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Der EQAVET-Referenzrahmen

In der Europäischen Union engagiert man sich seit dem Jahr 2000 mit ungebrochenem Elan immer stärker dafür, dass man zur Anwendung des gemeinsamen Referenzrahmens für die Qualitätssicherung anregt und ihn tatsächlich auch anwendet. Der Grund dafür besteht darin, dass die zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Förderung Europas gesteckten Ziele (Förderung der Wettbewerbsfähigkeit, Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit, Voranbringen des Übergangs zu einer auf Wissen basierenden Gesellschaft, Steigerung der Mobilität) in den Vordergrund rückten und somit die Frage nach der Qualität der Berufsbildung und deren Qualitätssicherung in den Mittelpunkt gestellt wurde.

Der durch die am 18. Juni 2009 angenommene Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates geschaffene Europäische Referenzrahmen für die Qualitätssicherung in der Berufsbildung (nachfolgend EQAVET) unterstützte und förderte in den vergangenen zehn Jahren in zwei Dritteln der Mitgliedsstaaten erfolgreich die anhand der gemeinsamen europäischen Referenzen erfolgende kontinuierliche Entwicklung und Reform der Qualitätssicherungssysteme in der Berufsbildung; in 14 Ländern – darunter auch in Ungarn – trug dieser auch direkt zur Einrichtung eines nationalen Systems bei.

Doch was ist dieser EQAVET-Referenzrahmen eigentlich genau? In unserem heutigen Blog möchten wir einige Gedanken darüber teilen, wie wir hier in Ungarn an den EQAVET-Referenzrahmen herangehen und diesen auslegen.

Nach unserer Auslegung handelt es sich bei EQAVET um ein europäisches Anforderungssystem, dessen primäres Ziel darin besteht, die kontinuierliche Verbesserung der Qualität von beruflicher Bildung zu fördern und zu unterstützen. Es handelt sich dabei um Bezugsinstrumente (oder Referenzinstrumente), mit denen auf der Grundlage der auf europäischer Ebene festgelegten und angenommenen gemeinsamen Referenzkriterien der Grad und das Ausmaß der Konformität der nationalen Qualitätssicherungssysteme für die Berufsbildung mit dem europäischen Referenzrahmen deutlich gemacht werden können, sodass man dadurch die Mitgliedsstaaten, Dienstleister in der Berufsbildung und andere Organisationen bei der Gestaltung ihrer eigenen Systeme und der kontinuierlichen Weiterentwicklung bzw. bei Neuerungen unterstützen kann.

EQAVET behandelt die Berufsbildung als einheitliches Ganzes und bezieht sich auf alle ihre Formen: Schulische Berufsbildung, berufliche Fortbildung, Erwachsenen(aus)bildung, Lernen und Schulung auf der Basis von Arbeit, Lehrlingsausbildungen usw. Die grundlegenden Qualitätsanforderungen müssen jedoch von allen Anwendern für sich selbst ausgelegt und adaptiert werden. Der Charakter des Referenzrahmens macht es möglich, dass EQAVET von Nutzern, die in verschiedenen Umfeldern und unter unterschiedlichen Bedingungen tätig sind sowie über verschiedene Größen und Profile verfügen (Berufsbildungssysteme oder Dienstleister in der Berufsbildung), angewendet werden kann.

Der EQAVET-Referenzrahmen besteht aus drei Hauptteilen:

  1. Der EQAVET-Qualitätssicherungs- und Qualitätsentwicklungszyklus besteht aus den vier Schritten des Demingkreises: 1. Planen, 2. Tun, 3. Überprüfen und 4. Umsetzen (darunter verstehen wir auch die Rückmeldungen und die Entwicklungen). Das Neuartige an EQAVET und sein Mehrwert bestehen darin, dass es für jeden einzelnen Schritt auf europäischer Ebene angenommene, gemeinsame grundlegende Qualitätsanforderungen – Deskriptoren – bestimmt, die unserer Auslegung zufolge Erwartungen an die Berufsbildung sind, sodass sie von jedem beliebigen Berufsbildungssystem oder Berufsbildungsinstitution interpretiert werden können. Anhand dieser werden dann die allgemeinen Qualitätssicherungssysteme in berufsbildungsspezifische Systeme umgeformt.

Die Deskriptoren helfen dadurch bei der Einführung und der praktischen Anwendung des Referenzrahmens, dass sie konkret diejenigen, relativ wenigen grundlegenden und wichtigen Aspekte, Komponenten und Anforderungen formulieren und hervorheben, die im Hinblick auf eine hochwertige Berufsbildung wesentlich sind und die bei der Gestaltung, Umsetzung, Bewertung, Überprüfung und Weiterentwicklung eines jeden Qualitätssicherungssystems in der Berufsbildung berücksichtigt werden müssen, und zwar sowohl auf Systemebene als auch auf der Ebene der Dienstleister in der Berufsbildung. Die Deskriptoren stellen auf nationaler und institutioneller Ebene die Grundlage für die Zielsetzungs-, Planungs-, Messungs- bzw. Bewertungs- und Entwicklungstätigkeiten dar, die realisiert werden sollen. Wir sind der Ansicht, dass eine Einrichtung, die eine Berufsausbildung leitet oder durchführt, insofern sie diese grundlegenden Qualitätsanforderungen erfüllt, dadurch die Möglichkeit für eine gute Ausbildungsqualität schafft.

Während die Aufmerksamkeit der Anwender auf die im Hinblick auf die Qualitätssicherung und -verbesserung wichtigen Fragen gelenkt wird, schreiben die Deskriptoren nicht vor, wie die nationalen Systeme und in der Berufsbildung tätigen Einrichtungen zu arbeiten haben. Auf diese Weise lässt der Referenzrahmen Raum für die Anwendung der unterschiedlichsten Qualitätsansätze auf nationaler und auf Dienstleister-/Einrichtungsebene.

  1. Monitoring bedeutet eine Kombination aus internen und externen Bewertungsprozessen, die von den Mitgliedsstaaten definiert werden müssen, damit sie kontinuierlich faktenbasiertes und glaubwürdiges Feedback darüber erhalten, wie weit sie schon bei der Umsetzung ihrer Ziele gekommen sind.

Der Referenzrahmen legt besonderen Wert auf eine in regelmäßigen Abständen und systematisch erfolgende Selbstevaluation, mit deren Hilfe sich die Stärken und Bereiche mit Entwicklungsbedarf der Systeme, Prozesse, Verfahren, Tätigkeiten usw. bestimmen lassen und wodurch die Qualität der Berufsbildung verbessert und ständig entwickelt werden kann. Die Selbstevaluation muss jedoch um eine von einem unabhängigen externen Gremium auf nationaler, regionaler oder Branchenebene in regelmäßigen Abständen durchgeführte externe Bewertung ergänzt werden.

  1. Das Messinstrument zur Messung, Bewertung und zum Nachweis der Qualität, Effizienz und des Erfolgs der Berufsbildung bietet 10 Indikatoren auf Systemebene an, bei denen es sich um Instrumente von elementarer Bedeutung für die Leitung der Berufsbildung und auch für die Entwicklung der Qualität der Berufsbildung handelt. Dabei wird angestrebt, dass die Mitgliedsstaaten auf der Grundlage der gemeinsamen Referenzindikatoren für Quantität und Qualität auf adäquate Weise und konsequent ihre eigenen Systeme zur Qualitätsverbesserung beobachten und bewerten sowie auf objektiven Daten und Fakten beruhende Entwicklungen gewährleisten.

Bei den Indikatoren handelt es sich um Berufsbildungsindikatoren: Diese konzentrieren sich auf die Ergebnisse der Berufsbildung und die Beziehung zwischen den Berufsbildungssystemen, dem lebenslangen Lernen, dem Arbeitsmarkt, der Beschäftigung und der Wirtschaft, außerdem enthalten sie Informationen zum Umfeld, zu den Eingangsvoraussetzungen, dem Prozess, den Ausgangsvoraussetzungen und den Ergebnissen. Die Mehrheit der Deskriptoren lässt sich auch auf institutioneller Ebene interpretieren und anwenden.

Obige Punkte belegen Folgendes: In der Interpretation von EQAVET bedeutet Qualitätssicherung, dass anhand von Beweisen regelmäßig überprüft, bewertet - und eventuell verbessert - werden muss, inwieweit die Berufsbildung effektiv und erfolgreich den sich ständig ändernden und neu formulierten Ansprüchen der Gesellschaft, Wirtschaft und der einzelnen Menschen gerecht wird.

Das wichtigste Grundprinzip von EQAVET stellt die bewusste Anwendung des Qualitätssicherungs- und Qualitätsverbesserungszyklus sowohl auf Systemebene als auch auf der Ebene der Dienstleister für Berufsbildung dar. Einen Mehrwert bedeutet dabei das Schließen des Qualitätskreises, also die Planung und Umsetzung von Entwicklungen und die Bewertung des Erfolgs der realisierten Entwicklungen anhand der Ergebnisse von Erhebungen und Bewertungen (4. Schritt Überprüfung). Aufgrund der bisherigen Erfahrungen stellt dabei die Tätigkeit der Qualitätsverbesserung in den Mitgliedsstaaten das schwächste Glied in der Kette dar.

Gleichzeitig muss auch erwähnt und hervorgehoben werden, worauf auch wir in Ungarn besonders achten, dass der EQAVET-Referenzrahmen aus der organischen Einheit des Qualitätssicherungs- und des Qualitätsverbesserungszyklus, der Deskriptoren und der Indikatoren gebildet wird.

Die auf europäischer Ebene festgelegten und angenommen gemeinsamen Qualitätsanforderungen bzw. -erwartungen machen den Europäischen Referenzrahmen für die Qualitätssicherung in der Berufsbildung sowohl auf europäischer Ebene als auch auf derjenigen der Mitgliedstaaten zu einem wertvollen Instrument sowie zum Motor und Impulsgeber der Qualitätsverbesserung in der Berufsbildung. Hierzulande stellt der EQAVET-Referenzrahmen von Anfang an beim Prozess des Ausbaus eines berufsbildungsspezifischen Qualitätssicherungs- / Qualitätsmanagementsystems die gemeinsame europäische Grundlage dar. Darüber können Sie mehr in unserem morgigen Blog auf unserer Webseite lesen.

Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Themenwoche„Qualitätssicherung in der Berufs- und Erwachsenenbildung“?

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