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Immer wieder auf der bildungspolitischen Agenda der Europäischen Union: Die Validierung non-formalen und informellen Lernens

03/04/2017
von Sibilla Drews
Sprache: DE

Die Validierung informell und nicht-formal erworbener Kompetenzen ist schon seit Jahren immer wieder auf der bildungspolitischen Agenda der Europäischen Union zu finden.

2004 trat der Europäische Rat für gemeinsame europäische Grundsätze zur Validierung von nicht-formalen und informellen Lernprozessen ein; seit diesem Jahr wird regelmäßig ein Europäisches Verzeichnis zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens mit Informationen über die gegenwärtigen Validierungspraktiken in der EU veröffentlicht. Die Dokumentation auch von informell erworbenen Kompetenzen soll seit 2005 im Europass und seit 2006 im Youthpass gefördert werden. In der Empfehlung zur Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) aus dem Jahr 2008 werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, ebenfalls die Anrechnung von Lernergebnissen aus informellen Lernprozessen zu fördern.

Im Dezember 2012 schließlich verabschiedete der Europäische Rat eine Empfehlung zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens (2012/C398/01). Darin werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, bis 2018 Regelungen für die Validierung nicht-formalen und informellen Lernens einzuführen. Sie sollen Folgendes ermöglichen:

  • Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen, die durch nicht-formales und informelles Lernen erworben wurden, validieren zu lassen;
  • auf der Grundlage validierter nicht-formaler und informeller Lernerfahrungen eine vollständige oder gegebenenfalls teilweise Qualifikation zu erhalten.

Auch die Europäische Kommission hat immer wieder unterstrichen, wie wichtig es ist, die Vergleichbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen in Europa zu unterstützen, insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit in Europa. Beispielhaft seien hier die Leitinitiativen der Strategie Europa 2020 „Jugend in Bewegung“, „Eine Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten“ und „Eine digitale Agenda für Europa“ genannt.

In Deutschland ist das nicht-formale und informelle Lernen in den letzten Jahren hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) diskutiert worden. Der Arbeitskreis DQR hat sich Ende 2011 dafür ausgesprochen, lebenslanges Lernen zu fördern, neue Zugänge zu Bildung und Lernen zu schaffen, die Vielfalt möglicher Lernwege zu erhöhen und Barrieren zwischen den Bildungsbereichen abzubauen. Die Bedeutung des nicht-formalen und informellen Lernens auch im Hinblick auf eine Erhöhung der Bildungs- und Erwerbsbeteiligung wird anerkannt. Empfehlungen für eine mögliche Einbeziehung nicht-formal und informell erworbener Kompetenzen in den DQR werden zurzeit erarbeitet.

Das Programm Erasmus+ legt insbesondere im Programmbereich Jugend, aber auch im Bereich Bildung einen besonderen Fokus auf die Validierung nicht-formalen und informellen Lernens mit dem Ziel, die Durchlässigkeit hin zu formalen Bildungswegen zu fördern.

Genauso unterschiedlich wie die europäischen Projekte zu dieser Priorität sind auch die Perspektiven und Erwartungen, die mit der Validierung von Kompetenzen verbunden werden. Bei einer entwicklungsorientierten Perspektive mit Fokus auf den einzelnen Lernenden geht es im Unterschied zur Nutzungsperspektive des Arbeitsmarktes eher darum, Gestaltungsmöglichkeiten der individuellen Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Validierung dient der Bewusstwerdung über die Chancen und Möglichkeiten der eigenen Persönlichkeit und über unterschiedliche Lernprozesse und -wege in der eigenen Biografie. Im Vordergrund steht ein Feedback zum Lernprozess oder zu den Lernwegen. Es geht vorrangig darum, Stärken und Schwächen bewusst zu machen, und die Grundlage für Beratung und Personal- oder Karriereplanung zu schaffen. Anerkennung findet in diesem Bereich des informellen Lernens im Wesentlichen als gesellschaftliche Anerkennung statt, dokumentiert in Portfolios oder individuellen Kompetenzbilanzen.

Im non-formalen Bereich läuft Validierung häufig auf die Erlangung von Zertifikaten hinaus. In unterschiedlichen Verfahren und mit unterschiedlichen Instrumenten werden Kompetenzen erfasst und bewertet. Ziel ist die Verwertbarkeit von nicht-formal erworbenen Kompetenzen für das Erwerbsleben und die Übertragbarkeit in den formalen Bereich. Die tatsächliche Verwertbarkeit für den Einzelnen hängt in erster Linie von der Glaubwürdigkeit, Aussagekraft und Akzeptanz der jeweiligen Zertifikate auf dem Arbeitsmarkt ab.

Diese Voraussetzungen werden am ehesten erreicht, wenn der Validierung standardisierte Verfahren und Instrumente zugrunde liegen und diese einen klaren Bezug zum Arbeitsalltag und zum Beruf haben. Ein solcher Situations- und Domänenbezug in Kombination mit Qualifikationen, die lernergebnisorientiert beschrieben sind, bieten die besten Voraussetzungen für Vergleichbarkeit und Übertragbarkeit von Kompetenzen. Ein solcher Ansatz mit dem Ziel, Lernergebnisse zu formalisieren und zu zertifizieren, muss in jedem Fall nationale Standards berücksichtigen. Verfahren müssen auf das nationale Qualifikationssystem abgestimmt und die zuständigen Stellen einbezogen sein. Der optimale Zustand wäre hier erreicht, wenn die Validierung als regulärer Bestandteil eines übergreifenden Qualifikationssystems eingeführt wäre. Nationale Qualifikationsrahmen eröffnen dafür die Möglichkeit. Unabhängig von Qualifikationsarten sowie Dauer und Ort eines Lernprozesses kann non-formales und informelles Lernen auf einem bestimmten Niveau validiert werden, was dann wiederum als Grundlage für die Vergabe einer formalen Qualifikation herangezogen werden kann.

Beratung im Mittelpunkt Eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit der Validierung von Kompetenzen kommt einer umfassenden Beratung zu, die sowohl eine Bestandsaufnahme der bisherigen Lernwege und -ergebnisse beinhaltet als auch Orientierung bietet im Hinblick auf mögliche Bedarfe einer Anpassungsqualifizierung, um Lücken auf dem Weg hin zu einer formalen Qualifikation zu schließen. Beratung umfasst den gesamten Weg von der Identifizierung von Kompetenzen über die Beurteilung, Validierung, Zertifizierung derselben bis hin zur formalen Anerkennung. All dies wohlgemerkt unter Beachtung des Prinzips der Freiwilligkeit und mittels aktiver Partizipation der einzelnen Lernenden.

Auch wenn vorrangig keine Formalisierung verfolgt wird, sind Standards der Dreh- und Angelpunkt für Glaubwürdigkeit und Akzeptanz von Validierungsverfahren. Neben Standards, die sich z. B. auf die lernergebnisorientierte Beschreibung von Berufsfeldern, einzelnen Lerneinheiten und gesamten Qualifikationen beziehen, sind prozessbezogene Standards für die Bewertung, Validierung und Zertifizierung von Lernen erforderlich.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Validierungsstrategie ist die Akzeptanz des Prinzips, dass Qualifikationen auf unterschiedlichen Lernwegen (formal, nicht-formal und informell) erworben werden können. Unerlässlich hierfür ist die Existenz von Kriterien für eine Qualitätssicherung des Validierungsprozesses.

Europäische Projekte im Rahmen von Erasmus+ beziehen sich bei der Entwicklung bzw. beim Transfer von Verfahren und Instrumenten in der Regel auf die ersten drei von insgesamt fünf allgemein anerkannten Prozessschritten. Dies sind Information und Beratung, Nachweis der erworbenen Kompetenzen und Dokumentation bzw. Präsentation dieser Nachweise. Die letzten beiden Schritte, Bestätigung durch ein fachkundiges Gremium und Zertifizierung durch die zuständige Stelle, liegen in den meisten Fällen außerhalb des Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereichs der Projektträger. In diesem Bereich können aber Peer-Learning-Prozesse und Expertenaustausch auf europäischer Ebene über Erasmus+-Projekte initiiert werden.

Autorinnen: Franziska Bopp und Sibilla Drews, Mitarbeiterinnen der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB

 

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