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Blog

Katzenvideos, Verschwörungstheorien und die Weisheit des Einzelnen

29/05/2019
von Simon BROEK
Sprache: DE
Document available also in: EN CS PL HU FR ET

Lesedauer circa 5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!

Originalsprache: Englisch


/de/file/wisdom-crowdWisdom of the crowd

Wisdom of the crowd

In diesem Blogbeitrag befasst sich Simon Broek damit, wie man den Einfluss sozialer Medien und der Weisheit der Masse einschätzen muss. Ihm zufolge müssen alle, die politische Bidung unterrichten, die Weisheit der Masse und die Weiheit des Einzelnen gleichermaßen kritisch hinterfragen.

Sind die meistverkauften Produkte in Geschäften wirklich besser als Produkte, die seltener gekauft werden? Sind Artikel, die in den Sozialen Medien am häufigsten gelesen werden, wirklich die besten?

Die Antwort auf diese Fragen hängt natürlich davon ab, wie man "besser" definiert. Wenn damit "wertvoller, glaubwürdiger, nachhaltiger" gemeint ist, lautet die Antwort natürlich "nein". Dennoch wird den Entscheidungen großer Verbrauchergruppen viel Wert beigemessen. Denn wenn viele Menschen etwas tun, muss es doch gut sein. Anders ausgedrückt: Die Fähigkeit, kritisch zu denken, wird ausgelagert, es wird das gemacht, was viele andere auch gemacht haben und was man als "Weisheit der Masse" bezeichnet.

Generall ist das nichts Schlechtes. Es spart Zeit und ist oft auch sinnvoll, sich einer größeren Masse anzuschließen.

Aber wie weise ist die Masse eigentlich?

Problematisch wird dieses Verhalten dann, wenn die Weisheit der Masse auf denselben unreflektierten Urteilen basiert, wie unsere eigenen Einschätzungen in diesem Moment. Und wenn diese Masse von etwas gelenkt wird, das nicht nach Weisheit und Wahrheit, sondern nach anderen Dingen strebt (wie etwa Profit). Um wieder auf die beiden anfangs gestellten Fragen zurückzukommen:

  • Zu der Frage nach den beliebtesten Produkten: Vielleicht kauft die Masse die gleichen Produkte, weil diese leichter verfügbar oder günstiger sind als andere vergleichbare Produkte. Man könnte sich fragen, ob der Preis niedriger ist, weil der Hersteller schlauer ist und effizienter arbeitet oder weil etwa seine Angestellten oder die Umwelt den Preis dafür zahlen mussten.
  • Zur Frage der Beliebtheit von Inhalten in den sozialen Medien: Bei solchen Inhalten kommt es häufig nicht auf die Qualität, den Wahrheitsgehalt oder die Gültigkeit an, sondern einzig und allein darauf, ob sie Web-Traffic generieren. Denn davon profitieren die Werbetreibenden und die Betreiber bestimmter Webseiten, da sich Werbung und Produkte auf diese Weise leichter verkaufen lassen. Leute lieben alles, was lustig und niedlich ist (z.B. Katzenvideos), was mit Prominenten zu tun hat oder kontrovers ist (so z.B. Verschwörungstheorien).

Wenn fehlende Weisheit Verschwörungen begünstigt

Sich auf die Meinung der Masse zu verlassen, wird dann problematisch, wenn man basierend auf dieser Inhalten Wert beimisst und sie für wahr hält: Wenn viele Menschen Artikel üder Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem 11. September oder über die Leugnung des Holocausts lesen, muss doch etwas Wahres dran sein, oder? Natürlich nicht, aber Verschwörungstheorien können so schnell in Diskussionen den Status verfestigter Argumente erreichen: Dafür gibt es im Internet bereits zahlreiche Beweise.

Jede unserer Entscheidungen hat Auswirkungen auf unser Leben und auch auf die Entscheidungen anderer Menschen. Klicken wir beispielsweise auf einen Beitrag im Internet oder teilen ihn, wird er auch von anderen verstärkt wahrgenommen. Somit gewinnen auch die in diesem Beitrag geäußerten Positionen an Bedeutung und sogar absurde Artikel können dazu beitragen, dass sich die öffentliche Meinung ändert.

Wir können nicht sämtliche Auswirkungen unseres Handelns vorhersehen und wir müssen manchmal bei Entscheidungen "Abkürzungen nehmen", damit unser Leben leichter wird. Der Masse zu folgen, ist dabei eine Möglichkeit. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass wir genügend Abstand haben und kritisch hinterfragen, warum die Masse diese Entscheidung getroffen haben könnte.

Betrifft dieser Blogbeitrag auch die EPALE-Community?

EPALE ist eine Website. Auch hier werden Statistiken erfasst, welche Artikel und Beiträge am meisten gelesen werden und am beliebtesten sind. Dadurch erfährt EPALE, welche Art von Inhalten die Leser*innen am meisten ansprechen. Als Community müssen wir allerdings die Vielfalt der geäußerten Meinungen und Einstellungen anerkennen. Auch wenn manche Blogbeiträge keine große Masse mobilisieren, können sie von Teilen der Community als wertvoll, glaubwürdig und nachhaltig erachtet werden. Um sich über solche Beiträge ein Bild zu machen, muss EPALE über reine Statistiken hinausgehen und genau hinsehen, warum für Leser*innen bestimmte Blogbeiträge und Artikel interessant sein könnten oder nicht.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass EPALE Leser*innen nicht nur lesen und liken, sondern durch Kommentare ihre eigene Meinung miteinbringen.

Ich hoffe, dieser Blog hat Sie zum Nachdenken angeregt. Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion darüber: Im persönlichen Gespräch verlassen wir uns nämlich eher auf die Weisheit des Einzelnen.


Simon Broek war an mehreren europäischen Forschungsprogrammen im Bereich der Bildung, des Arbeitsmarkts und des Versicherungswesens tätig.  Er war auch als Berater für die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und europäische Agenturen zu Fragen der Bildungspolitik, des lebenslangen Lernens und des Arbeitsmarktes tätig; außerdem ist er geschäftsführender Gesellschafter beim Ockham Institute of Policy Support.

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1 - 6 von 6 anzeigen
  • Bild des Benutzers Polona Frumen
    Some very good points in your blog, but... I clicked on your blog because of the title. It made me curious what it is about. The fact is that there is a lot of content online so you click on things that make you curious - cats, conspiracies or learning. Maybe it would be worth spending some time learning how to write content for online users. I can't say how web-friendly are contributors to this website because I'm struggling with all the languages used and the speed of the website. However I keep coming back because I see a lot of potential in such a platform.
  • Bild des Benutzers Sławomir Łais
    Interesting point of view. 
    IMHO there some levels of crowd-communities and the reliability can be different on those levels. Something like:
    • just the crowd (like opinions in online store)
    • crowd/community with real identities (like Linked In where you use your real name and somehow take responsibility for your words)
    • small communities where people know each other more or less (like one university teachers community)
    • learning groups - where people know echa other even if they come from different organizations or projects
    I agree that commenting is great weapon in fight for valuable crowd information.
  • Bild des Benutzers Simon BROEK
    That is a useful distinction, but I have the feeling even here in the second bullet, real names do not prevent people to think carefully about the implications of what they write.
  • Bild des Benutzers Cath Harcula
    I agree with your point Simon that the range of blog posts on the EPALE site can be considered valuable, trustworthy and sustainable for part of the community. I'm not sure that the number of likes and comments is indicative of the interest that the posts create.  I wonder if the fact that its possible to access the content on the EPALE site without logging in, but not to like or comment, has an impact on the amount of responses. Also the time is takes to log on to the site is a discouragement.  I know I often read without logging in to save time.
  • Bild des Benutzers Polona Frumen
    I agree, this website is very slow. I often lose patience and I don't bother logging in. 
  • Bild des Benutzers Simon BROEK
    Point taken: there is a need to increase the speed on the EPALE platform.