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Die lebenslange berufliche Orientierung anstreben? Themen und Perspektiven. Eine Serie von 3 Artikeln

07/06/2019
by André Chauvet
Sprache: DE
Document available also in: FR EN HR

[Überstetzung (Französisch-Deutsch) : EPALE Frankreich]

Heute über die berufliche Orientierung nachzudenken, setzt eine allgemeinere Reflexion über die Auswirkungen des aktuellen Kontextes auf die berufliche Lage und Weiterentwicklung der Menschen voraus: Vervielfältigung von Übergangsphasen oder Unterbrechungen, Nichtlinearität, Unvorhersehbarkeit. Die Orientierung ist kein einmaliger Akt mehr, sondern ein permanenter Prozess, der in all seinen Facetten analysiert werden muss, um die relevantesten Dienstleistungen und Praktiken aufzubauen; der erste Artikel dieser Reihe befasst sich mit den Herausforderungen des Zugangs zu zuverlässigen und nutzbaren Daten über die Arbeitswelt.

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1- Die Herausforderungen des Zugangs zu zuverlässigen und nutzbaren Daten über die Arbeitswelt.

Die frz. Verordnung Nr. 2019-218 vom 21. März 2019 über die neuen Zuständigkeiten der Regionen in Bezug auf die Information über Berufe und Ausbildung formalisiert die Übertragung von Informationen über Berufe und Ausbildung an die Regionen, die nach dem Gesetz vom 5. September 2018 „für die Freiheit der Wahl der beruflichen Zukunft“ vorgesehen ist. Diese Übertragung und Fokussierung auf Informationen wirft eine Reihe von Fragen in Bezug auf die Perspektiven und Entwicklungsformen von SPROs (öffentliche regionale Orientierungsstellen) auf. Gleichzeitig lenkt eine Notiz von France Stratégie die Aufmerksamkeit auf die Herausforderungen, die sich aus dem Zugang zu hochwertigen Informationen über berufliche Möglichkeiten ergeben.

Die Informationsherausforderung

Diese Frage ist nicht neu, erfordert aber die Klärung der Zusammenhänge zwischen gewählten Orientierungen und den zur Verfügung gestellten Informationen. Es können mehrere Aspekte unterschieden werden:

- Der Zugang zu Informationsquellen: Dieser hängt sowohl von der Vielfalt der Zugangsmöglichkeiten (physisch, digital usw.) als auch von den Form dieser Informationen (schriftlich, visuell, erfahrbar, virtuell usw.) ab. Insofern gibt es viele Perspektiven in Bezug auf mögliche Variationen.

- Die Qualität der Informationsquellen: Hier wird die Notwendigkeit deutlich, die Art der Informationen zu unterscheiden. Bei einigen handelt es sich um objektive, sachliche, nicht anfechtbare (z.B. rechtliche) Elemente; andere sind vor allem strategische Elemente, die auf einer Auslegung von Trends (Rekrutierungsperspektiven, inhaltliche Veränderungen usw.) beruhen, die wertvoll, aber Gegenstand der Debatte sind. Im Mittelpunkt steht also nicht so sehr der objektive Charakter im engeren Sinne, sondern die Zuverlässigkeit. Es muss über Qualität der Quellen nachgedacht werden, man muss überprüfen, ob die übermittelten Informationen auf Analysen basieren, die auf mehrere Quellen verweisen. Denn die Benutzer werden sich vor allem aufgrund der Verwertbarkeit der Informationen (dienen sie mir als Entscheidungshilfe?) und nicht in Anbetracht ihrer wissenschaftliche Qualität für die interessieren. Dies erklärt auch die Zurückhaltung bei der Verwendung statistischer Daten, die für den Laien schwer zu verstehen sind, und der Rückgriff auf soziale Medien und lokale Netzwerke, die zweifellos fragwürdige, höchst subjektive, aber gleichzeitig leicht zugängliche und nutzbare Informationen liefern. Seien wir vorsichtig bei zu akademischem Wissen, bei leblosen Daten: die Nutzer suchen „Geschichten“, interessieren sich mehr für Laufbahnen und Leben als für Berufsbeschreibungen! Sollte sich der Zugang zu verlässlichen Informationen als ein Faktor für Entscheidungsfindung und Gleichberechtigung erweisen, stehen wir vor vielen technischen (wie erleichtert man den Zugang zu zuverlässigen und aktuellen Informationen?) und pädagogischen (wie entwickelt man kritisches Denken?) Aufgaben.

Die Frage der Vorstellungen

Die Orientierungsfrage allein auf die Zuverlässigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen zu beschränken, scheint zu übersehen, dass Menschen oft irrationale Entscheidungen treffen. Was wir von Berufen und der Arbeitswelt halten ist keine banale Information. Sie ist in erster Linie eine Vorstellung dessen, was für uns richtig sein könnte. Vorstellungen sind jedoch aus mindestens drei Gründen komplex und schwer zu ändern. Zunächst aufgrund der Art der Information. Informationen, die der Einzelne über Berufe besitzt, sind nicht einfach kopiert. Sie sind das Ergebnis einer zugleich sozialen und persönlichen Konstruktion, die objektive Elemente und subjektive Wahrnehmungen vereint und von Menschen in ihren Interaktionen mit ihrer Umwelt entwickelt wurden. Die zweite betrifft die Schwierigkeit, diese spezifischen sozialen Repräsentationen, die sich auf die Berufe und die Arbeitswelt beziehen, zu ändern. Warum? Weil sie sehr früh entstehen und gegen dissonante Informationen resistent sind. Man wählt oft Daten, die das, was wir glauben, untermauern. So ändern sich Kriterien wie Attraktivität (verbunden mit sozialem Prestige) oder Geschlecht (sogenannte Frauen- oder Männerberufe) durch bloße Informations- oder Werbekampagnen wenig. Sie erzeugen allmählich Stereotypen (per Definition Konsens), die nicht einfach wegzureden oder zu ändern sind. Drittens vertieft sich die Kluft zwischen der Realität der Arbeitswelt, den Berufen, die sich dort entfalten und verändern, der Vielfalt und dem Reichtum der dort vorhandenen Kontexte und der Hierarchie der Berufe, die das Publikum spontan anziehen. Damit eine Tätigkeit ausgewählt wird, muss sie zunächst sichtbar, identifizierbar und von anderen Tätigkeiten unterscheidbar sein. Damit stellt sich letztlich die Frage nach einer Art Reputationskapital für die Berufe.

Eine pädagogische Fragestellung

Da sich Orientierungsfragen nicht auf einen schlichten Unterrichtungsprozess beschränken lassen, der sich auf die Qualität und Zuverlässigkeit der bereitgestellten Informationen konzentriert (wobei es jedem überlassen bleibt, sie zu nutzen), ist es wichtig, über die pädagogischen Modalitäten nachzudenken, die es ermöglichen, verschiedenartige Informationen zu sammeln und zu analysieren, um den eigenen Standpunkt zu entwickeln und eine Strategie aufzubauen. Wir müssen daher investieren (dies zeigen auch viele Initiativen im Rahmen der SPROs), brauchen multimodale Prozesse mit mehr Nähe zu den Regionen, in denen die Informationen nicht nur Buch- und akademisches Wissen sind, brauchen auch lebendige Daten, die es jedem ermöglichen, den Inhalt, die Perspektiven, aber auch die menschliche Dimension der Arbeit zu entdecken.

In dieser Hinsicht besteht die Herausforderung nicht nur in der Entwicklung zuverlässiger Datenbestände, sondern auch in der Fähigkeit von Fachleuten und Ressourcenentwicklern, eine Aneignungsdynamik entstehen zu lassen und zu inszenieren, in der alle Akteure Interessenvertreter sind. Es handelt sich also durchaus um eine pädagogische Fragestellung.

Artikel Nr. 2: Unterstützung bei der Entscheidungsfindung in unsicheren Zeiten

Artikel Nr. 3: Entwicklung der Fähigkeit der lebenslangen beruflichen Orientierung: wie und unter welchen Bedingungen?

https://www.strategie.gouv.fr/publications/connaitre-debouches-mieux-sor...

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