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Inklusion: am Beispiel der von Simplon angebotenen Ausbildungen für Berufe in der Digitaltechnik

Simplon.co, seit 2013 in Montreuil (Seine-Saint-Denis) ansässig, ist ein Netzwerk ohne Grenzen von solidarischen Sozialfabriken der Digitaltechnik.

Übersetzung : EPALE France (Französisch - Deutsch)

 

Simplon.co, seit 2013 in Montreuil (Seine-Saint-Denis) ansässig, ist ein Netzwerk ohne Grenzen von solidarischen Sozialfabriken der Digitaltechnik.

Unsere kostenlosen Intensivausbildungen für technische Berufe in Verbindung mit der Digitaltechnik richten sich an ein der Arbeitswelt fernes Publikum und machen es möglich, benachteiligte Profile und Arbeitsuchende einzugliedern. Unser Wunsch ist es, neue Talente für die Berufe der Zukunft zu schulen. Ganz besonders solche, die in der Digitalbranche unterrepräsentiert sind (Frauen, junge NEETs, Bewohner der städtischen Problemzonen und der prioritären Viertel der Stadtpolitik, Arbeitnehmer in Umschulung, Menschen mit Behinderungen, langzeitarbeitslose Senioren, ...).

Wir sind überzeugt, dass der digitale Wandel und die entsprechende Ausbildung einen machtvollen Vektor der sozialen Innovation darstellen, und unsere innovativen und agilen pädagogischen Werte beruhen auf gegenseitiger Hilfe und Wohlwollen. Die von uns ausgebildeten „Simplonier*innen“ sind vielseitig, kreativ und kooperativ, sie zeichnen sich durch einen offenen und kritischen Geist aus.

Unsere Aktionen in Frankreich: 

  • Eingliederung von arbeitsmarktfernen, benachteiligten oder in den Berufen der Digitaltechnik unterrepräsentierten Personen. Vor diesem Hintergrund haben wir mehrere gezielte Programme entwickelt (#Hackeuses! für Frauen; Refugeeks für die Integration von Flüchtlingen in unsere Ausbildungen; CAPPRIO für Jugendliche, die frühzeitig aus dem Schulsystem ausgeschieden sind, etc.)
  • Förderung des Erlernens der Computerprogrammierung für alle: Wir demokratisieren das Erlernen von digitalen Fähigkeiten in jedem Alter, insbesondere über unser solidarisches FabLab Simplon Lab;
  • Entwicklung von Innovation in Apps, Inhalten und Diensten über die Zelle Simplon.Prod , wobei das Augenmerk vor allem auf der Berücksichtigung aller erdenklichen Profile liegt: In diesem Sinne haben wir in Zusammenarbeit mit AG2R la Mondiale das Programm DigitESS aufgelegt, um in den Regionen eine Beschleunigung des digitalen Wandels der Akteure der ESS im Dienst der Beschäftigung und der sozialen Innovation zu ermöglichen;
  • Unterstützung der Berufsausbildung und Hilfe bei der internen und externen Mobilität der Mitarbeitenden: Wir wollen den digitalen Wandel im Unternehmen über unsere Zelle Simplon.Corp begleiten;
  • Ausdehnung über das ganze Staatsgebiet, insbesondere in ländlichen Regionen: Wir wollen in allen benachteiligten Gebieten präsent sein.

Simplon hat für das ‚Sourcing‘ neuer Talente (so nennen wir in unserem Unternehmen die Rekrutierung) ein breites Netz an Entscheidungsträgern.

Seit 5 Jahren arbeiten wir eng mit den lokalen Akteuren der Gebiete zusammen, in denen wir tätig werden: Gebietskörperschaften, lokale Stellen für Arbeitsuchende, Vereine und verschiedene, aus der Sozial- und Solidarwirtschaft stammende Akteure etc. Durch diese Partnerschaften konnten wir einen inzwischen gut gefestigten Ruf aufbauen und verzichten weitgehend auf Kommunikation – denn heute können wir bedauerlicherweise im Schnitt nur jede zehnte Bewerbung annehmen.

Simplon ist außerdem Teil einer Vielzahl von anerkannten Netzwerken, die zu einer weiteren Steigerung seines Bekanntheitsgrads beigetragen haben: im Tech-Bereich (Mitglied der Grande École du Numérique und der Med), im Bereich Sozial- und Solidarwirtschaft (Ashoka und Mouves, Unterstützung von La France S’Engage und des Programms “French Impact”) und auch im Ausbildungsbereich (viele Verbindungen mit dem frz. Job-Center (Pôle Emploi) und den paritätischen Kostenträgern (OPCA)).

Die Genderlastigkeit des digitalen Bereichs, die die meisten Berufe dieser Sparte prägt, ist bereits ab der Wahl des schulischen Werdegangs zu beobachten. Diese Situationen sind nicht nur ungerecht, sie sind auch paradoxal, denn verglichen mit nicht gemischten Teams erzielen gemischte Teams im digitalen Bereich eine um 16 % höhere Leistung[1], und das europäische BIP könnte jährlich um 9 Milliarden Euro höher sein, wenn im Digitalbereich der Frauenanteil dem Männeranteil entspräche[2]!

Im Bewusstsein dieser Realität entwickelt Simplon seit mehreren Jahren Programme zugunsten der Inklusion von Frauen und Teenagerinnen – denn wir sind überzeugt, dass die digitale Branche ein machtvolles Instrument der sozialen und beruflichen Eingliederung ist, wenn die Vielfalt entsprechend berücksichtigt wird. Folglich treten wir für ein inklusives Konzept der digitalen Branche ein, das im Dienst von Mitgliedern der Gesellschaft steht, die ausgeschlossen oder diskriminiert werden und begünstigen in diesem Sinne Bewerbungen für unsere Ausbildungen, die von Frauen stammen.

Dazu haben wir diverse Maßnahmen eingeführt:

  • ‚Schleusen‘, die der Wiedermobilisierung und Orientierung von Frauen gewidmet sind: 5 Wochen, in denen es nur darum geht, sich mit Techniken vertraut zu machen, Berufe zu entdecken, Klischees zu begraben und gegen die Selbstzensur zu kämpfen. Die neueste Schleuse wurde zusammen mit Leboncoin ins Leben gerufen: #MISSCODE. 6 Wochen lang haben sich unsere Lernenden eine solide Tech-Kultur angeeignet, sich mit digitaler Identität und persönlichen Daten befasst, gelernt, mit digitalen Projektmanagement-Tools umzugehen und die Grundlagen der Programmierung gelernt. Darüber hinaus haben sie neue Menschen kennengelernt und einige der Hochburgen dieses Bereichs besucht.
  • Die Einbindung von Frauen in unsere kostenlosen, inklusiven und innovativen Ausbildungen für technische Berufe des digitalen Bereichs: Heute nehmen an unseren Ausbildungen 35 % Frauen teil. Und wie unser Vorsitzender Frédéric Bardeau im März in einem Forum betonte, sind für 2019 50 % geplant.
  • Workshops für die Sensibilisierung für technisches Know-how und Genderfragen im digitalen Bereich: im Rahmen unseres Programms Simplon.Kids finden Kurse für Kinder statt, um sie mit den neuen Technologien vertraut zu machen, ihnen neue Horizonte zu eröffnen und der Genderlastigkeit in der digitalen Technik entgegenzuwirken.
  • Unsere Stiftung startet einen Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen für Makeuses | Dieser Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen wurde gestartet, um Maker-Projekte mit hohem Frauenanteil ins Leben zu rufen und finanziell zu unterstützen. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der Veranstaltung “Frauen in der Technologie: Hindernisse beseitigen, Genre-Hacking“ in unseren Räumlichkeiten anlässlich des Internationalen Frauentags bekanntgegeben.
  • Teilnahme am Programm Wi-Filles | Das neuartige Programm für eine Einführung in technische und IT-Berufe, das Vorurteile aus dem Weg räumen soll, ist Schülerinnen der Mittel- und Oberstufe vorbehalten
  • Teilnahme an der Chabadabada Week | Eine Woche Hackathon und Austausch über Vielfalt und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Technologien, Unternehmertum und Zivilgesellschaft
  • Vorbereitung der Ada Week | Eine Woche lang Konferenzen und Veranstaltungen, um Bewusstsein zu schaffen
  • Code: debugging the gender gap | Übersetzung, Untertitelung und Vorführung des Dokumentarfilms in der Woche des 8. März 2017
  • Unterzeichnung des ‚Plan Mixité‘ der Regierung und Teilnahme an der COPIL vom 22. Juni 2017 | Begünstigung eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses im Digitalbereich durch eine Befassung mit den Repräsentationen der Berufe der digitalen Technik in der Öffentlichkeit

Erfahrungsberichte unserer Lernenden

Dieser Lehrgang war für mich eine sehr schöne Erfahrung, bei der ich die digitale Welt (neu) entdecken konnte. Ich habe geniale Leute kennengelernt, sowohl unter den Fachleuten als auch unter den anderen Teilnehmerinnen. In den verschiedenen Workshops (Programmierung, vernetzte Objekte, etc.) konnte ich direkt Hand anlegen und ich habe tolle Orte entdeckt, die ich ohne Simplon bestimmt nie besucht hätte. Dieser Monat war eine echte Bereicherung und hat meinen Wunsch verstärkt, Web-Entwicklerin zu werden. Ich habe eine offenere, freiere Welt mit mehr Möglichkeiten und einer anderen Denkweise entdeckt. Mir wurde klar, dass Frauen zu diesem Milieu dazugehören müssen und zu Beginn des Internet sogar eine wichtige Rolle spielten. Diese Erfahrung kann ich wirklich allen empfehlen, ganz egal, ob ihr euch bereits zu diesem Milieu hingezogen fühlt oder einfach nur neugierig seid. Legt los!“ Shamila

Durch die Schulung hat sich mein Wunsch bestätigt, Entwicklerin zu werden. Gleichzeitig habe ich die Tools, das Netz und die Kraft gefunden, das auch zu schaffen. Ich habe bei Simplon eine lange Ausbildung als Web-Entwicklerin drangehängt und bin jetzt als Entwicklerin angestellt! Wir aus der Gruppe der Hackerinnen haben Kontakt gehalten und haben sogar mehrere Projekte am Laufen, zum Beispiel die Gründung unserer Digital-Agentur oder die Schaffung eines geteilten Webzines. Mit Hackeuses habe ich programmiert, gelernt und nicht zuletzt tolle Leute kennengelernt“. Mahana

 

 

Um zur Aufnahme von Flüchtlingen in Frankreich beizutragen, haben Simplon.co und die uns unterstützenden Partner (Innenministerium, Fondation de France, Stiftung Valentin Ribet, Total, Accenture, BNP Paribas) im März 2016 das Programm Refugeeks ins Leben gerufen, das Flüchtlingen eine intensive und berufsqualifizierende zum/zur Webentwickler*in ermöglicht.

Mit einer Ausbildung, die ihren Bedürfnissen angepasst ist und in Synergie mit den Strukturen stattfindet, die Anlaufstellen für dieses Publikum sind, soll Flüchtlingen der Zugang zu einem zukunftsträchtigen Beruf mit hohem Mehrwert ermöglicht werden.

Die Lernenden erwartet:

  • 2 Monate Französisch-Intensivkurse – abgehalten von unserem Partner Alliance Française.
  • 7 Monate Schulung für Web-Development einschließlich 4 Stunden Französisch / Woche.
  • Eine Begleitung bei der Stellensuche durch die Teams von Simplon.co und seine Partner, die Stellen anbieten

Nach einer Pilotausbildung, die 2016 in der Region Ile-de-France stattfand und in deren Rahmen 40 Personen eine Ausbildung zum Webentwickler absolvierten, stützt sich Simplon.co heute auf sein landesweites Netz an Fabriken (Schulen), um dieses Programm in allen Regionen in die Wege zu leiten.

Über ein Franchise-System konnte Simplon sein Modell der ‚Digitalen und solidarischen Fabriken‘ im gesamten europäischen Raum verbreiten.

Die von Roxana Rugina, einer Simplonerin des ersten Jahrgangs 2014, eröffnete Fabrik von Cluj gab den Anstoß für die Spin-offs von Simplon im Ausland. 2015 wurden rund 60 Veranstaltungen (Workshops, Bootcamps…) organisiert, an denen 200 000 Personen aller Altersgruppen teilnahmen.

Be.Code ist eine belgische Fabrik, die 2017 von Karen Boers, Laurent Hublet und Rodolphe Verhaegen in Zusammenarbeit mit Simplon.co eröffnet wurde. Becode mit Niederlassungen in Brüssel und Charleroi bietet eine Intensivausbildung für Web- und mobile Anwendungen.

Factoria F5 ist eine spanische Fabrik für kostenlose Ausbildungen in digitalen Techniken, die Anfang April in Barcelona eröffnet wird.

Simplon.co und seine europäischen Partner haben übrigens gemeinsam das EUnited We Code genannte Erasmus+ Projekt eingereicht, um diese Partnerschaft zu stärken und gemeinsam an der Gestaltung von innovativen Lehrmitteln zu arbeiten, die bei europäischen Partnerstrukturen zum Einsatz kommen können.

Simplon ist darüber hinaus Mitglied des europäischen Netzwerks Digital Skills and Job Coalition, um gemeinsam gegen den Mangel an digitalen Fähigkeiten in Europa vorzugehen, zu einer inklusiven digitalen Gesellschaft beizutragen und damit Arbeitsuchende und Personen in Umschulung zu erreichen.

Simplon.co hat außerdem mit dem Think-and-do-Tank Pour la Solidarité zwei Foren verfasst, darunter zwei auf Europa ausgelegte Publikationen:


[1] Zahlen: Gender Scan dans le numérique, eine Studie von Global Contact, November 2016

[2] Zahlen: Final report - Women active in the ICT sector, eine Studie der Europäischen Kommission, Januar 2013

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