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Bildungsarbeit mit Geflüchteten – Ein Methodenvergleich zwischen Deutschland, Österreich und Schweden

Die Flüchtlingskrise von 2015 stellt Bildungseinrichtungen vor große Herausforderungen. Wie geht man in verschiedenen Europäischen Ländern damit um? Neun Einrichtungen aus drei Ländern schauten über den Tellerrand und tauschten sich im Projekt EDREF (EDucational work with REFugees) über ihren Umgang mit dem Thema aus. Europa ist ein Ort, an dem wir viel voneinander Lernen können!

Die Flüchtlingskrise von 2015 stellt Bildungseinrichtungen vor große Herausforderungen. Wie geht man in verschiedenen Europäischen Ländern damit um? Neun Einrichtungen aus drei Ländern schauten über den Tellerrand und tauschten sich im Projekt EDREF (EDucational work with REFugees) über ihren Umgang mit dem Thema aus. Europa ist ein Ort, an dem wir viel voneinander Lernen können! Dementsprechend präsentierten sich die Partner Methoden guter Praxis aus den jeweiligen Ländern und implementierten diese in die Arbeit der eigenen Einrichtungen! Möglich ist diese Art von Austausch über den neuen Erasmus+-Projekttyp „Strategische Partnerschaften zum Austausch guter Praxis“. Dagmar Marquart (Katholische Erwachsenenbildung Deutschland) Koordinatorin von EDREF, bringt im folgenden Interview ihre Erfahrungen mit diesem Format näher.

©Projekt EDREF, 2016-2017

©Projekt EDREF, 2016-2017

Torsten Schneider: Aus welchem Grund führen Sie eine Strategische Partnerschaft zum Austausch guter Praxis ohne Intellectual Outputs durch (insbesondere in Abgrenzung zum Projekttyp der ergebnisorientierten Strategischen Partnerschaften zur Entwicklung von Innovation mit Intellectual Outputs)?

Dagmar Marquart: Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, diese Projektidee als ergebnisorientierte Strategische Partnerschaft durchzuführen. Die Projektidee war, angesichts der aktuellen Situation zu schauen, was die anderen Einrichtungen machen und ob bzw. wie diese Konzepte und Methoden in anderen Einrichtungen genutzt werden können. So hatten z.B. die deutschen und österreichischen Partner ein großes Interesse daran, das schwedische Konzept des „Studienzirkels“ näher kennen zu lernen; ein Konzept, das in Schweden fest zur pädagogischen Tradition gehört, sich aber (bisher) in den beiden anderen Ländern nicht durchsetzen konnte. Ein österreichischer Partner wiederum hat bereits tolle Materialien in der Eltern- und Familienbildung entwickelt, die mit Sicherheit auch von anderen Einrichtungen genutzt werden können. Und nicht zuletzt haben die deutschen Partner ein etwas anderes Kursleitendenkonzept oder auch das Konzept einer „Stadtführung in leichter Sprache“ präsentiert.

Hätten wir versucht „Intellectual Outputs“ zu entwickeln, so hätte dies wohl bedeutet, dass diese irgendwo im luftleeren Raum stünden und nicht an die tägliche Arbeit der Partner angeknüpft hätten. So aber haben die Partner und darüber hinaus andere interessierte Erwachsenenbildungseinrichtungen die Chance, tolle Angebote zu präsentieren und gleichzeitig ihre eigenen Angebote mit neuen Ideen zu ergänzen.

TS: Was schätzen Sie besonders am Format der austauschorientierten Partnerschaften?

DM: Austauschorientierte Partnerschaften bieten den Vorteil, sich Zeit und Raum nehmen zu können für die Reflexion über das, was Einrichtungen insgesamt und natürlich die Mitarbeitenden in der Erwachsenenbildung leisten, was gut läuft und wo man eventuell etwas Anderes ausprobieren bzw. bereits laufende Angebote weiterentwickeln könnte. Andere Ideen kennen zu lernen und gegebenenfalls in die eigene Arbeit zu integrieren, also letztlich voneinander lernen ist unverzichtbar, kommt aber im Alltagsgeschäft leider viel zu kurz. Hier bieten die Austauschpartnerschaften eine tolle Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und sogar länderübergreifend neue Konzepte und Methoden kennen zu lernen – gerade ohne den Druck, gemeinsam Produkte entwickeln zu müssen.

©Projekt EDREF, 2016-2017

                            ©Projekt EDREF, 2016-2017

TS: In welcher Situation bzw. wem würden Sie die Durchführung einer solchen austauschorientierten Partnerschaft empfehlen?

DM: Grundsätzlich würde ich jeder Einrichtung die Durchführung von austauschorientierten Partnerschaften empfehlen, die aufgeschlossen ist für neue Ideen und die sich weiterentwickeln möchte. Austauschpartnerschaften bedeuten ein Geben und Nehmen, dessen sollten sich Interessierte bewusst sein. Ich habe als Einrichtung die Chance zu zeigen, was ich wie und aus welchem Grund mache. Ich muss aber auch einkalkulieren, dass Dinge hinterfragt werden und ich sollte dieses Hinterfragen aktiv für die eigene Weiterentwicklung nutzen. Und insbesondere bei einer länderübergreifenden Partnerschaft wird man feststellen, dass pädagogische Selbstverständlichkeiten plötzlich hinterfragt werden. So haben wir z.B. sehr ausführlich die Frage diskutiert, ob wir von Kursleitenden, Begleitern, Trainern oder ähnlichem sprechen wollen. Im Grunde meinten wir natürlich dieselben Personen, kommen aber aus unterschiedlichen pädagogischen Traditionen.

TS: Wie soll es nach Abschluss des Projektes bezüglich des in der Partnerschaft behandelten Themas weitergehen?

DM: Wir haben es in unserer Partnerschaft geschafft, uns auf Schlüsselbegriffe zu verständigen, die für uns gute Arbeit in der pädagogischen Arbeit mit Geflüchteten ausmachen, also letztlich doch eine Art „intellectual output“, wenn auch nicht im Sinne der EU-Förderung. Diese Schlüsselworte haben wir auf unserer Projektwebseite zusammen mit kurzen Beschreibungen sowie einigen Kontrollfragen veröffentlicht. In einem ersten Schritt haben wir die Mitgliedseinrichtungen der beteiligten Dachverbände (KEB Deutschland, Forum katholischer Erwachsenenbildung Österreich und Studieförbunden für Schweden) eingeladen, anhand von uns erstellter kurzer Fragebögen - auf Englisch und Deutsch – eigene tolle Angebote zu präsentieren – sofern sie unseren Schlüsselbegriffen wie z.B. „Ressourcenorientierung“ oder „Einfachheit“ folgen.

Nun bin ich allerdings auch realistisch genug und weiß, dass es vielen Einrichtungen mitunter schwerfällt, eigene Entwicklungen mit anderen zu teilen. Hier wäre mein Appell, auch stolz zu sein, auf das, was gut läuft und quasi als Selbstmarketing eigene gute Ideen weiterzugeben. Umgekehrt kann ich dann ja auch von den Entwicklungen anderer profitieren und diese für meine Arbeit nutzen. Dies ist letztlich auch zeit- und ressourcensparend, denn wir müssen das Rad nicht ständig neu erfinden.

Zwei Beispiele können den Erfolg unserer Austauschpartnerschaft sehr gut illustrieren: Der schwedische Partner Bilda plant, die vom Münchner Bildungswerk erfolgreich durchgeführte „Stadtführung in leichter Sprache“ nun auch in Südschweden durchzuführen und umgekehrt hat das Münchner Bildungswerk gerade einen interkulturellen Studienzirkel mit dem Titel „Schatzfinder“ entwickelt, der nun in den Testlauf geht. Dieser Studienzirkel ist eng mit dem Integrationskurs verzahnt und bietet Menschen mit Flucht-/Migrationshintergrund die Gelegenheit als Leader/Kontaktperson, unterstützt vom Münchner Bildungswerk, eine Lerngruppe zu leiten, sich somit freiwillig zu engagieren und als aktiver Part unserer Gesellschaft Wissen mit anderen zu teilen – in meinen Augen ein durchaus interessantes Modell auf dem Weg zu echter Integration.

Ich würde mich jederzeit wieder an einer europäischen Austauschpartnerschaft beteiligen, erst recht, wenn die Partner sowohl menschlich als auch in professioneller Hinsicht derart gut miteinander auskommen wie in unserem Fall. In diesem Sinne hoffe ich, dass diese Art von Projekten auch weiterhin gefördert und natürlich von den Einrichtungen auch gut angenommen wird, denn meiner Ansicht nach ist der europäische Austausch mindestens ebenso wichtig wie das Entwickeln gemeinsamer Produkte.

Besuchen Sie unser Projekt gerne unter www.edref.eu!

Ansprechpartnerin:

Dagmar Marquart, Projektkoordination

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Projektentwicklung bei der KEB Deutschland,

keb@keb-deutschland.de

Das Projekt „EDucational work with REFugees“ wurde von der Europäischen Union kofinanziert.

Kofinanziert durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union
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