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CHEER: Qualität im Social Entrepreneurship - Validierung von Kompetenzen für die Selbständigkeit im Kulturbereich

02/05/2019
von Ann-Kristin Iwersen
Sprache: DE
Document available also in: EN FR

Lesedauer circa 6 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Das Projekt CHEER

Im Fokus des Projektes CHEER steht die Qualifizierung von angehenden Gründern von sozialwirtschaftlichen Betrieben im Bereich kulturelles Erbe. Dabei ist kulturelles Erbe bewusst weitgefasst: Es kann sich sowohl um den Schutz und die Erhaltung materieller Kulturgüter handeln als auch um die Pflege von immateriellen Kulturgütern, Traditionen und Bräuchen. Der Fokus liegt dabei auf der Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen, die an die Gründung eines sozialwirtschaftlichen Betriebs im Bereich des kulturellen Erbes herangeführt werden sollen.

Konkret geht es darum, in einem ersten Schritt die Kompetenzen von Langzeitarbeitslosen zu erheben, um Menschen zu identifizieren, die die Motivation und die Kompetenzen zur Gründung eines Unternehmens mitbringen. Im Projekt werden dann ein Trainingsprogramm sowie eine Online-Lernplattform entwickelt. Mithilfe dieser Materialien und Workshops sollen die Teilnehmer auf ihre Gründung vorbereitet und in die Lage versetzt werden, ihre Geschäftsidee adäquat zu formulieren sowie deren Umsetzung sinnvoll anzugehen. Zudem entsteht ein Leitfaden, der sich an Erwachsenenbildner richtet und diese dabei unterstützt, Arbeitslosen auf deren Weg zur Gründung eines sozialen Unternehmens mit Fokus im Bereich kulturelles Erbe zu begleiten. Das Projekt CHEER begann im September 2018 und läuft noch bis August 2020.

In diesem Blogbeitrag möchten wir den ersten Baustein unseres Projektes vorstellen: das methodische Vorgehen bei der Identifikation geeigneter Kandidaten für die Gründung eines sozialwirtschaftlichen Betriebs. Dabei handelt es sich um ein komplexes, hochindividuelles Kompetenzerfassungsmodell, das validieren soll, ob der Kandidat oder die Kandidatin mit hoher Wahrscheinlichkeit mit seiner Gründung erfolgreich sein wird.

Mehr als eine gute Idee: Voraussetzungen für erfolgreiche Social Entrepreuneurs

Freilich: Engagement und Idee sind wichtige Voraussetzungen für die Gründung eines solchen Social Business. Ein erfolgreicher Gründer muss nicht nur die Motivation haben, ein Unternehmen zu gründen, das primär soziale Zwecke verfolgt und nicht nach Gewinnmaximierung strebt, er muss auch eine Leidenschaft für die Pflege kulturellen Erbes mitbringen.

Doch mit diesen Grundvoraussetzungen ist es noch keineswegs getan: Die Business-Idee muss auch innovativ und tragfähig sein (Qualität der Geschäftsidee), es muss einen Markt geben, der Kandidat oder die Kandidatin muss psychisch, physisch und intellektuell in der Lage sein, die entsprechende Geschäftsidee umzusetzen. Nicht jeder Mensch ist – auch wenn er großartige Ideen hat – für die Selbständigkeit geschaffen.

Mit anderen Worten: Wer sich erfolgreich selbständig machen und damit etwas für Kultur und Gesellschaft tun möchte, braucht mehr als nur einen guten Willen. Darum hat CHEER ein Kompetenzerfassungsmodell entwickelt, das validieren soll, ob ein Langzeitarbeitsloser

(a) die für eine Selbständigkeit erforderlichen personalen und sozialen Kompetenzen besitzt,

(b) die Motivation hat, einen sozialwirtschaftlichen Betrieb im Bereich kulturelles Erbe zu implementieren – von der ersten Idee bis zum späteren “Alltagsgeschäft”,

(c) über elementares betriebswirtschaftliches Verständnis verfügt,

(d) entsprechende Kompetenzen in dem angedachten Bereich des kulturellen Erbes besitzt,

(e) eine tragfähige Geschäftsidee (Qualität der Idee und Marktpotential) hat oder entwickeln kann.

Natürlich müssen Menschen nicht alle diese Punkte bereits vollumfänglich erfüllen, um potentiell erfolgreiche Gründer zu sein. Die Erfahrung vieler Existenzgründungsberater aus allen Branchen zeigt jedoch: Es gibt grundlegende Erfolgsindikatoren – und auch konkrete Inhibitoren für den Erfolg. Wer rechtzeitig im Voraus erkennt, dass er nicht für die Selbständigkeit geeignet ist, erspart sich nicht nur die Enttäuschung eines Misserfolgs, sondern unter Umständen auch finanzielle Verluste.

Um also Gründungen in diesem Bereich optimal zu unterstützen, braucht es auch ein zuverlässiges Kompetenzerfassungsmodell. Nur so mit einer solchen Qualitätssicherung können Erfolgspotentiale eingeschätzt und validiert werden – und nur so entfaltet die Idee des Social Entrepreneurships ihre Wirksamkeit bei der Förderung sozial Benachteiligter.

Die CHEERLEADER-Methode

Die Kompetenzerfassung in unserem Projekt – wir nennen sie CHEERLEADER-Methode – dient zum einen dazu, Kompetenzen von Arbeitslosen zu ermitteln und zu erfassen, die sich für die Gründung eines sozialwirtschaftlichen Unternehmens interessieren. Zum anderen dient die Methodik auch dazu, einen Beitrag zur Selbstwahrnehmung zu leisten und Arbeitslose zu motivieren, ihre Stärken zu nutzen.

Im Projekt CHEER nutzen wir als Grundlage für die Validierung der Kompetenzen ein detailliertes, teilstrukturiertes Interview. Darin erhebt der Interviewführer Kenntnisse, Fähigkeiten, Interessen und Erfahrungen potentieller Gründer in einem Formular. Das Interview basiert auf einem Interviewraster mit offenen Fragen, das es den Begünstigten ermöglicht, ihre Geschichten zu erzählen und ihre Kompetenzen in einem non-formalen Umfeld zu offenbaren.

Neben der Erkundung und Erfassung spezifischer Kompetenzen und Erfahrungen soll auch die Affinität und Motivation für Entrepreneurship in einem Segment des kulturellen Erbes mit erhoben werden.

Diese Form der Erhebung erfordert indes ein hohes Maß an Sensibilität seitens des Interviewführers. Er darf den Interviewpartner nicht einschränken – beispielsweise durch implizite Wertungen oder durch Vorwegnahme von Schlussfolgerungen –, muss ihn aber trotzdem durch das Interview leiten, um sicherzustellen, dass keine wichtigen Fragen offenbleiben. Teil des Fragebogens ist daher auch eine Anleitung zur Nutzung und Gesprächsführung für Interviewführer.

Am Ende steht für jeden Teilnehmer an der Kompetenzerfassung ein individuelles Kompetenzprofil, das in Form von Spinnennetzen visualisiert wird. Dieses Profil zeigt seine besonderen Stärken, aber auch, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.

Die Einschätzung, ob die Affinität für das Unternehmertum und die entsprechenden Kompetenzen in einem Teilbereich des kulturellen Erbes für eine erfolgreiche Gründung ausreicht, ist freilich immer eine Ermessensfrage. Im Projekt gehen wir jedoch davon aus, dass es bestimmte Elemente gibt, die essenziell für eine erfolgreiche Gründung sind – beispielsweise ein gutes Zahlenverständnis, Erfahrung in dem konkreten Bereich, in dem die Gründung erfolgen soll, oder psychische Resilienz. Wir glauben, dass es im Sinne des Teilnehmers ist, wenn er im Anschluss an die Kompetenzerfassung feststellt, das seine Stärken in anderen Bereichen als dem Unternehmertum liegen. Dies verhindert das Erlebnis des Scheiterns und führt zu Gründungen höherer Qualität und größeren Erfolgspotentials.

Kandidaten, die jedoch Interesse an der Gründung eines sozialen Unternehmens haben und entsprechende Basiskompetenzen mitbringen, nehmen anschließend an den Qualifizierungen im Rahmen des CHEER-Projektes teil. Diese dienen dann unter anderem dazu, an den individuellen Schwachstellen nachzubessern und so rundum kompetent in die Gründung starten zu können.

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Über die Autorin: Dr. Ann-Kristin Iwersen studierte Philosophie, Ethnologie und Germanistik und arbeitet als selbständige Texterin und Autorin. Sie ist Gründungsmitglied des CHEER-Projektträgers ZiB e.V. und ist im Projekt CHEER für redaktionelle Aufgaben, Social Media sowie die Entwicklung von Lernressourcen und Trainingsprogrammen zuständig.


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