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Einstieg in eine neue Welt – virtuelle und reale Eindrücke von der Online Educa 2018

Online-Lernen ist heute mehr als ödes Durchklicken digitaler Lernangebote. Das Web 4.0 bietet im Zusammenspiel mit externen Geräten immer neue Möglichkeiten, Lernarrangements zu gestalten. Die Online Educa in Berlin ist eine der größten internationalen Konferenzen für technologiegestützte Aus- und Weiterbildung. Die jüngste Veranstaltung fand im Dezember 2018 statt. In diesem Blog-Beitrag erfahren Sie, über welches Thema viel diskutiert wurde.

Lesedauer: circa 4 Minuten - verfasst von Christina Bliss und Angelika Gundermann

Online-Lernen ist heute mehr als ödes Durchklicken digitaler Lernangebote. Das Web 4.0 bietet im Zusammenspiel mit externen Geräten immer neue Möglichkeiten, Lernarrangements zu gestalten. Die Online Educa in Berlin ist eine der größten internationalen Konferenzen für technologiegestützte Aus- und Weiterbildung. Die jüngste Veranstaltung fand im Dezember 2018 statt. Im Messebereich präsentierten an drei Tagen führende internationale Hersteller, Dienstleister und Anbieter der E-Learning-Welt ihre Produkte und Angebote, Neuheiten und technischen Raffinessen. Im Konferenzbereich der Veranstaltung erzählten Experten von ihren Erfahrungen und teilten ihr Wissen in Workshops, Foren und Präsentationen mit dem Fachpublikum.  

Beim Vorbeischlendern an den Messeständen fällt auf: Das Thema künstliche Intelligenz ist gerade „in“. Auch mit AI (= Artifizielle Intelligenz) wird geworben, wobei der Begriff selbst von den präsentierenden Anbietern nicht trennscharf erklärt werden kann. Hier scheint noch viel Entwicklung und Forschung möglich und notwendig.

Viele Systeme, Produkte und Angebote ähneln einander. Es herrscht eine Schneller-höher-weiter-Stimmung: Alle Anbieter versuchen sich von den Nachbarständen abzuheben und präsentieren oft auch amüsant blumig ihr Produkt als das einzig Wahre. Dem Besucher wird auf diese Art ein breiter Eindruck der technischen Möglichkeiten auf dem E-Learning-Markt vermittelt und eine Idee gegeben, an was die Hersteller und Entwickler gerade arbeiten.

Besonders beeindruckend: Die sehr großformatigen digitalen Whiteboards, die mehrere Anbieter zeigten. Die Vernetzung dieser Geräte mit mobilen Endgeräten von Kursleitenden und Kursteilnehmenden bietet sehr flexiblen und beeindruckenden Medieneinsatz. Änderungen auf dem Whiteboard werden synchron auf die gekoppelten mobilen Endgeräte übertragen, andersherum können Umfragen, Stichworte oder Bilder vom Smartphone oder Laptop ohne Aufwand auf das Whiteboard gespiegelt und dort wiederum bearbeitet werden. Besonders praktisch ist auch die Nutzung des „Unendlichen Papiers“: Mit den Fingern oder passenden Stiften kann auf dem Board gemalt, geschrieben und markiert werden, ebenso Bilder oder Text eingefügt, Dinge miteinander verbunden, ausgeschnitten und verschoben werden. Sobald das Board gefüllt ist, kann man die Bildfläche flexibel in alle Richtungen verschieben und somit an beliebiger Stelle weitere Aspekte anfügen.

Frau mit VR-Brille

Erlebnis Virtual Reality

Gerne nimmt die Besucherin die Gelegenheit wahr, bei einem Anbieter persönlich per Datenbrille in eine virtuelle Lernwelt einzusteigen. Brille auf, die reale Welt verschwindet, Bild und Anweisungen verlangen volle Aufmerksamkeit. Ein Kanalrohr soll repariert werden: Das richtige Werkzeug richtig greifen, in das Abwassersystem hinuntersteigen, orientieren, die gebrochene Wasserleitung finden, die Bruchstelle nicht fixiert bekommen… Wenn dann das Wasser schnell bis zu den Schultern steigt, ist das eine Erfahrung in der virtuellen Welt, die man in der realen nicht machen möchte.

Bedeutung von Non-profit-Angeboten

Zwischen den vielen professionellen und hochdotierten Unternehmen brauchen sich aber auch die wenigen vertretenen non-profit-Organisationen nicht zu verstecken: Zum Beispiel im nationalen Kontext das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung, im europäischen Rahmen EPALE und weltweit agierend moodle. Der moodle-Gründer Martin Dougiamas spricht dazu auch in einer Spotlight-Präsentation: Für ihn sind open sources und open technologies die Voraussetzung für freie und umfassende Bildung. Er beruft sich auf die Global Goals for Sustainable Development der UN, die Quality Education als viertwichtigstes Ziel beschreiben. Für Dougiamas wird Qualität nur durch non-profit-Unterstützung gewährleistet, weil Geld in seinen Augen Bildung lenkt, beeinflusst und gegebenenfalls auch missbraucht. Sein Lebensmotto lautet „Empowering educators to improve our world“.  

Konferenz spiegelt Trends in der Branche

Videos, Storytelling, Artificial Intelligence sind die Stichworte, die Rednerinnen und Redner in vielen Beiträgen der Konferenz nennen. Damit bilden sie ab, was in der Branche grundsätzlich die Trends sind. Weiterhin beschäftigten sich Vorträge mit Gamification und der Verwendung der Daten aus beziehungsweise in Lernsystemen. Aber auch das Thema „Learning Design“ beschäftigte als „Klassiker“ die Beitragenden zur Konferenz.

Die leidige Sache mit dem Geld

Während für einige Aussteller Geld scheinbar keine große Rolle spielt – da im großen Maße vorhanden, hadern zum Beispiel Wissenschaftler sehr mit dem Thema „Finanzierung“. Universitätsprofessorin Sara de Freitas forscht seit einigen Jahren zum Thema „digitale Lernspiele für Erwachsene“. Sie konnte mit ihrem Team zwar den positiven Nutzen von Lernspielen auf den Lernprozess von Erwachsenen beweisen, bemängelt aber die finanziellen Grenzen der Bildungsszene. Lernszenarien in Form von professionellen Videospielen könnten in ihren Augen riskante reale Ausbildungssituationen ersetzen und so zum Beispiel Mitarbeitende im Katastrophenschutz sicher auf den Ernstfall vorbereiten. Da dem Bildungssektor aber nur ein Bruchteil der finanziellen Mittel eines Game-Entwicklungs-Unternehmen zu Verfügung steht, ist es nicht möglich den Seh- und Spielgewohnheiten eines spielerfahrenen Nutzers gerecht zu werden.

Fazit: Ein Besuch der Online Educa lohnt sich für alle, die einen Überblick über den aktuellen Stand in der Branche erhalten möchten. Messe und Konferenz ergänzen sich ideal und die Besucherin oder der Besucher fahren mit dem Gefühl nach Hause, vielfältige Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Für die eigenen Projekte bestätigte sich, dass der Einsatz von Videos, Storytelling und Open Educational Resources ein guter Weg ist, zeitgemäßes Online-Lernen zu gestalten.

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Christina Bliss und Angelika Gundermann arbeiten am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in der Abteilung Wissenstransfer als Instructional Designer im Projekt EULE - Entwicklung einer webbasierten Lernumgebung für Weiterbildung, Kompetenzerwerb und Professionalisierung von Lehrenden der Erwachsenenbildung beziehungsweise Redakteurin der Online-Plattform wb-web.de für Weiterbildner.

Bild: re:publica/Jan Michalko CC BY 2.0

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