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Helga Moser: Man spricht nicht nur über sie, man spricht mit ihnen

Die Perspektive der Menschen, für die Sie arbeiten, zu berücksichtigen, ermöglicht Ihnen, nicht nur über sie, sondern mit ihnen zu reden.

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Kurzer Lebenslauf

Ich bin Forscherin und Lehrende im Bachelor- und Masterstudiengang am Institut für Soziale Arbeit der FH JOANNEUM in Graz/Österreich. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Sozialer Arbeit in der (Post-)Migrationsgesellschaft, Diversität, Differenz und Diskriminierung. Ich verfüge über langjährige Erfahrung in internationalen Projekten im Bildungsbereich. Das Einbringen von internationalen Perspektiven bereichert meine Arbeit sehr.

Mein EPALE

Vernetzung und Lernen von den Erfahrungen anderer Erwachsenenbildner/innen in ganz Europa - wenn Sie daran interessiert sind, sind Sie auf der richtigen Plattform. Ich bin immer wieder beeindruckt von dem umfangreichen Online-Angebot, in dem Informationen über inspirierende Projekte zu finden sind, Veranstaltungen angekündigt werden und der interaktive Austausch mit anderen Erwachsenenbildner/innen möglich ist. Darüber hinaus sind viele der Beiträge mehrsprachig, was eine großartige Möglichkeit bietet, nicht nur diejenigen zu erreichen, die Englisch sprechen.

Meine Geschichte

In meiner beruflichen Laufbahn als Erwachsenenbildnerin habe ich mich unter anderem mit der Verbesserung des Zugangs benachteiligter Gruppen und der Steigerung der Qualität der Angebote für diverse Gruppen in Erwachsenenbildungs-Einrichtungen befasst. Ich werde hier einige Grundsätze und Ansätze vorstellen, die mich bei meinem Ansatz zu Inklusion und Vielfalt in der Erwachsenenbildung (EB) leiten, um Chancengleichheit und Antidiskriminierung zu fördern.

Bereits während meines Studiums der Erziehungswissenschaften an der Universität Graz habe ich mich mit dem Zugang von Migrant/innen zu Bildung beschäftigt. In meiner Diplomarbeit ging ich der Frage nach, ob und wie die Zusammenarbeit zwischen Migrant/innen-Selbstorganisationen und etablierten Einrichtungen der Erwachsenenbildung den Zugang von Migrant/innen zu Bildung verbessern kann. Bei der Beantwortung dieser Frage habe ich den nationalen Rahmen verlassen, um meine Perspektive zu erweitern. Während eines Forschungsaufenthalts in den Jahren 2003/2004 untersuchte ich die Situation im Vereinigten Königreich. In London stellte ich fest, dass es EB-Einrichtungen durch aufsuchende Aktivitäten wie die Zusammenarbeit mit Selbstorganisationen, besser möglich ist, sogenannte schwer erreichbare Zielgruppen wie Migrant/innen und ethnische Minderheiten anzusprechen. Die Berücksichtigung der Perspektiven, Kompetenzen und tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen, für die man arbeitet, ist der Schlüssel, um sicherzustellen, dass man nicht nur über sie spricht, sondern mit ihnen spricht.

Während meines Aufenthalts im Vereinigten Königreich konnte ich auch einiges über die Begrifflichkeiten lernen. Der Begriff Migran/in - der im österreichischen Kontext als Oberbegriff für alle Einwander/innen verwendet wird - bezieht sich im Vereinigten Königreich auf neu angekommene Migrant/innen. Für Menschen, die schon seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten im Land leben, wird der Begriff ethnische Minderheiten verwendet. Als Wissenschaftlerin und Forscherin ist die Klärung der Bedeutung und der zugrundeliegenden Konzepte von Begriffen und Ansätzen nach wie vor ein wichtiger Leitgedanke für mich. Darüber hinaus ist es bei der Kooperation in internationalen Projekten wichtig, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Klärung des Begriffsverständnisses zu haben und bei der Entwicklung von Maßnahmen und Angeboten die nationalen Kontexte der Projektpartner/innen zu berücksichtigen.

Wenn man über die Initiierung von Veränderungen und die Verbesserung der Chancengleichheit nachdenkt, ist es außerdem wichtig, die verschiedenen Ebenen zu berücksichtigen. Mechanismen, die die Gleichstellung behindern, können auf der (Makro-)Ebene der Gesellschaft, auf der (Meso-)Ebene von Organisationen und auf der individuellen (Mikro-)Ebene angesiedelt sein. Dieser Ansatz leitete das letzte Projekt, an dem ich beteiligt war, die Erasmus+ Strategische Partnerschaft Diversity Capacities – Improving the capacities of Adult Education Institutions to successfully dealing with diversity (DivCap).

Auf der individuellen Ebene wurde ein „Applied Diversity Awareness“ entwickelt, um die persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter/innen von EB-Einrichtungen im Umgang mit Vielfalt zu verbessern. Auf der Mesoebene bauten die DivCap-Partner/innen Unterstützungsstrukturen in den EB-Einrichtungen auf. Zu diesem Zweck wurden konkrete Maßnahmen zur Förderung von Inklusion und Vielfalt auf institutioneller Ebene entwickelt und umgesetzt. Insgesamt waren 14 Bildungseinrichtungen in 7 Partnerländern in Deutschland, Griechenland, Italien, Kroatien, den Niederlanden, Österreich und Spanien an diesem Prozess beteiligt. In der ersten Phase wurde jede Einrichtung in einer Fallstudie auf ihre Diversitätsorientierung hin analysiert.

Anschließend wurden konkrete Empfehlungen vorgeschlagen. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse wurde in einem Toolkit für die Analyse einer Organisation und die Initiierung von Veränderungsprozessen zusammengestellt. In der zweiten Phase wurden die konkreten Maßnahmen in Pilotprojekten umgesetzt. Die Ergebnisse des Arbeitsprozesses wurden in Berichten dokumentiert. Eine Videoreihe porträtiert sieben Institutionen und zeigt, wie sie die jeweiligen Themen angegangen sind.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse der 14 Einrichtungen wurden dann in übergreifende Grundsätze für die Umsetzung und Gestaltung von Diversity-Prozessen in Bildungseinrichtungen eingearbeitet.

Alle Berichte und Handbücher sind auf der DivCap-Website zu finden: https://www.diversitycapacities.eu/.

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