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Blog

„Die Welt der Ruhe” verstehen

24/04/2018
von Edyta Długoń
Sprache: DE
Document available also in: PL FR

Übersetzung (Polnisch - Deutsch): EPALE Polen

 

"Die Welt der Ruhe", es ist die ganze Gemeinschaft von Gehörlosen und Schwerhörigen. Kann man diese Gemeinschaft in Zahlen angeben? Wie viele Personen mit Gehörverlust leben in unserer Gesellschaft? Es ist schwer, die Zahl anzugeben, weil es keine genauen Statistiken auf diesem Gebiet gibt. Schätzungsweise wird angegeben, dass in Polen etwa 900 Tausend, in Europa dagegen über 80 Millionen Menschen mit Gehörproblemen leben, und in der Welt hat etwa 10-15% der ganzen Bevölkerung Probleme mit Gehörsinn und es sind etwa 500 Millionen Menschen. Der Professor Bogdan Szczepankowski – Vorsitzender des Polnischen Rates der Gebärdensprache behauptet, dass die Zahl der Menschen mit Beschädigung des Gehörsinns in Polen ein paar Millionen beträgt. Es sollte noch hingewiesen werden, dass über 100 Menschen jährlich infolge von verschiedenen Unfällen das Gehör verlieren.[1]

Am Berührungspunkt von zwei Kulturen, d.h. der Kultur der Gehörlosen und der Hörenden, können verschiedene Probleme auftauchen. Die Menschen überlegen häufig, wie sie Gehörlose bezeichnen sollen. Na eben gehörlos oder taub? Man kann auch Meinungen hören, dass das Wort taub negative Auswirkung hat und es ist besser das Wort gehörlos anzuwenden. In der Wirklichkeit nennen sich Gehörlose selbst taub, indem sie damit spezifische Kultur schaffen. Die Kultur der tauben Menschen ist wesentlich in der Welt der Ruhe, sie bedeutet vor allem die ganze Gemeinschaft von Taubstummen, die sich mit der Gebärdensprache identifizieren und mit all diesem, was damit verbunden ist. Nicht ohne Bedeutung ist die Schreibweise des Wortes taub – das in Kleinbuchstaben geschriebene Wort informiert einfach über den Gehörzustand der genannten Person, Taubstumme (in Großbuchstaben geschrieben) ist Vertreter der Kultur von Taubstummen. Es ist wichtig, die Meinung der Vertreter dieser Gemeinschaft in diesem Sinne kennenzulernen, damit sie sagen, wie sie genannt werden möchten. Wir sollen auch aufpassen, wenn wir die Gehörlosen „Behinderte“ nennen. Obwohl diese Menschen unserer Meinung nach behindert sind, fühlen sich nicht alle behindert.

Wie ist der Schlüssel zum Verständnis „der Welt der Ruhe”? Es ist zweifellos die Gebärdensprache. Die natürliche Sprache der gehörlosen Polen ist die Polnische Gebärdensprache (PGS) und sie ist die erste Sprache, welche Gehörlose lernen. Sie unterscheidet sich von der polnischen Sprache, hat einen anderen Charakter, andere Grammatik und anderen Wortschatz. Man soll dessen bewusst sein, dass die Lehre der polnischen Sprache für die gehörlosen Polen der Lehre einer Fremdsprache gleich ist. Die Polnische Gebärdensprache besitzt eine eigene visuell-räumliche Grammatik, die Kommunikation ist dank dem Handzeichen, der Handform, der Bewegung und nichtmanuellen Signalen, die räumlich ablaufen, möglich. Missverständnisse zwischen der Kommunikation der Hörenden und der Gehörlosen ergeben sich dadurch, dass es nicht möglich ist, alles wortwörtlich ins Polnische zu übersetzen. Grammatik und Syntax fallen nicht mit der Wortfolge in der polnischen Audio-Sprache zusammen. Ein Beispiel kann hier die Tatsache sein, dass in der Polnischen Gebärdensprache an erster Stelle größere und wichtigere Sachen erscheinen. Eine enorme Rolle spielen in der Polnischen Gebärdensprache Mimik, Kopf- und Oberkörperbewegungen, Augenkontakt, Blickrichtung oder Pausen, die sowohl emotionale Zustände ausdrücken als auch eine grammatische Funktion haben. Sie ersetzen auch andere Elemente der verbalen Sprache, z.B. Tonfall, die im Polnischen mit Frage- und Ausrufezeichen ausgedrückt wird. Die Zeichen der Gebärdensprache entsprechen nicht nur einzelnen Worten oder Redewendungen, sondern hier treten auch daktylographische Zeichen (einzelne Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen usw.) auf. Häufig sind sie den Gegenständen oder den Erscheinungen ähnlich, welche sie bedeuten. Manche von ihnen sind rein zufälliger Natur. Um in der Gebärdensprache ein Wort  zu sagen, reicht nicht aus, nur ein bestimmtes Zeichen mit der Hand zu machen. Es kommen mehrere Elemente in Frage – Fingerform, Handform, Bewegungsrichtung und Mimik. Wenn sich ein Element ändert, so kann eine Gebärde mit völlig anderer Bedeutung entstehen. Diese Sprache, wie jede andere Sprache, hat ihre eigene Geschichte und einen großen Einfluss auf Wahrnehmung der Welt.

Im Gegensatz zu der Polnischen Gebärdensprache ist das System der Lautsprachbegleitenden Gebärde, ein künstliches Konstrukt, das geschaffen wurde, um den Kontakt zwischen den Hörenden und den Gehörlosen zu erleichtern und ihnen bei der Lehre der polnischen Sprache zu helfen. Das System der Lautsprachbegleitenden Gebärde verbindet Elemente der Polnischen Gebärdensprache mit der polnischen Sprache. Es basiert auf der Grammatik der polnischen Sprache, was bedeutet, dass der durch den Absender geäußerte Satz mit der Wortfolge in der polnischen Sprache grammatisch übereinstimmt, wobei Gebärden hinzugefügt werden. Der Absender spricht und gebraucht zugleich Gebärden. Darin wird die Mimik weggelassen, die sehr wichtig in der Polnischen Gebärdensprache ist. Diese Sprache hat viele Einschränkungen und sie ist keine Sprache der Gehörlosen.

PIndem man die Kommunikationsformen der Gehörlosen darstellt, muss man auch eine Lösung erwähnen, nämlich SignWriting. Im Jahr 1974 haben die Forscher der Gebärdensprache von der Universität in Kopenhagen Valerie Sutton gebeten, damit sie die Gebärdenschrift bearbeitet. Man wandte sich an Valerie Sutton, weil sie ähnliche Lösungen für die Tänzer einführte, indem sie ein Notationssystem entwickelte (das sog. DanceWriting). Anfangs benutzten nur dänische Forscher SignWriting, aber in den nächsten Jahrzehnten fand es wieder Interesse, hauptsächlich in den Vereinigten Staaten. In Polen ist Signwriting dank der Stiftung Viribus Unitis in Schulungs- und Erziehungszentren für Gehörlose populär. Auf Initiative der Stiftung wurden ein Lehrprogramm dieser Schrift und ein Lehrbuch und ein Übungsbuch bearbeitet (mehr Infos über SignWriting und Maßnahmen in diesem Bereich kann man auf der Webseite Virbus Unitis lesen) [2]).

Um die Bedürfnisse der Gehörlosen in Polen besser zu verstehen, ist am 1. April 2012 das Gesetz über die Gebärdensprache und andere Kommunikationsmittel in Kraft getreten. Laut Gesetz haben Schwerhörige und Gehörlose Anspruch auf Unterstützung bei der Kommunikation, u.a. dadurch, dass ihnen ein Gebärdensprachdolmetscher in öffentlichen Einrichtungen, Notfalldiensten und Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung gestellt wird. Dank dieser Initiative wurden mehr Möglichkeiten geschaffen, um Schwerhörige und Gehörlose zu unterstützen. Andererseits erwies sich, dass man noch viele Maßnahmen ergreifen soll, um den Gehörlosen bessere Funktionierung in der Welt der Hörenden zu ermöglichen. Deshalb kann für Ausbilder und auch für andere Personen, die an diesen Maßnahmen interessiert sind, die Lehre der Gebärdensprache eine Herausforderung sein. Es stellte sich heraus, dass es schon viele Einrichtungen gibt, die Schulungen der Gebärdensprache auf verschiedenen Ebenen anbieten: z.B. für Anfänger und Fortgeschrittene (man kann Qualifikationen eines Gebärdensprachdolmetschers erwerben). Es gibt auch methodische Schulungen (man kann Qualifikationen eines Ausbilders der Gebärdensprache erwerben).

Die Überlegungen der Personen, die mit der Lehre der Gebärdensprache begonnen haben, zeigen, dass die Lehre vorteilhaft ist. Die Kenntnisse der Gebärdensprache erlauben vor allem Gehörlose und ihre Umwelt besser kennenzulernen. Sie erlauben auch, die Welt aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen, indem wir auf neue kognitive und sich entwickelnde Gebiete offen sind. Und Sie, welche Erfahrungen haben Sie, wenn es um Wahrnehmung „der Welt der Ruhe“ geht? Bitte teilen Sie Ihre Erfahrungen mit.

 

 

Edyta Długoń – Experte im Bereich der Planung, Durchführung und Bewertung von Bildungsprojekten für Erwachsene, Ausbilder.

 

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1 - 3 von 3 anzeigen
  • Bild des Benutzers Edyta Długoń
    Dziękuję bardzo Pani Ewie i Jolancie za podzielenie się swoimi refleksjami odnośnie komunikacji osób słyszących z niesłyszącymi. Zarówno inicjatywa "Miganie Dobranocki" jak i działalność, którą podejmuje organizacja "MIGiem" (np. realizacja filmu "Dowód" z udziałem osób niesłyszących) są świetnymi przykładami na łamanie barier między światem ciszy i słyszących. Dosyć często spotykam się z opinią, że jest stałe zapotrzebowanie na animowanie tego typu działań w różnych środowiskach (np. w przedszkolach, szkołach, placówkach kulturalnych).
  • Bild des Benutzers Ewa Nowak-Koprowicz

    Tekst Pani Edyty Długoń przywołał dwa skojarzenia projektowe, którymi chciałabym się podzielić. Pierwsze dotyczy projektu "Do pracy pracy bez słów", który przed laty, w końcowej fazie realizacji miałam przyjemność wspierać, a drugie wyjątkowego miejsca w Rzeszowie, Muzeum Dobranocek ze zbiorów Wojciecha Jamy, które realizuje cykle twórczych spotkań oraz warsztatów integracyjnych ze szczególnym uwzględnieniem potrzeb osób głuchych oraz słabosłyszących.

    W ramach projektu "Do pracy bez słów" (2006-2007) konsolidacja doświadczenia WSIiZ w Rzeszowie w zakresie realizacji projektów współfinansowanych ze środków UE z potencjałem i potrzebami Polskiego Związku Głuchych umożliwiła realizację inicjatywy obejmującej swoim zasięgiem 10 województw. Ówczesne wsparcie miało charakter innowacyjny, a po minipakiet multimedialny (jeden z produktów projektu), który m.in. zawierał wizualny słownik pt. Język migowy na rynku pracy do koordynatorki projektu pani Iwony Serafin zwracano się również jeszcze przez wiele miesięcy (a nawet lat) po zakończeniu projektu.

    Z kolei działania Muzeum Dobranocek w Rzeszowie to m.in. projekty w ramach programu "Kultura Dostępna" i takie wydarzenia jak chociażby warsztaty animacji: "Migane dobranocki", na których pod okiem reżyser Joanny Jasińskiej-Koronkiewicz niesłyszący uczestnicy wspólnie ze słyszącymi mieli możliwość stowrzenia swojego własnego filmu animowanego przy udziale tłumacza języka migowego. Zainteresowanych działaniami Muzeum zapraszam na portal Muzeum: http://www.muzeumdobranocek.com.pl/p/?ml=3&lang=pl&page=7&id=506, profil na FB: https://www.facebook.com/MuzeumDobranocek i do kontaktu z bardzo przyjaźnie nastawionym Zespołem Muzeum pod kierownictwem pani Katarzyny Lubas. Warto!

  • Bild des Benutzers Jolanta WOLAGIEWICZ

    Bardzo istotny temat komunikacji słyszących z osobami niesłyszącymi i niedosłyszącymi.

    Od wielu lat dostrzegam zachodzące zmiany. Kiedy pierwszy raz, na początku lat 90tych ubiegłego wieku, uczestniczyłam w dużej konferencji TESOL (międzynarodowej organizacji nauczycieli języka angielskiego) - w Atlancie, USA, byłam zaskoczona widokiem tłumacza na język migowy na dużym ekranie podczas sesji plenarnej - u nas w tm czasie osoby głuche prawie nie uczestniczyły w życiu publicznym, a cóż dopiero w eventach tego rodzaju i rozmiaru. Przez lata przyzwycziłam się do tego widoku i do obcowania z ludźmi o różnej niepełosprawności na sporkaniach międzynarodowych, chociaż w kraju ciągle problemt ten wydawał się nie występować.

    Ostatnie lata przyniosły zdecydowaną zmianę. Z radością też obserwuję działalność aktywizującą i edukacyjną takich prganizacji pozarządowych, jak choćby białostockie MIGiem.

    Zapraszam na profil fb tego stowarzyszenia, warto zobaczyć ich inicjatywy i działania edukacyjne na rzecz środowiska osób niesłyszących w Białymstoku

    https://web.facebook.com/pg/Stowarzyszenie-Pomocy-Niesłyszącym-MIG-iem-214117925287612/posts/