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Zusammenfassung EPALE-Schwerpunkt Juli: Thema „Schulabbruch“

Themenkoordinator Andrew McCoshan reflektiert über einige Erkenntnisse zum Thema „Schulabbrecher“, das im Juli bei EPALE im Mittelpunkt stand.

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Early School Leavers EPALE

Themenkoordinator Andrew McCoshan reflektiert über einige Erkenntnisse zum Thema „Schulabbrecher“, das im Juli bei EPALE im Mittelpunkt stand

Im Juli war „Schulabbruch“ das zentrale Thema auf der Plattform. 55 Millionen Menschen im Alter von 16 bis 65 Jahren haben in Europa Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Viele haben die Schule ohne Abschluss der Sekundarstufe verlassen und stehen später vor zahlreichen sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Wie Simon Broek aufzeigte, können diese Schwierigkeiten weitere nach sich ziehen, da ein vorzeitiger Schulabgang häufig eine längere Pause zwischen Schule und Arbeitsleben zur Folge hat, wodurch die Betroffenen weniger Chancen haben, arbeitsmarktrelevante Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln.

Die Plattform bot neue Erkenntnisse zu einigen grundlegenden Fragen der Erwachsenenbildung.

 

Welche Fähigkeiten fehlen Schulabbrechern?

Folgt man Aleksandar Bulaijić, fehlen Schulabbrechern nicht nur die Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie durch Abschluss der Sekundarstufe erworben hätten, sondern auch der „Blick nach vorn“. Sie sind beispielsweise unfähig zu erkennen, dass sie eine wirtschaftliche Zukunft haben (und konzentrieren sich daher auf das tägliche Überleben), oder übersehen die Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Lebensqualität. Folglich bedürfen diese Erwachsenen einer Stärkung in Bezug auf Eigenständigkeit, Selbstvertrauen und Motivation. Diese Faktoren sind „wahrscheinlich wesentlich, damit Erwachsene nach dem zweiten Bildungsweg ihre Chancen besser wahrnehmen“.

Gleichzeitig bedarf es eines viel differenzierteren Verständnisses der Fähigkeiten, die Schulabbrechern fehlen. David Mallows wies darauf hin, dass es sich bei Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben um funktionalen Analphabetismus handelt, der nicht immer offensichtlich ist: Mitunter erwecken die Betroffenen den Anschein, lesen und schreiben zu können, und finden Wege, ihre mangelnden Kenntnisse im Alltag zu verbergen. Außerdem ist funktionaler Analphabetismus keine absolute Gegebenheit, sondern von der Lebens- und Arbeitssituation des Einzelnen abhängig.

 

Welche Lösungen gibt es?

Die Beiträge auf der Plattform enthielten unterschiedlichste Ansätze zur Lösung der durch Schulabbruch bedingten Probleme. Simon Broek betonte, dass arbeitsplatzbezogenes Lernen dazu beitragen kann, Schüler von vornherein in der Schule zu halten. David Mallows machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, Lese- und Schreibkenntnisse nach ihrer grundlegenden Vermittlung im Auge zu behalten und kontinuierlich zu festigen, um ein ausreichend hohes Niveau sicherzustellen.

Die Reaktionen der politisch Verantwortlichen zum Thema „Schulabbruch“ sind kontextabhängig. Seit 2010 wurden in Serbien mithilfe von EU-Mitteln große Anstrengungen unternommen, den zweiten Bildungsweg so auszubauen, dass die Lernenden sowohl eine funktionale Grundbildung erhalten als auch auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Grundbildungskurse für Erwachsene wurden neu konzipiert, Lehrer ausgebildet und zusätzliche Kurse (z. B. „unternehmerisches Denken“) entwickelt. Außerdem wurden Schulen für die Erwachsenenbildung neu strukturiert.

Anderswo ist möglicherweise die von Paul Downes so genannte „aufsuchende Bildungsarbeit“ angezeigt, d. h. man muss weit über Broschüren und Informationskampagnen hinausgehen, um Erwachsene zu überzeugen, und Vertrauen durch Dialog stärken, um ihre Bedürfnisse zu verstehen. Denn oftmals haben Schulabbrecher die Schule aufgrund negativer Erfahrungen im Klassenzimmer vorzeitig verlassen. Die Bedeutung einer eher partnerschaftlichen Zusammenarbeit wird auch durch einige Erkenntnisse der letzten Jahrestagung des Europäischen Verbandes für Erwachsenenbildung bestätigt.

Wenn es einen roten Faden gibt, der sich durch alle Beiträge des Monats zieht, dann ist es die Notwendigkeit, auf Schulabbrecher persönlich und innerhalb des sozialen und gesellschaftlichen Umfelds, in dem sie leben und arbeiten, zuzugehen. Wie David Mallows betonte, muss für Menschen mit Problemen beim Lesen und Schreiben ermittelt werden, welchen Anforderungen sie diesbezüglich gewachsen sein müssen und wozu sie selbst gern in der Lage wären.


Andrew McCoshan hat über 30 Jahre im Bereich Bildung und Ausbildung gearbeitet. Er führt seit mehr als 15 Jahren Studien und Evaluierungen für die EU durch; davor war er Berater im Vereinigten Königreich. Zurzeit arbeitet er als unabhängiger Forscher und Berater, ist ECVET-Experte für das Vereinigte Königreich und Senior Research Associate am Educational Disadvantage Centre der Dublin City University in Irland.

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