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"assessing COmpetences for REintegration" – erste Ergebnisse und entwickelte Materialien aus dem Erasmus+ Projekt CORE

Dieser Beitrag liefert erste Ergebnisse des Erasmus+ Projekts CORE zur Unterstützung der (Wieder-)Eingliederung von NEETs.

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Logo CORE-Projekt.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist in einigen europäischen Ländern immer noch sehr hoch und steigt derzeit wieder an. Besonders in den Ländern des Westbalkans sind viele junge Erwachsene im Alter von 16 bis 30 Jahren derzeit weder in Beschäftigung noch in (Aus-)Bildung oder Training (sogenannte NEETs – Not in Employment, Education or Training) und haben ein hohes Risiko, langfristige negative Auswirkungen ihrer NEET-Phase zu erleiden, wie z. B. ein geringeres Einkommen oder mehr Arbeitslosigkeit in der Zukunft. Das Hauptziel des Erasmus+ geförderten Projekts CORE ist es, die (Wieder-)Eingliederung von NEETs in den Arbeitsmarkt oder das Bildungssystem zu unterstützen, indem ihre non-formal und informell erworbenen Kompetenzen sichtbar gemacht werden.

Erfahrungswelten junger NEET-Erwachsener und wie man sie unterstützen kann

In der ersten Forschungsphase sammelten alle Projektbeteiligten Informationen über junge NEET-Erwachsene in ihrem eigenen Land (Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien) durch Literaturrecherche sowie Expertiseinterviews und Fokusgruppentreffen mit Personen, die mit NEETs arbeiten, zu dem Thema forschen oder selbst NEETs sind. Ziel dieser Phase war es, einerseits allgemeine statistische Informationen über diese Zielgruppe im jeweiligen Land zu sammeln (z. B. NEET-Quoten, Jugendarbeitslosigkeitszahlen, Anteil der Schulabbrecher*innen usw.) und andererseits die spezifischen Bedürfnisse dieser jungen Erwachsenen herauszufinden. Als Überblick sind im Folgenden einige Forschungsergebnisse zusammengefasst. Weitere detaillierte Informationen finden Sie in einem umfassenden transnationalen Bericht zur Bedarfsermittlung von NEETs.

  • Junge Frauen weisen höhere NEET-Raten auf als Männer, hauptsächlich aufgrund von familiären Verpflichtungen.
  • Weitere Risikofaktoren sind niedriges Bildungsniveau, Migrationshintergrund, (Lern-)Behinderungen, geschiedene und/oder arbeitslose Eltern, ein geringes Haushaltseinkommen oder das Wohnen in abgelegenen Gebieten.
  • In Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien sind junge Roma besonders gefährdet.
  • Der Zugang zu professioneller Berufsberatung und Unterstützungsprogrammen ist für junge NEETs in den Ländern des Westbalkans oft begrenzt und nicht bekannt.

Wenn man sich diese Ergebnisse ansieht, erkennt man schnell die große Heterogenität, die sich hinter dem Begriff NEETs verbirgt. Diese jungen Erwachsenen zeigen zwar eine große Vielfalt in ihren spezifischen Situationen und Bedürfnissen, aber sie teilen auch ihren hohen Bedarf an Beratung und Unterstützung. Viele NEETs haben während ihrer Schulbildung negative Erfahrungen gemacht, verfügen über keine formalen Bildungsabschlüsse, haben Schwierigkeiten, ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden und müssen mit Ablehnung umgehen.

Daher können sie alle von einer professionellen Beratung und Begleitung profitieren, in der ihre nicht-formal und informell erworbenen Kompetenzen bewertet und ihnen bewusst gemacht werden. Dieser Prozess der angeleiteten Selbstreflexion kann ihr Selbstwertgefühl und ihr Empowerment fördern und ihnen helfen, den Beruf oder die Ausbildung zu finden, die ihren Kompetenzen und persönlichen Stärken am besten entspricht.

Das CORE-Toolkit – ein Methodenkoffer für die Beratung junger NEET-Erwachsener

Das CORE-Projekt zielt darauf ab, die wirtschaftliche und gesellschaftliche (Wieder-)Eingliederung von NEETs durch die Bereitstellung von Materialien für Beratende, die mit der Zielgruppe arbeiten, zu unterstützen. Zu diesem Zweck wurde das CORE-Toolkit entwickelt. Um den zuvor beschriebenen Situationen und Bedürfnissen junger NEET-Erwachsener gerecht zu werden, wurden von allen Projektbeteiligten bereits verfügbare Instrumente zur Kompetenzerfassung, Berufsorientierung und Berufswahl sowie Empowerment und Weiterqualifizierung von NEETs gesammelt. Insgesamt wurden 27 Tools, die für NEETs geeignet und kostenlos online verfügbar sind, ausgewählt und benutzungsfreundlich aufbereitet. Jedes Tool wird als sogenanntes Fact Sheet dargestellt, das einen kompakten Überblick über die wichtigsten Informationen bietet und einen direkten Link zum Tool bereitstellt.

Fact Sheets Übersicht.

Abbildung: Struktur der Fact Sheets aus dem Manual für Beratende Seite 11

 

Zusätzlich wurden 12 Unterstützungsangebote, die sich an Beratende und NEETs in der Balkanregion richten, in das Toolkit aufgenommen, um dem oben erwähnten Mangel an Informationen in diesen Ländern entgegenzuwirken.

Was uns bei der Zusammenstellung des CORE-Toolkits auffiel, war, dass in den Balkanländern kaum Instrumente zur Einschätzung von Kompetenzen und Berufsorientierung verfügbar waren. Dies unterstreicht die Bedeutung des Ziels des CORE-Projekts, den bereits existierenden ProfilPASS (ein Instrument zur Bewertung informell und non-formal erworbener Kompetenzen) für NEETs so anzupassen, dass er als Instrument zur Kompetenzerfassung (und Berufsberatung) in diesen Ländern eingesetzt werden kann.

Die Entwicklung des ProfilPASS zum Durchstarten – eine neue Adaption des bewährten ProfilPASS

Laut Expertiseinterviews und Fokusgruppentreffen sind der bereits existierende ProfilPASS und der ProfilPASS für junge Menschen nicht ausreichend geeignet, um die non-formal und informell erworbenen Kompetenzen junger NEET-Erwachsener zu erfassen. Während der ProfilPASS für Erwachsene teilweise ein hohes Maß an eigenständiger Selbstreflexion und Sprachkompetenz voraussetzt, was für die Zielgruppe zu anspruchsvoll sein kann, fehlt dem ProfilPASS für junge Menschen die vertiefende Auseinandersetzung mit den eigenen Kompetenzen und er ist daher nicht anspruchsvoll genug. Beiden Instrumenten fehlt der Bezug zur Erfahrungswelt junger NEET-Erwachsener, was weitere Entwicklungsarbeit notwendig machte.

Daher wurde eine Kombination aus dem ProfilPASS und dem ProfilPASS für junge Menschen mit zusätzlichen Anpassungen der Sprache, des Inhalts und des Layouts an die Bedürfnisse der Zielgruppe der NEETs erstellt. Der neue ProfilPASS zum Durchstarten ist als Open Access in allen Projektsprachen (Deutsch, Bosnisch, Mazedonisch, Serbisch und Slowenisch) sowie in englischer Sprache auf der Website des CORE-Projekts verfügbar. Dieses neue Instrument ist vor allem für Beratende aus der Balkanregion nützlich, wo Methoden zur Einschätzung von Kompetenzen und beruflicher Orientierung selten und schwer zugänglich sind.

Begleitendes Material zum CORE-Toolkit

Das Haupthindernis für den Zugang junger Erwachsener zu professioneller Bildungs- oder Berufsberatung in den Ländern des Westbalkans (Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien) ist der Mangel an Beratungsstrukturen und bestehenden Angeboten. Das CORE-Projekt unterstützt die Professionalisierung von Berater*innen speziell in dieser Region durch die Bereitstellung eines Curriculums für die Ausbildung von Beratenden sowie eines spezifischen Manuals für Beratende. Während das CORE-Curriculum im Detail spezifische Trainingsmodule für neue Berater*innen beschreibt, bietet das CORE-Manual zusätzliche Informationen für Berater*innen, die mit dem CORE-Toolkit und dem ProfilPASS zum Durchstarten arbeiten. Bisher sind diese zusätzlichen Materialien in Deutsch und Englisch als Open Access auf der Projektwebseite verfügbar, werden aber bald in allen Projektsprachen verfügbar sein.

Projektrahmen

Am 1. Oktober 2019 startete das zweijährige EU-Projekt "assessing COmpetences for REintegration" im Rahmen des Erasmus+ Programms (Projektreferenz: 2019-1-DE02-KA204-006193). Geleitet wird CORE vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) als koordinierende Institution in Kooperation mit den beteiligten Organisationen Association for Competency Development "S.K.I.L.L.S." (SKILLS) aus Bosnien und Herzegowina, Lifelong Learning Center (LLC) aus Nordmazedonien, Association of Citizens Laris (LARIS) aus Serbien und Adragoski zavod Ljudska Univerza Velenje (LUV) aus Slowenien.

 

Über die Autorinnen:

Eveline Bader ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. Seit 2019 ist sie Koordinatorin des EU-Projekts CORE "assessing COmpetences for REintegration" (2019-1-DE02-KA204-006193).

Nikolina Garača ist die Präsidentin des Vereins für Kompetenzentwicklung "S.K.I.L.L.S." (Bosnien und Herzegowina), Partnerorganisation im EU-Projekt CORE "assessing COmpetences for REintegration".

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