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Blog

So sichern Gewerkschaften die Qualität beim Lernen am Arbeitsplatz (EN, DE)

26/07/2016
by Andrew McCoshan
Sprache: DE
Document available also in: EN LT LV

/de/file/trade-unionTrade Union

Trade Union

Unterhält man sich mit britischen Gewerkschaftlern über das Lernen am Arbeitsplatz, so wird man mit großer Wahrscheinlichkeit an Unionlearn verwiesen, eine Organisation innerhalb des Trades Union Congress (TUC), des Dachverbands der Gewerkschaften Großbritanniens.

Mit Unionlearn haben die Gewerkschaften eine aktive Rolle in der Förderung des Lernens am Arbeitsplatz übernommen, indem sie Arbeitnehmer beim Zugang zu Weiterbildungsangeboten unterstützen und die Qualität der Bildungsmöglichkeiten verbessern. Tatsächlich ist es ihr vorrangiges Ziel, den Verbänden zu helfen, ihre Mitglieder dabei zu unterstützen, „durch lebenslanges und auf bestimmten Qualitätsstandards basierendes Lernen Bildungsangebote wahrzunehmen und erfolgreich zu nutzen.“

Herzstück der Arbeit von Unionlearn sind gewerkschaftliche Bildungsbeauftragte (Union Learning Representatives, ULR), deren Aufgabe es ist, das Lernen am Arbeitsplatz zu fördern und die Kollegen bei dem Zugang zu Bildungsangeboten zu unterstützen. Sie tragen dazu bei, eine wichtige Lücke zu schließen: „Die Verbände können Menschen erreichen, die das allgemeine Serviceangebot nicht erreicht“, erklärt Iain Murray, Senior Policy Officer bei Unionlearn.

Die Funktion des gewerkschaftlichen Bildungsbeauftragten entstand in den 1990er Jahren als Antwort auf die nationalen Bedenken, dass Großbritannien hinsichtlich der Grundkenntnisse seiner Arbeitnehmer hinter anderen Ländern hinterherhinkt. Parallel dazu boten bereits vorhandene Aktivitäten an den Arbeitsstätten den Gewerkschaften die Gelegenheit, ihre Kollegen bei der Weiterbildung zu unterstützen – ein langgehegter und häufig von den eigenen Erfahrungen motivierter Wunsch vieler Gewerkschaftler. Aus diesem Grund sind die Bildungsbeauftragten der Gewerkschaften „wirklich extrem zielstrebig, wenn es darum geht, sich beim Thema Erwachsenenbildung für ihre Kollegen zu engagieren“, betont Iain Murray.  Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht nur auf Basiswissen: Unionlearn deckt das gesamte Bildungsspektrum ab, von Grundkenntnissen in Lesen/Schreiben und Rechnen über die Entwicklung technischer Fertigkeiten und Ausbildungen bis hin zu kontinuierlicher fachlicher Weiterbildung.

Schulungen sind ein wesentlicher Faktor, wenn es darum geht, die Qualität der von den Beauftragten geleisteten Arbeit sicherzustellen. 2002 wurde eine Rechtsgrundlage für die Bildungsbeauftragten der Gewerkschaften geschaffen, indem man ihnen das Recht der Anerkennung ihrer Tätigkeit im Rahmen der bezahlten Arbeitszeit zuerkannte. Im Rahmen des Beschäftigungsgesetzes von 2002 wurde weiterhin festgelegt, dass jeder Bildungsbeauftragte für die Ausübung seiner Aufgaben angemessen geschult sein muss. Es werden anerkannte Schulungsprogramme angeboten, die den Bildungsbeauftragten der Gewerkschaften ermöglichen, den Lernbedarf zu analysieren, Lernangebote zu gestalten und zu unterstützen und sich mit ihren Arbeitgebern über die Durchführung diesbezüglicher Aktivitäten zu beraten.

Unionlearns Interesse an qualitativ hochwertigen Bildungsmaßnahmen zeigt sich jedoch auch in anderer Hinsicht. Der Verband hat eine Charta für Lehrstellen und Praktika entwickelt, die die Bildungsbeauftragten bei ihren Verhandlungen mit Arbeitgebern unterstützt. Darüber hinaus vergibt der Dachverband drei Qualitätsauszeichnungen, die die Bereiche Lernprogramme, Laufbahninformationen und -beratung sowie Berufsausbildung abdecken. Diese werden an Anbieter vergeben – und im Falle von Lehrstellen an die Arbeitgeber – die eine Reihe von Good-Practice-Kriterien erfüllen (siehe Kasten).

 

Die Qualitätsauszeichnung von TUC Unionlearn für Kurse und Lernprogramme

Ein breites Spektrum unterschiedlichster Anbieter hat die Qualitätsauszeichnung für Lernprogramme erhalten, darunter Hochschulen und unabhängige Erwachsenenbildungsorganisationen sowie gewerkschaftseigene Lernzentren, die von den Gewerkschaften selbst an den Arbeitsstätten vor Ort unterhalten werden.

Anbieter, die dem vorgegebenen Standard entsprechen, haben nachweislich gezeigt, dass:

  • Der Kurs/die Kurse und alle zusätzliche Unterstützung, Beratung und Betreuung allen berufsfokussierten und berufsbasierten Lernenden, einschließlich Schichtarbeitern, zur Verfügung stehen
  • Alle Mitarbeiter entsprechend national anerkannter Standards geschult werden, sie erfahren sind, was das Lehren am Arbeitsplatz angeht und sie ein Verständnis für Gewerkschaften und deren Bildungsbeauftragte haben
  • Sowohl die Annahme der Angebote durch die Lernenden als auch deren Weiterführung stabil sind
  • Entsprechende Systeme vorhanden sind, die die Beratung der Lernenden mit gewerkschaftlichen Bildungsbeauftragten ermöglichen
  • Die Lernenden die Gelegenheit haben, ihre praktischen Alltagsfähigkeiten/fachlichen Fähigkeiten beurteilen zu lassen und ihnen angemessene, individuelle Lernpläne sowie Unterstützung in Form regelmäßiger Überprüfungen zur Verfügung stehen
  • Die Lernenden Zugang zu national anerkannter Akkreditierung haben und Erfolge erzielen, die mit nationalen Standards vergleichbar sind

Quelle: https://www.unionlearn.org.uk/three-quality-awards (EN)

Mittlerweile kann TUC Unionlearn mit einigen interessanten Statistiken aufwarten: in den vergangenen Jahren wurden mehr als 30.000 Beauftragte geschult und über 230.000 Beschäftigte nahmen an Fortbildungen und Lernangeboten teil. 1998 erhielt die Organisation erstmals finanzielle Unterstützung von der Regierung und trotz der Veränderungen in der politischen Zusammensetzung der Regierung und der in jüngerer Zeit erfolgten Haushaltskürzungen fließen auch weiterhin Fördergelder. Im September 2014 wurde in einem Bericht des britischen Parlaments zum Thema Erwachsenenbildung festgestellt, dass Unionlearn „herausragende Ergebnisse zu einem Bruchteil der Kosten offizieller Vollzeit-Schulbildung erreicht hat.“

Unionlearn ist ein fester Bestandteil der Lernlandschaft. Wie Iain Murray feststellt, ist es eine der zentralen Stärken der Organisation, dass sie „aus der Idee erwachsen ist, Menschen helfen zu wollen, die eine zweite Chance brauchen.“ Das Aktivitätsspektrum der Gewerkschaftsorganisation spiegelt die Philosophie wieder, dass Lernen nicht nur für den Arbeitsplatz nützlich sein sollte, sondern dass es „die Menschen als Bürger ermächtigen“ sollte. Dafür zu sorgen, dass jeder Beschäftigte nicht nur Zugang zu Bildung, sondern zu qualitativ hochwertiger Bildung hat, bleibt daher nach wie vor ein zentrales Anliegen.

Andrew McCoshan ist seit über 20 Jahren in der Aus- und Fortbildung tätig. In den letzten 10 Jahren hat er sich auf Strategieentwicklungsstudien und -bewertungen für die EU spezialisiert; zuvor war er als Berater in Großbritannien tätig. Derzeit arbeitet Andrew als freiberuflicher Berater, Mitarbeiter in der Akademie für Hochschulbildung Großbritanniens (UK Higher Education Academy), als ECVET-Experte für Großbritannien und er ist Mitglied des britischen Arbeitskreises Bildung & Arbeitgeber (UK Education & Employers Taskforce Research Group).

 

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1 - 3 von 3 anzeigen
  • Bild des Benutzers Elena Galifianaki

    Dear Andrew,

    I too agree with David about the importance of the subject you brought up, especially as it highlights the responsibilities on the employee side, to further educate and develop themselves.

    And to add to Gina’s opinion about social partners in Austria, I can provide some info about Trade Unions in Greece. Traditionally they represent employees/workers in all matters relating to the improvement of their work life whether educational, financial, pension-related etc.

    In 2004 GSEE (the General Confederation of Labour) took the initiative to create the Education Policy Development Centre (KANEP). KANEP represents the Greek General Confederation of Labour in the area of Education and Lifelong learning, promoting the agenda of trade unions which includes employment policies, policies for combating social exclusion, and reinforcement of trade union presence in society.(http://www.kanep-gsee.gr/brief-profil)

    Additionally, GSEE has created the Labour Institute (INE - http://www.inegsee.gr) which aims at strengthening the skills and the wider role of employees, members and officials of trade unions represented in GSEE. In particular, it aims to upgrade their qualifications in order to secure employment and their professional development and enhance their participation in organised collective activities.

    Any other European practices that we can find out about?

  • Bild des Benutzers Gina Ebner

    Social partners have traditionally played an important role in Austrian adult education. They're on the board of the biggest vocational training institutes (WIFI for employers, bfi for employees) and tend to be consulted on all issues related to adult education. I also remember a number of projects in which shop stewards were trained to give education and training guidance.

  • Bild des Benutzers David Mallows

    Excellent blog Andrew and on such an important subject. UnionLearn do fabulous work encouraging and supporting learning – see this page for comments https://www.unionlearn.org.uk/blog/learners-messages-unionlearn

    I wonder whether there are equivalent organisations in other countries? And also what other social partners support adults in learning?