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EPALE - E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

Blog

EPALE-Zusammenfassung: Schwerpunkt im September auf Alphabetisierung von Erwachsenen

01/02/2018
von David Mallows
Sprache: DE
Document available also in: EN FR IT PL ES

/de/file/literacy-summaryLiteracy Summary

Literacy Summary

Das Thema im Monat September auf EPALE war die Alphabetisierung von Erwachsenen. Es wurden eine Reihe relevanter Blogs veröffentlicht und Ressourcen hochgeladen, um das Konzept der Alphabetisierung zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt auf ihrem Stellenwert in der Erwachsenenbildung lag. Im September veranstaltete EPALE außerdem eine viertägige Online-Diskussion über das Konzept der Alphabetisierung von Erwachsenen.

In meinem Blog-Beitrag Was bedeutet „literacy“ („Lese- und Schreibkompetenz“)? dachte ich, es sei wichtig, den Rahmen abzustecken und zu diskutieren, was Alphabetisierung ist und was nicht. Unter anderem habe ich zwischen Alphabetisierung (Lese- und Schreibkompetenz) und Grundkompetenzen unterschieden, zu denen sicherlich auch die Alphabetisierung gehört, aber auch eine Reihe anderer Grundkompetenzen wie Rechnen und IKT. Das war auch ein zentrales Thema der Online-Diskussion.

EPALEs thematischer Koordinator Andrew McCoshan steuerte einen Blog-Beitrag bei (Literacy and the Upskilling Pathways initiative), in dem er sich auf die Alphabetisierung als zentrales Element der EU-Initiative Weiterbildungspfade konzentrierte. Er forderte uns auf, vier Schlüsselbereiche zu berücksichtigen, wenn wir über Alphabetisierung im Rahmen von Weiterbildungspfaden nachdenken:

  1. Bewertung der Kompetenzen
  2. Lernangebot
  3. Validierung
  4. Fortschritte

Der Stellenwert der Alphabetisierung innerhalb der Weiterbildungspfadinitiative war für die Teilnehmer der Online-Diskussion von großer Bedeutung. Die Teilnehmer lieferten eine Reihe nützlicher Beispiele dafür, wie die verschiedenen Länder sicherstellen, dass Erwachsene Zugang zu Alphabetisierungskursen haben. In diesem Bereich bedarf es einer gut durchdachten Politik, um zu gewährleisten, dass Erwachsene mit niedrigem Bildungsniveau oder Menschen, die sich im Berufsleben oder in anderen Lebensbereichen schwer tun, vom Lernen angeregt und bei ihren ersten Schritten unterstützt werden.

George Zarifis teilte seine Gedanken über die speziellen Hindernisse mit, denen südosteuropäische Länder gegenüberstehen, wenn sie versuchen, die Beteiligung von Erwachsenen am Lernen zu erhöhen. Er weist darauf hin, dass in den meisten südosteuropäischen Ländern ungünstige Bedingungen für eine höhere Beteiligung von Erwachsenen am Lernen herrschen. Die meisten von ihnen haben bei der Umsetzung politischer Maßnahmen zur Erhöhung der Zahl erwachsener Lernender – nicht unbedingt aus denselben Gründen – erhebliche Hindernisse zu überwinden. Diese Hindernisse treten in der Regel auf allen Ebenen der Erwachsenenbildung auf, aber die wichtigsten sind diejenigen in Alphabetisierungsprogrammen für Geringqualifizierte.

Sylvie Pinchart, Direktorin der belgischen Lire et Ecrire Communauté française, forderte uns auf, die Alphabetisierung unter einem breiteren Blickwinkel zu betrachten , als er oft in nationalen und europäischen Strategiepapieren zu finden ist. Sie wies darauf hin, dass Alphabetisierung am häufigsten als ein im Wesentlichen wirtschaftliches Problem behandelt wird, mit Berufswegplanung, die darauf abzielt, die „Wettbewerbsfähigkeit“ und die „Beschäftigungsfähigkeit“ zu verbessern. Sie erinnerte uns daran, dass eine zu funktionale Herangehensweise an die Alphabetisierung von Erwachsenen die Gefahr birgt, dass wir das Gesamtbild des Bedarfs übersehen:

Alphabetisierung ist daher kein Selbstzweck. Die Menschen werden sich immer um Alphabetisierung bemühen, vor allem, um wieder Zugang zu den sozialen Rechten zu erlangen, die ihnen vorenthalten werden, wenn sie Schwierigkeiten beim Schreiben haben. Sich für die Emanzipation und Beteiligung der Menschen und für einen sozialen Wandel für mehr Gleichberechtigung einzusetzen, bedeutet auch, die Rechte dieser Menschen zu kennen, ebenso wie die Rechts-, Gesundheits-, Gewerkschafts- und Sozialsysteme, die die Gesellschaft regieren und zu Ausgrenzung führen.

Sie fordert die politischen Entscheidungsträger auf, anzuerkennen, dass die Verbesserung der Alphabetisierung von Erwachsenen Zeit braucht und dass Zwang in solchen Maßnahmen fehl am Platze ist.

Außerdem fand vom 4. bis 7. September eine lebhafte Online-Diskussion statt, an der fast 50 Personen aus 21 Ländern teilnahmen. Die Diskussion führte zu mehr als 35.000 Diskussionsworten, in denen Schlüsselbegriffe rund um die Alphabetisierung und ihre organisatorischen Implikationen für die Erwachsenenbildung in Europa erörtert wurden. Wir haben uns zunächst mit dem Begriff der Alphabetisierung selbst beschäftigt, bevor wir uns im Zusammenhang mit dem Thema Weiterbildungspfade und den Hindernissen für eine wirksame Politik in diesem Bereich der Alphabetisierung zuwandten. Während der gesamten Diskussion haben wir uns mit Definitionen von Alphabetisierung sowie mit der Frage beschäftigt, wie diese erweitert werden können, damit die Anforderungen an Erwachsene durch das literarische Umfeld, in dem sie leben und arbeiten, besser beschrieben werden können. Wenn wir Alphabetisierung nicht nur als Lesen und Schreiben verstehen, sondern als die „Fähigkeit, aus den Texten, die uns umgeben, Bedeutungen zu extrahieren und auch unsere eigenen Texte zu erstellen“, dann können wir leichter verstehen, wozu Erwachsene eine Alphabetisierung benötigen, und können Lernmöglichkeiten entwickeln, die sie dabei unterstützen werden.

Alphabetisierung – Lesen und Schreiben – ist eindeutig ein zentrales Anliegen aller Erwachsenenbildner in Europa. Darüber hinaus war es mit der Einführung der Initiative Weiterbildungspfade noch nie so wichtig, zu gewährleisten, dass die Alphabetisierung von Erwachsenen für den Zugang zu weiterem Lernen gut genug ist. Die Ressourcen, die EPALE im September 2017 erfasst hat, sind ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für Kollegen, die mehr über dieses Gebiet erfahren und sich mit anderen, die sich auf ähnlichen Wegen befinden, austauschen möchten.


David Mallows besitzt 30 Jahre Erfahrung als Lehrer, Ausbilder, Manager und Forscher der Erwachsenenbildung. Er war früher Direktor der Forschungsabteilung am nationalen Forschungs- und Entwicklungszentrum für Erwachsenenbildung am UCL-Bildungsinstitut London und vertritt zurzeit als thematischer Koordinator für Lebenskompetenzen das European Basic Skills Network auf der EPALE-Plattform.

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