgruppen und „unsichtbare“ Gruppen erreichen und motivieren. Ohne solche Praktiken würde sich die Erwachsenenbildung auch in Zukunft darauf beschränken, hochqualifizierte Erwachsene zu fördern, und sie würde diejenigen ausschließen, die ohnehin zurückgeblieben sind. Nicht formale Bildung gibt uns die Chance, persönliche Lernerfahrungen anzubieten, die auf den Bedürfnissen jedes einzelnen beruhen und denjenigen zu helfen, die vor der Tür warten. Es liegt an uns, diese Tür zu öffnen und sie hereinzubitten.


 

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Skills for Work programme

Dearbháil Lawless ist EU-Projektleiterin bei AONTAS, der Nationalen Organisation für Erwachsenenbildung  in Irland. Sie leitet das Projekt „Increasing Pathways Increasing Participation“ im Rahmen der Europäischen Agenda für Erwachsenenbildung. Dearbháil hat im Bereich Community-Bildung, Erwachsenen- und Aus- und Weiterbildung gearbeitet. Sie hat Programme für ethnische Minderheiten, Community employment (Programme für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen in Kommunen) und benachteiligte Gruppen geleitet und koordiniert. Dearbháil hat einen BSc-Abschluss in allgemeiner und beruflicher Bildung der Universität Dublin City, einen M.Ed im Grundstudium (Bildung) des Trinity College Dublin und promoviert derzeit über Strategien und Praktiken in Bildungsstudien. Ihre Forschungen konzentrieren sich auf die Beziehungen und die Auswirkungen von „Pathway/bridging“-Programmen (Überbrückungsmaßnahmen) zwischen Weiterbildung und Hochschulbildung.

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1 - 2 von 2 anzeigen
  • Bild des Benutzers Daiga Dzene
    Manuprāt, Latvijā, vārdi- prasības, kritēriji, uzņemšanas kārtība, iestājeksāmens u. tml., izskan pārāk bieži un biedējoši..pieaugušjaiem ar zemām pamata zināšanām - pat apkaunojoši. Mums ir ko mācīties no Īru tolerances.

  • Bild des Benutzers Maria Perna
       Per perseguire qualsiasi tipo di insegnamento rivolto agli adulti, bisogna seguire i principi dell’andragogia. Per questa ragione, concordiamo con l’eccezione secondo la quale “la valutazione personalizzata è la chiave affinchè  vengano messe alla luce le esigenze  del discente”  e perché questi sia protagonista del proprio percorso d’apprendimento acquisendo fiducia. Ciò vale particolarmente per quegli adulti che hanno una bassa scolarità e che devono necessariamente acquisire specifiche competenze applicabili nel mondo del lavoro sempre più esigente ed in evoluzione. Sicuramente, i programmi innovativi riferiti alle competenze lavorative sono, oggi più che mai, indispensabili anche per abbattere le disuguaglianze culturali e di istruzione, permettendo al discente di scegliere il percorso a lui più consono ed  ottenerne  il massimo beneficio. Purtroppo, però, siamo ancora, a mio avviso, agli albori del processo, perché  anche se a livello legislativo ci si sta muovendo in questa direzione, mi pare però di capire che questi percorsi siano intesi come mero ampliamento dell’offerta formativa dei CPIA (Centri Provinciali Istruzione Adulti), il che non è proprio ciò di cui si ha bisogno. Pur essendoci una consapevolezza da parte della Istituzione scuola, molto - ed in tempi ristretti - ci sarebbe ancora da fare, al fine  di dare una risposta con  reale ricaduta in tutti i settori in cui il discente gravita.