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Bei Anruf Betrug

Ältere Menschen gelten als leichte Opfer von Betrügern. Im Sicherheitstraining für Senioren erhalten die Teilnehmer Informationen über ihre Rechte als Verbraucher – und üben, wie sie diese im Alltag auch durchsetzen.

Sie sind viel zu gut erzogen!“, ruft Christine Thurner, Leiterin des Katholischen Altenpflegewerks in München-Laim, in die Runde, „jetzt noch einmal und viel lauter!“ „NEIN“, schallt es – nun sehr gut hörbar. Die Seniorinnen schauen etwas verlegen in die Runde, aber sie machen mit.

In schwierigen Situationen „Nein“ zu sagen, das will gelernt sein. Daher sind diese Übungen zur Selbstbehauptung Teil meines „Sicherheitstrainings für Senioren“.

Stopp – Nicht mit mir!

So wird geübt, die Stimme laut gegen Bedrohungen zu erheben und Selbstbewusstsein auch körperlich zu signalisieren. Hinzu kommt Wissen aus der Verbraucherbildung: Welche Rechte habe ich auf Kaffeefahrten, was muss ich bei Haustürgeschäften beachten, was dürfen eigentlich werbliche Telefonanrufer...

Was aber nützt das Wissen, wenn man es nicht anwenden kann, weil man überrumpelt wird. Daher war mir wichtig, dass das Sicherheitstraining beides vermittelt, Theorie und Praxis.

„Uns berichten Senioren, dass sie am Telefon bedrängt werden“, sagt Jens Dietrich, Leiter des Münchner ASZ Alten- und Servicezentrums Isarvorstadt, im Vorfeld eines dortigen Sicherheitstraimings. Was macht man, wenn das Telefon klingelt und der Anruf erst vermeintlich harmlos mit einer Umfrage beginnt, dann suggestiv und manipulativ schließlich in einem knallharten Verkaufsgespräch endet?

„Ich dachte, ich kann da ruhig mitmachen, ich hab doch nichts unterschrieben“, haben einige Senioren beim Training erzählt. Doch dann kam die Rechnung, Erstaunen und Ärger sind groß. Denn telefonisch geschlossene Verträge können in vielen Fällen rechtlich wirksam sein.

Sag niemals Ja

Ein älterer Mann telefoniert während er aus dem Fenster schaut.
Oftmals werden Verträge auch untergeschoben – die Angerufenen werden in Fragen verwickelt, auf die sie mit „Ja“ antworten, das dann aufgenommen wird. Das Beste ist – einfach auflegen. Doch zeigt das Training mit Senioren, dass gerade das vielen schwer fällt. Man hat es vielleicht nicht so verstanden, eine Umfrage kann man ja mal mitmachen. Man hat heute noch mit niemandem gesprochen. Man ist zu höflich. Einfach auflegen – gehört sich das denn?

Vor allem, wenn da ein „Polizist“ am Telefon ist? In einer Veranstaltung berichtet eine Teilnehmerin, sie sei jetzt wiederholt von vorgeblichen Polizisten angerufen worden. Angeblich sei in der Nachbarschaft eingebrochen worden, den genauen Ort dürfe man nicht nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Ob sie sich denn noch sicher fühle? Die Teilnehmerin hat aufgelegt – zum Glück.

Diese Telefon-Masche scheint in Mode. Ntv.online berichtet, dass Ende Oktober ein Betrüger in flagranti geschnappt wurde. Er hat sich am Telefon als Polizist ausgegeben und Senioren in Bayern dazu gebracht, ihm freiwillig Geld auszuhändigen. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

 

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Sicherheitstraining

Dieses Bildungsformat lebt von der Interaktion. In Corona-Zeiten ist das schwierig. Ich habe versucht, das Training „corona-konform“ umzugestalten. Das funktioniert zwar, ist aber eine Kompromisslösung, da ältere Menschen als Risikogruppe besonders geschützt werden müssen. Praktische Übungen mit einem Partner finden bis auf weiteres nicht statt.

Gleichzeitig brauchen ältere Menschen aber auch die Möglichkeiten der Begegnung – soziale Interaktion, das ist doch etwas, was Erwachsenenbildung auch gut leisten muss. Hier am Sicherheitstraining zeigen sich zumindest die Grenzen der Digitalisierung auf. Denn das Leben vieler Teilnehmer läuft noch vollkommen analog. Sie haben keinen Computer, können nicht mal eben ein Problem googeln oder in einem Gesprächsforum checken. Und auch diese Gruppe muss erreicht werden, darf bei der durch Corona beschleunigten Digitalisierung nicht vergessen werden.

Bei Telefonbetrügern in der realen Welt hat Frau Thurner zumindest handfest vorgesorgt. Sie hat Trillerpfeifen besorgt. „Die binden sie nun ans Telefon. Und da wünsche ich, dass bald jemand anruft und Sie so richtig hineinpusten, wie Sie es heute gelernt haben.“ Die Seniorinnen lachen vergnügt – und trillern gemeinsam.

Fotos: © M. Lohrer


Über die Autorin:

Über die Autorin:

Wortbrücke e.V. Maren Lohrer
Maren Lohrer erstellt Verbrauchernews in Leichter Sprache für „Wortbrücke e.V.“. Sie hat einen M.A. in Germanistik und Politikwissenschaften der Universität zu Köln und ist zertifizierte Mediatorin (INA at FU Berlin). Sie ist zudem Botschafterin für EPALE Deutschland.
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