chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Ich rede von „Erwachsenenbildung“, du von „beruflicher Weiterbildung“: Sollen wir jetzt einfach alles abblasen?

05/12/2018
von Gina Ebner
Sprache: DE
Document available also in: EN HU FR IT PL ES

/en/file/evsw-2018EVSW 2018

EVSW 2018

Anfang November besuchte Gina Ebner die European Vocational Skills Week 2018 (EVSW) in Wien. Hier berichtet sie, was sie während der Woche erfahren hat – und eventuell nicht.

Höhepunkte der European Vocational Skills Week

Ich hätte mir einen stärkeren Fokus auf Erwachsenenbildung und beruflicher Weiterbildung gewünscht – das wünsche ich mir natürlich immer, aber bei der EVSW ist es mir besonders aufgefallen. Mir ist klar, dass das jetzt wahrscheinlich nicht so überraschend ist: ich vertrete ja schließlich die Erwachsenenbildung. Ich habe das EC-OECD-Seminar zur Zukunft der Erwachsenenbildung wirklich genossen, aber es umfasste nur einen Nachmittag. Es gibt wesentliche Herausforderungen für Erwachsene in diesem Zusammenhang, die angegangen werden müssen.

Besonders gut gefielen mir auch die Beiträge von zwei internationalen Experten: Dr. Shaymal Majmudar vom Internationalen Zentrum für Berufsbildung der Vereinten Nation (UNESCO-UNEVOC) bei der „Vocational education and training in Europe: Taking stock and looking ahead“ Konferenz und Byron Auguste aus den USA – sehen Sie sich hier seinen Vortrag an! Es tut gut, auch mal unseren gewohnten Bezugsrahmen zu verlassen und sich andere Erfahrungen anzuhören.

(Übrigens, wussten Sie schon, dass es auch einen weltweiten Verband für Erwachsenenbildung gibt? Erfahren Sie mehr über den International Council for Adult Education, ICAE.)

Die Zukunft der Erwachsenenbildung

Eine weitere Erkenntnis: Die Erwachsenenbildung überrascht mich immer wieder mit der Breite (oder war es die Tiefe?) ihres Themenspektrums. Ein Input der OECD war, dass mobile Endgeräte in Zukunft durch die Analyse von Suchverläufen und Online-Aktivitäten, Tippverhalten und -inhalten dazu fähig sein könnten, Lernbedürfnisse einzuschätzen – z. B. könnten sie dann Ihre Alphabetisierungskompetenz einschätzen. Darauf basierend würden die Geräte Ihnen bestimmte Online-Lernangebote vorschlagen, um eventuelle Bildungslücken zu schließen. Ehrlich gesagt, weiß ich selber nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Diese Vorstellung ist weit von der Erwachsenenbildungsrealität entfernt, in und mit der ich arbeite. Würde sowas Menschen helfen? Vielleicht. Nachdem ich mich für einige Online-Kurse registriert habe, erhalte ich jetzt immer wieder unspezifische Vorschläge für andere Bildungsangebote. Vielleicht würde ich mich mehr angesprochen fühlen, wenn sie besser auf mich zugeschnitten wären. Möchte ich, dass diese Informationen von mir zugänglich sind? Nicht wirklich. Andererseits bin ich ja auch bei Facebook; da ist es vielleicht unsinnig, oder zumindest überflüssig, sich über Privatsphäre Sorgen zu machen. Wenn jemand diese Diskussion weiter mit mir fortführen möchte, würde mich das freuen!

Integration von Erwachsenenbildung und beruflicher Weiterbildung

Zum Schluss möchte ich auf den Zusammenhang zwischen Erwachsenenbildung und beruflicher Weiterbildung eingehen. Wie viel haben allgemeine Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung gemeinsam? In Kursen verfolgen Lernende häufig sehr unterschiedliche Lernziele. Während eine Person vielleicht einen Englischkurs zur persönlichen Weiterentwicklung oder zur Reisevorbereitung belegt, könnte eine andere Englisch lernen wollen, weil ihre Kinder gerade Englisch lernen. Wiederum andere planen einen Berufswechsel und Sprachkenntnisse könnten ihnen einen Vorteil verschaffen. Ist es sinnvoll, einen so zusammengewürfelten Kurs in eine rein allgemeine oder eine rein berufsbezogene Erwachsenenbildungskategorie einordnen zu wollen? Natürlich nicht. Wenn Sie einen Yogakurs belegen, hilft Ihnen das bei der persönlichen Entwicklung und gleichzeitig vielleicht auch, besser mit dem Stress bei der Arbeit umzugehen.

Wäre es also besser, Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung grundsätzlich zusammenzuführen? Es gibt viele Gründe, die dafürsprächen. Aber – natürlich gibt es auch ein „aber“! – würde Erwachsenenbildung dadurch von der Bildfläche verschwinden? Würden nationale Traditionen der Volksbildung weiterhin bestehen bleiben? Wäre noch genug Geld vorhanden? Bevor wir uns absolut sicher sein können, dass die Erwachsenenbildung nicht von der beruflichen Weiterbildung verschluckt werden würde, müssen wir uns die Unterschiede klarmachen und eng zusammenarbeiten. Der allgemeinen Erwachsenenbildung müssen spezifische Fördermittel zur Verfügung stehen, damit Menschen sich mühelos zwischen den verschiedenen Bereichen hin und her bewegen können. Grundsätzlich müssen alle Bereiche der Aus- und Weiterbildung gleichermaßen anerkannt und gefördert werden –dies könnte langfristig den entscheidenden Unterschied machen.

Gina Ebner ist Generalsekretärin des Europäischen Verbands für Erwachsenenbildung (EAEA) sowie auch die EPALE Themenkoordinatorin für die Unterstützung von Lernenden.

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn