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Informelles Lernen: Die Museum Socials der National Museums Scotland

17/08/2016
von Jonny Lear
Sprache: DE
Document available also in: EN FR IT PL ES

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National Museums Scotland


Das Community Engagement Team der Abteilung Learning & Programmes der National Museums Scotland veranstaltet seit Oktober 2015 jeden Monat sogenannte Museum Socials für Menschen mit Demenz, ihre Familien, Freunde und Pfleger.

Weltweit leben schätzungsweise 35 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Prognosen zufolge wird sich diese Zahl bis 2050 auf über 100 Millionen erhöhen.  Allein in Schottland leben schätzungsweise über 90.000 Menschen mit Demenz.

Die Socials sind fester Bestandteil in der Arbeit der Abteilung Learning & Programmes. Die Teilnehmer können sich anhand einer Reihe von Angeboten mit den nationalen Sammlungen der Museen befassen und an umfassenderen sozialen Aktivitäten teilnehmen. Sie vermitteln so eine informelle Lernerfahrung.

Die Community Engagement Managerin Christine McLean gründete das Socials Programm in Zusammenarbeit mit den National Galleries Scotland, der National Library of Scotland und dem Royal Botanic Garden Edinburgh.  Jeder Veranstaltungsort bietet einmal im Monat eine gesellschaftliche Veranstaltung für Menschen mit Demenz an.

Hier im National Museum of Scotland werden unsere Museum Socials von der ehrenamtlichen Museumsführerin Louise Donnelly sowie zwei Mitgliedern unseres Enabler Teams, Rachel Drury und Fiona Johnston, durchgeführt.

In Anlehnung an das Modell Meet Me At MoMA (Museum of Modern Art, New York City) bieten sie kostenlos eine informelle Möglichkeit zum Lernen und geselligen Beisammensein für Menschen mit Demenz und ihre Familien, Freunde oder Betreuer dar. Die Teilnehmer können entweder telefonisch einen Platz buchen oder einfach um 10.30 Uhr zu Tee/Kaffee und Kuchen kommen und sich anschließend eine kurze Einführung zum Thema anhören, in der oft Gegenstände aus unserer Sammlung zum Anfassen verwendet werden. Jede Veranstaltung umfasst in der Regel auch eine Kunst- oder Bastelaktivität oder Musik und Gesang und endet mit einem Besuch der Kunstgalerien (nach Belieben).

Unser aktuelles Programm finden Sie hier: www.nms.ac.uk/museumsocials 

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©The Trustees of National Museums Scotland.

Unsere erste Veranstaltung im Oktober 2015 ließ sich von unserer Sammlung zeitgenössischer Glas- und Keramik-Kunst inspirieren, insbesondere von einem Werk mit dem Titel Polka Dot Cotton (Tasse und Untertasse).  Die Teilnehmer erhielten mithilfe von vergrößerten Bildern eine kurze Einführung in die Sammlung und wurden anschließend dazu angeregt, unter Verwendung von Keramiktassen und Farbstiften ihre eigenen Kreationen zu schaffen.

In den letzten 11 Monaten konnten wir beinahe 200 Besucher zu unseren Socials willkommen heißen, viele davon Teilnehmer, die regelmäßig immer wieder kommen. Im Durchschnitt nehmen an jeder Veranstaltung 18-20 Personen teil, gewöhnlich zu zweit – entweder als Ehepaar, Mutter und Sohn oder Freunde.  Außerdem konnten wir kleine Gruppen aus Pflegeheimen willkommen heißen.

Wir können persönliche Geschichten und Interessen aufgreifen und in zukünftige Veranstaltungen einbauen. Ein Teilnehmer malt z. B. besonders gerne aus, also stellen wir sicher, dass wir gute, deutliche Strichzeichnungen von einigen der Gegenstände haben, die wir besprechen werden, sodass Alex während der Veranstaltung an diesen arbeiten kann.

Andere Teilnehmer wiederum bevorzugen Musik und Gesang, und eine unserer bisher beliebtesten Veranstaltungen war Robert Burns: Fiddle Music, in der wir das Leben und Werk des schottischen Dichters Robert Burns mit Gesang und Geige in einem Teil des Museums feierten, der aus einem Gebäude in Edinburgh aus dem 18. Jahrhundert gerettet wurde. Alle Teilnehmer erhielten ein Liedblatt und wurden behutsam dazu ermutigt, gemeinsam mit Rachel und Fiona zu singen, die Kostüme im Stil des 18. Jahrhunderts trugen.

Die Veranstaltung umfasste eine kurze Tour unserer ehrenamtlichen Museumsführerin Louise Donnelly zum Leben und Werk von Burns. Bei dieser Veranstaltung waren mehrere Gäste aus Pflegeheimen anwesend, von denen einige zunächst ruhig waren und nicht viel sprachen. Als wir mit dem Singen begannen, bemerkten wir jedoch eine große Veränderung in ihrem Verhalten: Sie folgten dem Liedtext oder sangen mit.

Dies ermutigte uns, eine Veranstaltung zu den Jakobiten durchzuführen. Diesmal holten wir uns einen Fachhistoriker und Darsteller von Prinz Charles Edward Stuart (auch Bonnie Prince Charlie genannt) dazu, der die Kostüme und Waffen der Epoche zeigte.

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©The Trustees of National Museums Scotland.
Wir stellten fest, dass Kostüme und echte oder nachgebildete Gegenstände zum Anfassen bei unseren Gästen besonders beliebt sind. Sie bieten ein partizipatorisches und integratives Konzept für das informelle Lernen. Für eine Veranstaltung zu Maria Stuart (Mary, Queen of Scots) hat das Learning Team eine Liste mit häufigen Beschwerden des 16. Jahrhunderts und deren vermeintlichen Heilmitteln erstellt und dafür echte und nachgebildete Gegenstände wie Schnecken, Kröten oder Lavendel verwendet. Alle Teilnehmer bekamen an ihrem Platz einen Hinweis zu einer Erkrankung/einem Heilmittel und wurden dazu eingeladen, diese mit der Gruppe zu teilen.

Bei den Veranstaltungen kommen oft mehr Fragen auf als wir beantworten können, aber wir geben unser Bestes, jede einzelne Anfrage nachzuverfolgen, und freuen uns darüber, dass die Teilnehmer die informellen Lernaspekte der Socials so gut annehmen.

Das Hauptziel der Museum Socials besteht darin, eine entspannte und informelle Möglichkeit des geselligen Beisammenseins zu schaffen und es den Teilnehmern zudem zu ermöglichen, einen Teil der Sammlungen der National Museums Scotland zu kennenzulernen.  Für uns ist Lernen natürlich Teil all unserer Tätigkeiten, aber für unsere Teilnehmer war dies nie ein bewusstes Ziel: Sie erzählen uns, dass sie sich einfach freuen, jeden Freitag und jeden Monat etwas vorzuhaben und zu wissen, dass ihnen kompetente und freundliche Menschen leicht verständliche Veranstaltungen bieten werden.

Unser dritter Zyklus der Museum Socials findet ab September 2016 statt und konzentriert sich auf zehn neue Galerien zu den Themen Kunst & Design und Wissenschaft & Technik, die im Juli 2016 im National Museum of Scotland eröffnet wurden. Gemeinsam mit unseren Partnern bei den National Galleries Scotland, der National Library of Scotland und dem Royal Botanic Garden Edinburgh suchen wir nach Möglichkeiten, die Auswirkungen unseres Socials Programms messen und bewerten zu können, ohne dabei das ganz besondere Vertrauen zu verlieren, das wir zu unseren Gästen aufgebaut haben.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

Verfasser:

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National Museums Scotland logo


Christine McLean ist Community Engagement Managerin (Public Programmes) der National Museums Scotland. Sie trägt die Verantwortung für die Entwicklung und Durchführung von Strategien für die Erweiterung des Zugangs und der Vielfalt der Besucher der National Museums Scotland in ganz Schottland.

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