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Bedingungen und Prozesse der Schulung am Arbeitsplatz, Folge 6: Die Rolle der Wiederholung bei der Bildung von Wissen und Kompetenzen am Arbeitsplatz

02/11/2017
von patrick Mayen
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

Übersetzung : EPALE France (Französicsh  - Deutsch)

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Die Wiederholung – eine Bedingung des Aufbaus und der Entwicklung von Kompetenzen

In dieser Serie haben wir uns bereits mit der Rolle des Trainings zur Pflege und Erhaltung von Fähigkeiten befasst. Darauf werden wir an dieser Stelle im Hinblick auf das Einprägen und die Entstehung von Routinen, die auch als Automatismen, Gewohnheiten oder Fertigkeiten bezeichnet werden, zurückkommen.

Zu den nützlichen Grundprinzipien aller Schulungsmodalitäten zählt die Tatsache, dass das Ziel der Schulung der Aufbau von Angewohnheiten, oder, im Kontext einer Veränderung, die Umwandlung oder Abschaffung von alten Gewohnheiten zugunsten des Aufbaus von neuen ist. In diesem Sinne stehen Gewohnheiten für Routine, Fertigkeiten oder ganz einfach Kompetenzen. Fachleute sind kompetent, weil sie bei Gedankengängen, Wahrnehmung, Verständnis und Handlung Gewohnheiten aufgebaut haben, gleichzeitig aber auch ihre Handlungen steuern, rasch abrufen und darauf zählen können.

Das Bedürfnis, Handlungen, Überlegungen und Beobachtungen einzuüben, um Routinen aufzubauen, führt zu einer Untersuchung der Arbeitsumgebungen, der Aufgaben und der Arbeitsbedingungen, auch aus Sicht der Möglichkeiten, etwas einzuüben und zu trainieren. Dies gilt insbesondere für Anfänger, für Personen, die eine neue Stelle in einer anderen Umgebung antreten, obgleich sie bereits fachliche Kompetenzen besitzen. Und es gilt auch in allen Fällen, in denen ein Wandel der gesamten oder eines Teils der Arbeit stattfindet: Neue Maschine, neues Instrument, neuer Kundentyp, Patient, Schüler, neue Organisationsstruktur, neue Arbeitspartner, ...

Zeit und Bedingungen für die Einübung

Es wäre ein Irrtum davon auszugehen, dass der Gedanke, demzufolge jeder Zeit dafür braucht, eine Eingewöhnung und sicheres Handeln bei bestimmten Aufgaben oder in bestimmten Situationen zu entwickeln, in der Arbeits- oder Ausbildungswelt von allen geteilt wird. Dies umso mehr, wenn es darum geht, die entsprechenden Bedingungen zu schaffen. Dabei wird Sportlern oder Musikern durchaus zugestanden, dass sie üben und trainieren müssen, um zu lernen und kompetent zu werden – wie es scheint, wird diesem Aspekt in vielen Arbeitssituationen aber nicht die gleiche Bedeutung zugemessen.

Nun könnte man die vielen Fälle nennen, in denen eine Person aus der Weiterbildung zurückkommt, ohne dass ihr die Mittel zur schnellstmöglichen Aktivierung und Mobilisierung des Gelernten gegeben wurden. Beispielsweise wird die neue Software, für die man die Schulung gemacht hat, erst einen Monat später verfügbar, wenn das Gelernte verständlicherweise bereits wieder vergessen wurde. Oder man geht von der Annahme aus, dass eine gerade geschulte Person bereits die Handlungsroutinen aufbauen konnte und erwartet von ihr, dass sie ihre Arbeit umgehend mit der gleichen Geschwindigkeit und gemäß den gleichen Qualitätskriterien erledigt. Während der Schulung ist die Handlung jedoch im Voraus aufgebaut. Danach muss sie den spezifischen Bedingungen einer Werkstatt oder einer Abteilung angepasst werden, der die Handlung ausführende muss seinen Rhythmus und seine Arbeitsgeschwindigkeit finden, in die Arbeit hineinwachsen.

Einüben bedeutet in der Ausbildung also nicht nur, die gleiche Handlungsweise zu wiederholen. Vielmehr geht es darum, die zu verfeinern, dem Kontext und den physischen und physischen Besonderheiten einer Person anzupassen, sie sich zu eigen zu machen.

Berufsanfänger wie Lehrlinge, Schüler, Studenten oder Praktikanten in dualer Ausbildung, die im Rahmen ihrer Ausbildung nur selten die Gelegenheit hatten, die Handlung einzuüben, müssen üben, trainieren können. In einigen Fällen muss man jedoch feststellen, dass die Ausbildung das Einüben und Trainieren vernachlässigt und die Übung in das Berufsumfeld überträgt, das dies aber aus Gründen der Produktivität, der Risiken, der Verfügbarkeit von Personen und Material ebenfalls nicht zulässt und von den Berufsanfängern erwartet, dass sie bereits... Übung haben.

Die Prozesse des Aufbaus und der Entwicklung der Kapazitäten reichen über die eigentliche Ausbildung hinaus. Sie setzen sich fort, gehen in der Ausführung der Handlung, in der Einübung und im Training unter realen Arbeitsbedingungen, oder, wenn dies ohne Risiko nicht möglich ist, im Rahmen einer Simulation, weiter. In jedem Fall ist die Zeit ein entscheidender Faktor, denn es braucht Zeit, um lernen und etwas einüben zu können.

Einüben ohne Wiederholung

Einüben ohne Wiederholung ist eine Formulierung des Psychologen Vygotski. Sie weist auf zwei wesentliche Elemente hin: zum einen wiederholt sich keine Aufgabe, keine Situation je genau gleich. Zum anderen wiederholt sich auch keine von einer Person ausgeführte Handlung je auf die genau gleiche Art und Weise. Von kompetenten Fachleuten wird erwartet, dass sie bei der Handlungsausführung Schwankungen der Aufgaben und der Situationen berücksichtigen. Eine Handlung ist selbst bei repetitiven Prozessen mit Schwankungen verbunden, mit denen Fachleute umgehen können müssen. Die meisten Arbeitssituationen bergen viele und sehr unterschiedliche Schwankungen.

Einüben bedeutet folglich, die gleiche Handlung durchzuführen, ohne sie zu wiederholen bzw. sie den Schwankungen anzupassen. In welchem Umfang machen es Arbeitsbedingungen oder Ausbildungsbedingungen möglich, etwas zu üben, ohne es zu wiederholen, und dadurch die Schwankungen der Bestandteile einer Arbeitssituation zu erleben? In dieser Hinsicht herrscht ein starkes Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Arbeitssituationen? Berufsanfänger oder erfahrene Fachleute, die mit einer Arbeitssituation mit geringen Schwankungen konfrontiert sind, entwickeln ein deutlich geringeres Handlungspotenzial als jene, die in einer Umgebung mit mehr Vielfalt und stärkeren Schwankungen lernen.

Die Risiken der Wiederholung

In Fällen der geringen Vielfalt ergibt sich aus dem Einüben ein geringerer und einschränkender Lerneffekt, da die entstehenden Routinen zwar sehr effizient sein können, aber nur auf eine kleine Zahl von Aufgaben und Situationen anwendbar sind. Außerhalb dieser stark im Kontext verhafteten Aufgaben und Situationen muss die Ausbildung neu aufgegriffen werden. Der Arbeitspsychologe Jacques Leplat[1] verwendet hier den Begriff der Kompetenz-Sklerose.


[1] Jacques Leplat Regards sur l'activité en situation de travail. Contribution à la psychologie ergonomique
Paris, PUF, 1997.

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