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Forschungseinblick: Tools zur Unterstützung der kognitiven Prozesse

04/06/2019
by Radek Czahajda
Sprache: DE
Document available also in: PL FR

Im Jahr 2018 führte ein Forscherteam der Universität Lyon eine Versuchsreihe unter Anwendung des beliebten Spiels „Rate, wer da ist” durch. Ziel der Versuche war es, festzustellen, wie wir Tools zur Unterstützung unserer kognitiven Prozesse wählen[1].

  

Dabei waren nicht um die neuesten Technologien gemeint, sondern einfache Mechanismen, die uns das Zurechtkommen in der informationsübersättigten Welt erleichtern. Diese Tools dienen dazu,

  • unser Arbeitsgedächtnis durch die Speicherung der gesammelten Informationen zu entlasten,
  • die Blickfokussierung durch die Beschränkung der Optionsanzahl zu erleichtern,
  • die Entscheidungsfindung zu unterstützen, z. B. durch die Angabe wesentlicher Kriterien,

  

Während des Versuchs hatten die Teilnehmer die Aufgabe, ein Spiel zu beenden, das darin bestand, von 64 Charakteren eine bestimmte Person anhand deren Aussehens herauszufinden. Durch das Stellen von angemessenen Fragen, unter anderem nach der Hautfarbe, der Gesichtsform oder dem Ausdruck, konnten sie bestimmen, welche Person in der jeweiligen Runde ausgelost wurde.

In der ersten Phase wurden die Teilnehmer nacheinander jeder der vier Spieloptionen zugeordnet: ohne Tipp, automatische Notizen, visueller Ausschluss von Optionen und Vorschläge für die wichtigsten zu stellenden Fragen. Dank dessen lernten sie die Wirksamkeit bei verschiedenen Unterstützungsformen kennen. In der zweiten Phase konnten sie selbst eine Form auswählen.

  

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schemat gry

Abb. 1. Schema des für die Studie verwendeten Spiels in der Version ohne jegliche Tools[1].

  

Wie man erraten konnte, wurden die besten Ergebnisse von den Personen erzielt, die Vorschläge für die zu stellenden Fragen erhielten. Die nächsten in Bezug auf die Effektivität waren diejenigen, die sich auf Notizen oder Zeichnungen zurückgriffen. Die schlechtesten Ergebnisse erzielten die Personen, die keine Unterstützung in Anspruch nahmen.

  

Diese Ergebnisse hatten jedoch keinen Einfluss auf die Wahl der Unterstützungsform in der zweiten Versuchsphase. Darin wählten die Teilnehmer nicht die Tools, die ihnen die höchste Effektivität brachten. Welche dann?

Die beliebteste Unterstützungsform waren Notizen. Die Versuchsautoren erklären dies unter anderem durch die Ergebnisse früherer Studien, z. B. von Risko und Gilbert[2]. Diese belegten die Neigung der Menschen zum Einsatz von Tools, welche deren Arbeitsgedächtnis entlasten.

Die Teilnehmer wurden auch in Bezug auf deren kognitive Fähigkeiten untersucht. Man verifizierte den Zusammenhang zwischen ihren Fähigkeiten und den Präferenzen hinsichtlich der Toolwahl. Daraus folgte ein Zusammenhang zwischen dem Mangel an Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich und der Wahl des Tools zur Unterstützung in diesem Bereich. Auf Notizen griffen somit Personen zurück, die Gedächtnisprobleme hatten.

Obwohl die Versuche an einer Gruppe von 90 Personen durchgeführt wurden, erwiesen sich deren Ergebnisse als statistisch signifikant, so dass man mit einiger Vorsicht versuchen kann, die wichtigsten Schlussfolgerungen in die Praxis umzusetzen. Wir wissen also, dass Menschen:

  • gerne Tools zur Unterstützung kognitiver Prozesse einsetzen,
  • es vorziehen, Unterstützung in Form der Arbeitsgedächtnisentlastung zu nutzen,
  • auf Tools in den Bereichen zurückgreifen, in denen sie sich am wenigsten sicher fühlen, unabhängig von deren tatsächlicher Wirksamkeit.

  

Was folgt daraus für Ausbilder?

Ich habe für diese Bearbeitung den Artikel aus der letzten Ausgabe der Zeitschrift Cognition ausgewählt, da mir sofort einige Dinge daraus in den Sinn gekommen sind. Es handelt sich um gewisse Einblicke (eng. insights) – scheinbar offensichtliche Dinge, an die wir jedoch nicht immer sofort denken.

Erstens: Da wir wissen, dass sich die Tools zur Erleichterung der Entscheidungsfindung positiv auf die Effektivität auswirken, sollten wir dies bei der Gestaltung unserer Schulungen und Workshops, insbesondere bei deren Vermittlung, berücksichtigen. Ich denke an Checklisten, konkrete Praktiken zur Umsetzung, die die Teilnehmer am Ende des Workshops erhalten, ohne dass sie ihre eigenen erfinden müssen. Sicherlich tun dies heute viele Coaches, aber es lohnt sich, dies als feste Praxis in der Branche einzuführen.

Zweitens: Wenn wir wissen, dass einige Menschen besondere Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung haben, dann sollte dies auch die Art und Weise beeinflussen, wie wir unseren Workshop gestalten. Natürlich beeinflusst dies nicht die Entscheidung, was eine Person zum Mittagessen isst (obwohl ich Ihnen empfehle, Ihre Wahl auf vollwertige, leckere vegane Optionen zu beschränken :D). Es lohnt sich jedoch, bei wichtigen Entscheidungen, z. B. über den Raum, den die jeweilige Person während des Workshops einnimmt, nachzudenken. Ein einfacher Wissens – und Fertigkeitstest oder eine 360°– Analyse genügt, um den Teilnehmern dabei zu helfen, ihre eigenen Schulungsziele zu definieren.

Drittens: Wenn wir wissen, dass Menschen gerne Notizen erstellen, dann sollten wir sicherstellen, dass jeder Zugang zu Tools beziehungsweise zu den während der Workshops eingesetzten Notizerstellungstechniken hat. Es handelt sich um eine geringfügige Änderung, die jedoch sehr wichtig ist. In einer Studie des Lyoner Teams erhöhte der Zugriff auf Notizen die Effektivität um das Doppelte! 

  

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus dieser Umfrage? Ich ermutige Sie zur Diskussionsführung in den Kommentaren! Ich würde mich auch über Ihr Feedback zum Artikel und Ihre Vorschläge zu Bereichen, Themen oder Fragen der Erwachsenenbildung freuen, die einer Bearbeitung bedürfen!

  

[1] Alexandre, B., Navarro, J., Reynaud, E. und Osiurak, F. (2019). Which cognitive tools do we prefer to use, and is that preference rational ? Cognition, 186, 108–114. https://doi.org/10.1016/j.cognition.2019.02.005

[2] Risko, E. F. und Gilbert, S. J. (2016). Cognitive offloading. Trends in Cognitive Sciences, 20, S. 676–688.  

  

***

Radosław Czahajda – Coach, Forscher, Aktivist. Koordinator der europäischen Community „Trainers' Forum“, Mitstifter des Gründerzentrums für soziale Innovationen „Impossible“. Er führte über 1500 Stunden Workshops, Schulungen und Vorträge für Coaches, Körperschaften und Nichtregierungsorganisationen in mehreren Dutzend Ländern Europas. In der Forschungstätigkeit sucht er nach der Antwort auf die Frage, wie man die effektivsten Schulungen veranstaltet. Während Workshops und Tagungsauftritten fördert er wichtige wissenschaftliche Entdeckungen in den Bereichen Bildung, Humanressourcen, Unternehmertum und Marketing. EPALE-Botschafter.

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1 - 3 von 3 anzeigen
  • Bild des Benutzers Rafał Żak
    Zgrabne to, bo w zasadzie "wdrażalne" od razu. To jest kierunek twojego pisania na EPALE, którego powinieneś się trzymać. A przynajmniej taki, na który tutaj czekam ;-)
  • Bild des Benutzers Marta Kosińska
    W edukacji kulturowej projektowanie warsztatów w taki sposób, aby wykorzystywane w nich były narzędzia wspomagające uczenie, umożliwiające notowanie i odciążające pamięć jest dosyć częste. Myślę, że głównie z tego powodu, iż bardzo często nie są to klasyczne szkolenia, ale warsztaty, podczas których wartości wiedzowe wytwarzane są wspólnie z uczestnikami. Żeby ten content wytworzyć, oni po prostu potrzebują narzędzi. Z moich doświadczeń z notatkami najbardziej uderzające było prowadzenie warsztatów dla studentów grafiki: nie dość, że podczas kilkudniowej sesji mieli za zadanie dostarczenie notatek fotograficznych, to jeszcze w trakcie warsztatów wszyscy robili notatki rysunkowe, wizualne. Coś, co na klasycznym uniwersytecie praktycznie nie występuje. 
  • Bild des Benutzers Piotr Maczuga
    Dla mnie to jest bardzo ciekawe z punktu widzenia uczenia za pomocą multimediów. Często skupiamy się na efekcie wizualnym, szczególnie w nauczaniu nieformalnym. Ładne i bogate w treści kadry w filmie szkoleniowym po prostu się podobają. Problem  w tym, że w takich produkcjach często montażysta czy operator kamery wchodzą w buty instructional designera. Oni muszą czuć, jak nie przeładować informacyjnie oglądającego i jak za pomocą montażu skupiać jego uwagę.