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"Ich lerne mit jeder Sendung" - Bildungsleistungen und Beiträge zum lebensbegleitenden Lernen des nichtkommerziellen Rundfunks in Österreich

In Österreich sind seit 1998 freie Medien auf Sendung und haben sich neben dem öffentlich-rechtlichen und dem kommerziellen als dritter Rundfunksektor etabliert. In der von der RTR-GmbH und dem Bundesministerium für Bildung geförderten Studie von COMMIT, analysieren Dr. Meike Lauggas und Mag. Helmut Peissl die Bildungsrelevanz des nichtkommerziellen Rundfunks in Österreich.

In Österreich sind seit 1998 freie Medien auf Sendung und haben sich neben dem öffentlich-rechtlichen und dem kommerziellen als dritter Rundfunksektor etabliert. In der von der RTR-GmbH und dem Bundesministerium für Bildung geförderten Studie von COMMIT, analysieren Dr. Meike Lauggas und Mag. Helmut Peissl die Bildungsrelevanz des nichtkommerziellen Rundfunks in Österreich.

In der vorliegenden Studie wurden die Bildungsleistungen und Beiträge zum lebensbegleitenden Lernen untersucht, die die rund 130 Beschäftigten und ca. 3.000 ehrenamtlichen SendungsgestalterInnen, aber auch SchülerInnen, Studierende, Lehrlinge, PraktikantInnen und weitere Personen in organisierten Fortbildungen und in informeller Weise im nichtkommerziellen Rundfunk in Österreich erwerben können. Hierfür wurden die Weiterbildungsprogramme von 2013 von elf der insgesamt 17 Freien Radios und Community TVs untersucht, weitere Daten wurden 2013 bis 2015 durch eine Online-Befragung aller in Sendern Mitwirkenden, durch Interviews mit zehn Expert_innen und durch je einen Forschungsworkshop und ein Fokusgruppengespräch generiert.

microphone (c) Pixabay License

 

Die Ergebnisse wurden in sechs Themenfelder unterteilt, in denen Lernprozesse in Workshops aber auch in informeller Weise verdichtet stattfinden: Der Umgang mit Technik (1) ist der unmittelbar benennbarste Bereich erwerbbarer Kompetenzen, der am meisten genutzt wird und zugleich stark entmystifizierende Wirkung hat; das Mikrofon nimmt dabei besonderen Stellenwert ein, da es bestärkende Effekte auf Selbst und Fremdwahrnehmung der Gestalter_innen bewirkt (Sprechen und Sprache, 2); wesentlich erhöhte Teilhabe und Auseinandersetzung (3) mit gesellschaftlichen Kultur-/Angeboten sowie vermehrtes eigenes Lesen und Schreiben sind Konsequenzen dieser Medienarbeit, womit auch der große Bereich der Kontaktaufnahme (4) mit anderen Menschen im Studio, in Fortbildungen, für Sendungen usw., im Speziellen auch in der Konfrontation mit Personen des öffentlichen Lebens, zusammenhängt – dabei werden Sozialkapital und soziale Kompetenzen stark ausgebaut; der Umgang mit medialen Öffentlichkeiten (5) erhält professionalisierte Herangehensweisen an fremde aber auch die eigenen Sendungsprodukte, Mut und Spontaneität (6) werden dabei besonders häufig als arbeitskonstituierende Elemente benannt, die lustvolles Lernen ermöglichen. Als (individuell und in je unterschiedlichem Ausmaß) besonders förderlich kristallisierten sich die Bedingungen heraus, ohne lange Anfahrtswege oder Ausbildung mit dem Senden unmittelbar anfangen zu können bzw. Learning by Doing; persönliche Kontakte im Sender zu haben, selbstständig und interessengeleitet frei wählen zu können, ob und was gelernt wird und inhaltliche sowie formale Freiheit bei der Gestaltung von Sendungen.

Die im nichtkommerziellen Rundfunk erwerbbaren Kompetenzen entsprechen in hohem Ausmaß allen acht EU-Schlüsselkompetenzen und demonstrieren sein Potenzial als Bildungseinrichtung, was mit Praktikumsplätzen und Lehrstellen und in Kooperationen mit Bildungsträgern und Arbeitsmarktservice bereits anerkannt wird. Mit entsprechenden Kompetenz-Zertifizierungen werden international unterschiedliche Erfahrungen gemacht, da die Heterogenität der Sendungsgestaltenden eine breite, teils widersprüchliche Ausgangssituation bewirkt: Während Portfolios oder Diplome für einige stärkende Selbstvergewisserung bedeuten, haben sie für andere die abschreckende Wirkung, sich in einer Bildungsinstitution mit all ihren Mechanismen (und Zwängen) wiederzufinden. Auch steigt für die Sender damit die Bürokratisierung, die komplexitätserhöhend wirkt und Entfremdung sowie Abhängigkeiten herstellt. Werden jedoch persönlicher Kontakt, Freiheit, Unkonventionalität und Leistungsungebundenheit als wesentliche Voraussetzungen für die Entwicklungen eines selbstgesteuerten Bildungsinteresses ermöglicht, das nicht nur aus ökonomischen Nutzinteressen gefördert wird, kann Bildungserwerb im nichtkommerziellen Rundfunk in hohem Ausmaß und nachhaltig erfolgen.

Auf Grundlage der Studienergebnisse wurden Anregungen entwickelt, die sich einerseits an Verantwortliche im Handlungsbereich der bildungs-/politischen Institutionen sowie andererseits an jene des nichtkommerziellen Rundfunks richten.

Zum Download der Studie


Mag. Helmut Peissl ist Kommunikationswissenschaftler und Medienpädagoge. Seit der Gründung 2010 ist er Geschäftsführer des Vereins „COMMIT - Community Medien Institut für Weiterbildung Forschung und Beratung“. Er leitete mehrere Studienprojekte zum Nichtkommerziellen Rundfunk in Österreich und Europa für die Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde RTR.

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