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Blog

Die jeweiligen Sozialkompetenzen in den Bereichen Fortbildung und Beschäftigung

01/09/2019
von Thierry Ardouin
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

 

Gespräch mit Frau Amélie Charlet  (Fortbildungsberaterin, die eine Forschungsarbeit über  Sozialkompetenzen erstellt hat)

 

 

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Die jeweiligen Sozialkompetenzen in den Bereichen Fortbildung und Beschäftigung

  

Einleitung

 

Guten Tag, Frau Amélie Charlet, Sie haben gerade einen Masterstudiengang in Erziehungswissenschaften im Bereich Fortbildungskonzeption und -beratung (Ingénierie et Conseil en Formation, ICF) an der Universität Rouen Normandie abgeschlossen; Ihre Abschlussarbeit bestand unter anderem in einer Befragung über Sozialkompetenzen. Darüber würde ich gerne mehr erfahren, vor allem über Ihre Erfahrungen bei dieser Arbeit, da dieses Thema ganz allgemein eine Rolle bei der Erwachsenenbildung spielt. Und dieses Thema ist auch für die Plattform EPALE wichtig.

 

- Könnten Sie mit bitte zunächst einmal etwas mehr über sich erzählen und uns mitteilen, warum Sie sich für einen „Master Ingénierie et Conseil en Formation (ICF)“ entschieden haben? Und welchen Stellenwert räumen Sie ihn in Ihrer beruflichen Laufbahn ein?

Ich arbeite seit zehn Jahren im Bereich Weiterbildung. Mehrere berufliche Erfahrungen bei einer OPCA, später in einer Personalabteilung eines Unternehmens und nun als Fortbildungsberaterin  beim Branchenverband der Metallindustrie ließen mich einen umfassenden Überblick über die Konzeption und die Beratung von Fortbildungsprojekten erlangen. Durch den Master ICF an der Universität Rouen Normandie konnte ich die an der Basis erworbenen Kenntnisse bestätigen, neue Kompetenzen erwerben und Abstand zu meiner Funktion gewinnen, insbesondere durch das Einnehmen einer verständnisvollen Haltung oder die Unterscheidung dreier Ebenen: strategisch, organisatorisch und operationell.

 

- Der Begriff der Sozialkompetenz ist im Bereich Weiterbildung und Beschäftigung immer präsenter, doch wird er auch mit anderen Begriffen wie fachübergreifende Kompetenzen, Grundkompetenzen in Verbindung gebracht. Wie würden Sie den Begriff definieren? Und wodurch wird er charakterisiert?

Sozialkompetenz ist die Beziehungsfähigkeit eines Menschen oder auch seine Integrationsfähigkeit. Auch wenn der Mensch ein soziales Wesen ist, ist diese Kompetenz nicht zwangsläufig angeboren, sondern kann sich entwickeln oder wird aktiviert, je nach dem ausgeübten Beruf oder der absolvierten Ausbildung.

 

- In Ihrer Arbeit haben Sie eine Befragung von Fortbildungsleitern und Personalvermittlern durchgeführt – warum haben Sie diese beiden Berufsfelder gewählt? Was erscheint Ihnen bei deren Haltungen und/oder Analysen wichtig? 

Ich hatte diese beiden Berufsfelder gewählt, da ich denke, dass sich die beiden Funktionen Fortbildung und Personalvermittlung mehr als ergänzen, sie sind sogar untrennbar miteinander verbunden. Denn der Kontext des beruflichen Wandels, der an die technologischen und energetischen Veränderungen geknüpft ist, impliziert neue Konzepte, die diese beiden Funktionen miteinander verbinden. Denn schließlich ist das Ziel, Kompetenzen zu entwickeln, die dem Bedarf der Unternehmen und ihrem verschärften Streben nach Wettbewerbsfähigkeit entsprechen.

Die Personalvermittler achten sehr auf Sozialkompetenzen. Angesichts eines unflexiblen Arbeitsmarkts nehmen sie je nach Angebot und Nachfrage permanent Anpassungen vor. Fortbildungsleiter wiederum aktivieren die bei den Bewerbern bereits vorhandenen Sozialkompetenzen. Die Befragten lieferten jedoch Informationen über die Entwicklung dieser Kompetenzen. Diese zeigten, dass der theoretische und berufliche Rahmen noch weiter untersucht werden muss.

 

- Nach Ihrer Studie und Ihrer Meinung: Inwieweit ist die Frage der Sozialkompetenzen für die Fortbildung von Bedeutung? Welche Überlegungen (oder Empfehlungen) leiten Sie daraus ab?

Es scheint, dass die Sozialkompetenzen während der Fortbildung aktiviert werden, um die erlangten Kenntnisse anzuwenden. So erlauben sie die Schaffung einer Art Kohäsion innerhalb einer Gruppe, womit beispielsweise die Gefahr einer inneren Abkehr begrenzt  und die Erlangung von Kenntnissen gefördert wird. Das wirft Fragen hinsichtlich der Weiterentwicklung von Sozialkompetenzen des Einzelnen sowie in der Gruppe auf.

 

- Können Sie uns zwei oder drei Vorbilder nennen, die für Ihre Arbeit richtungsweisend waren?

Bei meinen Arbeiten habe ich mich auf mehrere Vorbilder gestützt. Die von  dem Universitätsprofessor Thierry Ardouin verfassten Werke und Artikel ließen mich die Entstehung der Begriffe Kompetenz und Fortbildungskonzeption verstehen, bis hin zur Untersuchung einer festen Definition dieser Begriffe[1]. Die Arbeiten des Psychologen Daniel Faulx halfen mir dabei, die doppelte Dimension der Sozialkompetenz zu erkennen: „Die eine rührt aus der Konzeption des eigenen Ich her und die andere aus dem Umgang mit den Interaktionen mit dem sozialen Umfeld.“[2]

 Und schließlich haben die Arbeiten der promovierten Erziehungswissenschaftlerin Maela Paul[3] bei mir zugleich Neugier und Interesse besonders für die Definition der Begleitung als einem „Sein mit“ und „Gehen hin zu“ geweckt, die sie auf drei Ebenen charakterisiert: zwischenmenschlich, operationell und zeitlich/situationsbezogen.

 

 

Ich denke Ihnen für dieses Gespräch und Ihre Ausführungen.

Gespräch aufgezeichnet von Thierry Ardouin

 

 


[1]Ardouin, T. „La formation est-elle soluble dans l’ingénierie? Petite histoire de l’ingénierie de la formation.“, Education Permanente n° 157, 2003, S. 13-26

Ardouin, T. Pour une épistémologie de la compétence Savoir en action et acteur de la formation, Presses universitaires de Rouen et du Havre, 2005, S. 31-49

[2]Kolloquium „Développer les compétences psychosociales: une nécessité pour la société, un défi pour l’enseignement supérieur?“, geleitet von D. Faulx

[3]Paul, M. (2012), „L'accompagnement comme posture professionnelle spécifique. L'exemple de l'éducation thérapeutique du patient", Forschungsarbeit im Pflegebereich, 110(3), 13-20.

 

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