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Brücken zwischen formaler und nicht-formaler Ausbildung schlagen: Professionalisierung und Kompetenzförderung in der Erwachsenenbildung

29/07/2019
von Gina Ebner
Sprache: DE
Document available also in: EN HR EL HU ET FR

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!

Originalsprache: Englisch


/de/file/formal-and-non-formal-education-divideFormal and non-formal education divide

Formal and non-formal education divide

Professorin Regina Egetenmeyer spricht über die Kluft, die in der Erwachsenenbildung Absolvent*innen mit formaler Ausbildung von Erwachsenenbildner*innen ohne formale Ausbildung trennt. Was verursacht diese Kluft und wie kann sie überbrückt werden? Finden Sie es hier heraus!

Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Anbietern von Erwachsenenbildung

Der Bereich der Erwachsenenbildung erlebt aktuell einen demografischen Wandel hinsichtlich seiner Beschäftigten. Viele Kolleg*innen stehen kurz vor der Rente und neue, jüngere Kolleg*innen beginnen mit ihrer Arbeit in der Erwachsenenbildung. In der süddeutschen Stadt Würzburg habe ich Folgendes beobachtet: Wir bilden derzeit mehr Studierende im Bereich Erwachsenenbildung aus als der Arbeitsmarkt benötigt. Unsere Absolvent*innen arbeiten in Erwachsenenbildungszentren und Fortbildungseinrichtungen, Berufsbildungszentren, der Universitätsklinik, Personalentwicklungsabteilungen in Unternehmen usw. Dies sind die Früchte der engen Zusammenarbeit zwischen unserem Fachbereich für Erwachsenenbildung und Weiterbildung und der Praxis in den letzten Jahren. Unsere Studierenden besuchen verschiedene Bildungszentren, wir laden Praktiker*innen zu Gastvorträgen ein, unsere Studierenden absolvieren Praktika in lokalen Erwachsenenbildungszentren, wir arbeiten in Forschungsprojekten zusammen (bei denen manchmal auch Master-Studierende in Projekte eingebunden werden) und haben auch eine Mailing-Liste mit entsprechenden Stellenanzeigen.

Die Kluft

Beide Seiten freuen sich über den Einblick in den jeweils anderen Bereich. Wir beobachten allerdings auch eine große Kluft zwischen der Professionalisierung der Hochschulen und dem Kompetenzausbau in der Praxis. Hochschulabsolventen im Bereich der (Erwachsenen)Bildung beschäftigen sich mit Theorien, Strategien, Geschichte und (empirischer) Forschung im Bereich Bildung, Pädagogik und Didaktik. Andererseits bleiben die Studiengänge in der (Erwachsenen)Bildung üblicherweise auf einer abstrakten Ebene und vermitteln Wissen, das in der Zukunft relevant und in den verschiedensten Arbeitsbereichen anwendbar sein sollte. Bei der  Kompetenzförderung in der Praxis geht es häufig mehr um den konkreten Arbeitsbereich.

Trotz der vielen Unterschiede, die in Europa zwischen den Studiengängen im Bereich (Erwachsenen)Bildung bestehen, haben die wissenschaftlichen Disziplinen und der Bologna-Prozess für eine gewisse Standardisierung gesorgt. Der Kompetenzaufbau in der Praxis ist oft an die Struktur eines Erwachsenenbildungsverbands oder an Erwachsenenbildungszentren gebunden. Dies birgt Herausforderungen für die Erwachsenenbildner*innen und , die oft in verschiedenen Erwachsenenbildungszentren tätig sind.

Die größte Kluft besteht jedoch zwischen dem Hochschulstudium und dem Kompetenzaufbau: Diese Kluft besteht immer dann, wenn Studiengänge entweder für „traditionelle Studierende“ – die jung sind und in Vollzeit studieren – oder für Menschen aus der Praxis angeboten werden. Sie zeigt sich auch dort, wo nach wie vor nur wenige institutionalisierte Verbindungen zwischen Lernangeboten/Kompetenzausbau für Menschen in der Praxis und traditionellen Studiengängen im Bereich Erwachsenenbildung bestehen. Nach wie vor gibt es nur wenige Beispiele für Instrumente zur Anerkennung der Kompetenzen von Menschen aus der Praxis in der Erwachsenen- und Weiterbildung zur Anerkennung an Hochschulen führt (VINEPAC, Weiterbildungsakademie Österreich, GRETA).

Aufgrund dieser unterschiedlichen Herangehensweisen ist eine große Kluft zwischen der akademischen Professionalisierung und der Kompetenzförderung entstanden.

/de/file/winter-school-iintall-projectWinter School IINTALL project

Winter School IINTALL project

Foto: EAEA

Überbrücken der Kluft

Um diese Kluft zu überbrücken, müssen Menschen aus der Praxis und Studierende beim Lernen zusammengebracht werden müssen, wobei jedoch auch die unterschiedlichen Bedürfnisse zu berücksichtigen sind.

In der Winter School „International and Comparative Studies in Adult Education and Lifelong Learning“ des Projekts INTALL wird nun genau das versucht. Nach fünf Jahren, in denen wir ausschließlich mit Studierenden im Bereich Erwachsenenbildung gearbeitet haben, haben wir im Jahr 2019 Kolleg*innen aus der Praxis eingeladen, um eine Woche lang mit internationalen Studierenden auf dem Würzburger Campus gemeinsam zu lernen.

Dabei haben wir festgestellt, dass beide Seiten großen Respekt füreinander haben: Die Praktiker*innen waren der Ansicht, dass die Studierenden und Absolvent*innen im Bereich Erwachsenenbildung bestens mit pädagogischen Theorien vertraut sind, sich gut mit empirischen Nachweisen auskennen und sehr kompetent Bildungsanalysen vornehmen können. Die Studierenden waren davon überzeugt, dass die Praktiker*innen den umfassenden praktischen Bereich der Erwachsenenbildung gut kennen, über die besten Arbeitsstrategien verfügen und in der Praxis Situationen kompetent analysieren können.

Nach dieser Erfahrung im Jahr 2019 gehen wir davon aus, dass der Versuch, die Kluft zwischen formal und nicht-formal Bildungswegen in der Erwachsenenbildung von zwei Dingen abhängen wird. Einerseits davon,  wie genau die Interessen der jeweiligen Zielgruppen definiert werden und andererseits auch davon, wie der Sachverstand und die Kompetenzen der verschiedenen Teilnehmer*innen bewertet werden. Auf diese Weise wird die didaktische Planung an der Hochschule zu einer großen Herausforderung für die Erwachsenenbildung, bei der das Hochschulwesen von Erwachsenenbildungszentren lernen muss.


Regina Egetenmeyer ist Professorin für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der Universität Würzburg und Koordinatorin der COMPALL/INTALL-Winter Schools zum Thema vergleichende Erwachsenen- und Weiterbildung.


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1 - 2 von 2 anzeigen
  • Bild des Benutzers Sibilla Drews

    Danke für den Hinweis auf die europäische Dimension dieses Themas. Das ist wichtig!

    Einen Schritt in diese Richtung geht das Projekt DEMAL (Desing, monitoring and evaluating adult learning classes - Supporting quality in adult learning classes). Es beschreibt ausgehend vom Europäischen Kompetenzrahmen für Weiterbildungspersonal Kernkompetenzen von Lehrkräften in der Weiterbildung in den Bereichen Planung und Begleitung von Lernprozessen auf europäischer Ebene. Ein kleiner Ausschnitt, aber immerhin...

  • Bild des Benutzers Heike Kölln-Prisner
    Der Artikel beschreibt sehr genau mein tägliches Erleben, weil die Anforderungen in der Praxis der EB so unterschiedlich und diffus sind (auch aufgrund der noch immer geringen Standardisierung in vielen Teilbereichen), dass die Universitäten dazu nur abstraktes und theoretisches Wissen vermitteln können. Selbst bei starker Methodenvielfalt in den Seminaren des Studiums bleibt die Kluft, dass in der Realität der EB die gleichen Zielgruppen selten vorkommen, also Student/innen. 
    Mit GRETA, das in Zusammenarbeit von 8 national tätigen Dachorganisationen der EB (DVV, DIE, KEB, Arbeit und Leben e.V, u,a) entwickelt wurde und sich zurzeit in der Erprobung der Validierungsschritte befindet, ist aus meiner Sicht ein gutes Instrument entwickelt worden. (Siehe auf EPALE den Beitrag von Anne Strauch:

    Bei fortschreitender Mobilität sollte aber auch daran gedacht werden, die nationalen Aktivitäten auf die nächste Ebene zu heben: mithilfe einer EU-Förderung könnten doch "willige" Länder gefunden werden, die sich diese Bemühungen (trotz aller Unterschiedlichkeiten) genauer ansehen wollen. In einem Internationalen Seminar mit Vertreter/innen aus 5 Ländern habe ich das Modell vorgestellt und es ist auf sehr viel Begeisterung gestoßen. Vielleicht ein Anstoß, BMBF?