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EPALE

E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Ein Erasmus+-Projekt zur Unterstützung von Gemeinschaften beim Aufbau alternativer Ernährungssystem

10/10/2019
by Federica VARINI
Sprache: DE
Document available also in: EN

Lesedauer 5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!

Originalsprache: Englisch


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Erasmus+ Project EATingCRAFT_Logo

Es herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass wir die Art und Weise, wie wir unsere Lebensmittel produzieren und konsumieren, dringend ändern müssen, um in Bezug auf die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), die Agenda 2030 und weltweite Herausforderungen wie den Klimawandel, den Rückgang der biologischen Vielfalt, die Armut und die Verschlechterung der Gesundheit Erfolge zu erzielen. Die zentrale Frage lautet jedoch nach wie vor: Wie können wir unsere Ernährungssysteme nachhaltiger gestalten?

Beim Projekt The Education Towards the Creation of Alternative Food Networks (EATingCRAFT) geht es genau um diese Frage: Es wird ein innovatives und qualitativ hochwertiges Schulungsprogramm konzipiert, das auf die berufliche Weiterbildung von erwachsenen Lernenden ausgerichtet ist, die sich für den Aufbau alternativer Ernährungsnetzwerke interessieren, welche den jeweiligen lokalen Gemeinschaften Vorteile sichern.

Innovative nachhaltige Ernährungssysteme auf lokaler Ebene

Auf der ganzen Welt entwickeln Biolandwirt*innen, Verbraucher*innen und unterstützende Organisationen verschiedene innovative Konzepte für den den Aufbau lokaler Ernährungssysteme, die auf Solidarität und Teilhabe basieren, wie z. B. Partizipative Garantiesysteme (PGS) und Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi).

PGS und SoLaWi ähneln sich, was ihre allgemeinen Ziele angeht, die Existenzgrundlage von Biolandwirt*innen zu verbessern und den Verbraucher*innen leichteren Zugang zu unbedenklichen und vollwertigen Lebensmitteln zu verschaffen.

Beide Konzepte fördern eine transparente und gemeinsame Entscheidungsfindung, indem ein auf Solidarität basierender Ansatz in den Vordergrund gestellt wird, bei dem die Gemeinschaft sich die mit der Umsetzung nachhaltiger Anbaumethoden verbundenen Aufgaben teilt.

In Europa existiert kein für die Entwicklung von PGS förderlicher rechtlicher Rahmen, und es können nur durch Dritte zertifizierte Erzeugnisse mit dem Biosiegel gekennzeichnet werden. PGS-zertifizierte europäische Erzeuger*innen, die ihre Erzeugnisse nicht mit dem Biosiegel versehen können, vertrauen auf die engen Kontakte zu ihren Kund*innen, die oft einen wesentlichen Aspekt der PGS darstellen. Aus diesem Grund entstehen trotz der rechtlichen Hindernisse auch in Europa immer mehr PGS-Initiativen als Ergänzung zur Zertifizierung. Sie sind besonders für diejenigen Erzeuger- und Verbrauchergruppen geeignet, die eine sinnstiftendere Beziehung zwischen Erzeugern und Verbrauchern gelegen ist.

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ecological footprint
Partizipative Garantiesysteme (PGS) stellen ein kostengünstiges, lokal ausgerichtetes System für die Qualitätssicherung in der Biolandwirtschaft und somit eine Alternative zur Zertifizierung durch Dritte dar. Sie legen großen Wert auf soziale Kontrolle und Wissensaufbau und beruhen auf der aktiven Partizipation von Landwirt*innen, Verbraucher*innen, Agrarberater*innen und lokalen Behörden, die gemeinsam eigene Methoden für die Qualitätssicherung festlegen, Entscheidungen treffen, Höfe besuchen, einander unterstützen und prüfen, ob die Landwirt*innen mit ihren Erzeugnissen einen Biostandard einhalten. Wenn Sie mehr erfahren möchten, sehen Sie sich dieses Video an:

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ecological footprint
Die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) beruht auf einer direkten Partnerschaft zwischen Verbraucher*innen und einem/einer oder mehreren Erzeuger*innen, wobei die Risiken, Aufgaben und Einnahmen der Landwirtschaft mithilfe einer langfristigen und verbindlichen Vereinbarung geteilt werden. Mehr darüber erfahren Sie auf der Website des International Network for Community Supported Agriculture oder in diesem Video:

Das Erasmus+-Projekt EATingCRAFT

Finanziert über das Erasmus+-Programm der Europäischen Union, basiert dieses Projekt auf einer strategischen Partnerschaft zwischen sieben europäischen Organisationen im Bereich der nachhaltigen Erzeugung bzw. des nachhaltigen Konsums von Lebensmitteln. Diese Partner sind die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen IFOAM bzw. Organics International (weltweit tätig), Nature et Progrès (Frankreich), die Vereinigung bewusster Konsumenten ACC-TVE (Ungarn), PRO-BIO LIGA (Tschechische Republik), MIRAMAP (Frankreich), Agroecopolis (Griechenland) und das internationale Netzwerk für solidarische Landwirtschaft namens URGENCI.

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt läuft seit Oktober 2017. Bisher wurden ein Schulungsprogramm mit vier Modulen sowie ein Toolkit konzipiert, das auf der Projekt-Website veröffentlicht werden wird. Jedes Modul wurde in drei europäischen Ländern getestet: in der Tschechischen Republik, in Ungarn und in Griechenland. Oberstes Ziel ist es, dass diese Länder nach Projektende über die notwendigen Instrumente und Kapazitäten verfügen, um PGS-Pilotinitiativen ins Leben zu rufen.

Im Rahmen dieses Projekts haben wir die Synergien zwischen PGS und SoLaWi untersucht. Dabei haben wir zum einen festgestellt, dass PGS in vielerlei Hinsicht zum Konzept der SoLaWi beitragen können, insbesondere indem sie ein System für die Qualitätssicherung zur Verfügung stellen und eine kontinuierliche Verbesserung der Methoden gewährleisten. Zum anderen werden wir Beispiele dafür zeigen, wie die SoLaWi zu PGS anregen kann, indem sie eine widerstandsfähige Solidarwirtschaft und Beziehungen zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen aufbaut, die zu starken und gesunden lokalen Ernährungssystemen führen. Dieses Projekt bietet auch die Gelegenheit, ein Netz europäischer PGS-Initiativen und gleichgesinnter Organisationen ins Leben zu rufen, die sich über ihre jeweiligen lokalen Erfahrungen und Herausforderungen auf internationaler Ebene austauschen und aus ihnen lernen können.

PGS und SoLaWi – zwei eher parallel zueinander als gemeinsam entstandene Bewegungen – können viel voneinander lernen. Wir werden die Ergebnisse dieses Projekts in den nächsten Monaten über die Ergebnis-Website des Erasmus+-Programms und die Plattform EPALE veröffentlichen. 


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EATingCRAFT Mid-term Transnational project meeting, Thessaloniki, Grece, 7-8 November 2018
Länderübergreifende Projektmeeting von EATingCRAFT, Thessaloniki, Griechenland, 7.-8. November 2018

Wenn Sie mehr über EATingCRAFT erfahren möchten, besuchen Sie die Projekt-Website und werden Sie Teil unseres Projektteams beim Organic World Congress 2020 im französischen Rennes.


Kehren Sie zum EPALE-Themenfokus Nachhaltigkeit zurück und lesen auch die anderen spannenden Projektbeiträge zum Thema!


Über das Projekt: Partnerorganisationen Urgenci, Tudatos Vásárlók Egyesülete (HU), Nature et Progrés (FR), PRO-BIO LIGA (CZ), MIRAMAP (FR), Agroecopolis (GR).


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Federica Varini, IFOAM-Organics International,
Über die Autorin: Federica Varini arbeitet als Spezialistin für ökologische Landwirtschaft und Garantie bei IFOAM – Organics International. Sie führt Programme an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit durch. Sie lebt in Bonn und leitet das Projekt EATingCRAFT. Zu ihren Schwerpunkten gehört u. a. die Verbesserung der Qualität und Compliance in der ökologischen Landwirtschaft durch dynamische, von der Gemeinschaft geleitete Zertifizierungssysteme (Partizipative Garantiesysteme).



 
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