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Appetite for Enterprise: Migrantinnen entdecken ihre unternehmerischen Fähigkeiten

Wie können wir unternehmerische Potentiale bei Migrantinnen fördern? Welche Fähigkeiten müssen erlernt, worauf bei einer Unternehmensgründung besonders geachtet werden? Das Projekt ARISE („Appetite for Enterprise“) ist diesen Fragen nachgegangen und hat Trainingsmaßnahmen für Migrantinnen in sechs europäischen Ländern umgesetzt.

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Wie können Migrantinnen dabei unterstützt werden, ihre unternehmerischen Potentiale zu stärken? Welche Fähigkeiten müssen erlernt, worauf muss bei einer Unternehmensgründung besonders geachtet werden? Das Projekt ARISE („Appetite for Enterprise“) ist diesen Fragen nachgegangen und hat Trainingsmaßnahmen für Migrantinnen in sechs europäischen Ländern umgesetzt. Herausgekommen ist u.a. ein Toolkit für Bildungseinrichtungen, die ähnliches anbieten wollen.

Die Europäische Kommission hat sich bereits 2012 in einem Aktionsplan das Ziel gesetzt, ein attraktives Umfeld für Unternehmer*innentum zu fördern, um den Europäischen Wirtschaftsraum insgesamt stärker und kohärenter zu machen. Die Unterstützung des Unternehmer*innentums war zudem Teil der Strategie Europa 2020, mit der die Voraussetzung für ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum geschaffen werden sollten. Das Unternehmer*innentum ist unbestritten ein starker Motor für Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen: Es schafft neue Unternehmen und Arbeitsplätze, erschließt neue Märkte und fördert neue Fähigkeiten. Darüber hinaus bietet es bestehenden Unternehmen die Möglichkeit, Nachfolgeregelungen zu treffen und bestehende Arbeitsplätze zu sichern.

Migrantinnen als Entrepreneurinnen in der EU

Migrantinnen bilden in der EU eine wichtige Gruppe innerhalb der potenziellen Gründer*innen. Tatsächlich wird ein nicht unwesentlicher Teil der Unternehmensneugründungen von ihnen betrieben. Jedoch steht ihr Unternehmerinnengeist oft rechtlichen, kulturellen und sprachlichen Hindernissen gegenüber, und viele Unternehmen scheitern bereits in einer frühen Phase. Bei Migrantinnen kommen bisweilen noch zusätzliche Herausforderungen wie die Familienarbeit oder Kindererziehung hinzu.

Wie können daher Migrantinnen konkret dabei unterstützt werden, ihre unternehmerischen Potentiale zu stärken? Welche Fähigkeiten müssen erlernt, worauf muss bei einer Unternehmensgründung besonders geachtet werden? Diesen Fragen wurde im Projekt „Appetite for Enterprise“ (ARISE) nachgegangen. ARISE wurde aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union (AMIF - Union Actions) kofinanziert und von Februar 2017 bis Januar 2019 in insgesamt sechs Ländern (Italien, Griechenland, Deutschland, Frankreich, Österreich und Schweden) entwickelt und implementiert.

Transnationale ebenso wie regionale Maßnahmen trugen zum Erfolg des Projektes bei: Auf eine Analyse der sozialen, wirtschaftlichen Bedürfnisse sowie der Lernbedürfnisse von Migrantinnen, die zu Beginn des Projekts in jedem Partnerland durchgeführt wurde, folgte ein mehrtägiges internationales Fachkräftetraining in Palermo im Herbst 2017. Kern des Projektes war dann die Durchführung von jeweils bis zu 20 regionalen Workshops in den Partnerländern in der ersten Jahreshälfte 2018.

Workshops für Unternehmerinnen: Ein Beispiel aus Deutschland

Der VNB, eine Landeseinrichtung der Erwachsenenbildung in Niedersachsen, bot Frauen aus der Region Nienburg/Weser die Möglichkeit, an 20 vormittäglichen Workshops teilzunehmen. Die wöchentlichen Workshops wurden in enger Kooperation mit dem Landkreis Nienburg/Weser bei der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft in Nienburg durchgeführt. Inhalte waren u.a. Zeit- und Konfliktmanagement, Körpersprache und selbstbewusstes Auftreten, Marketing und PR, Businessplan und Elevator Pitch. Darüber hinaus wurden Exkursionen zu Fachmessen und erfolgreichen Unternehmerinnen organisiert.

Der Abschluss der Qualifizierungsreihe und die Übergabe der Zertifikate wurden im Juni 2018 in Nienburg gemeinsam mit Akteurinnen aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Verwaltung gebührend gefeiert. Im Anschluss der Maßnahme wurden einige der Migrantinnen weiter auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet. Doch nicht alle sind diesen Weg gegangen: Einige haben im Verlauf des Projektes festgestellt, dass sie sich nicht als Unternehmerin sehen – eine für den weiteren beruflichen Weg bedeutsame Entscheidung. Die Teilnahme an den Fortbildungen diente somit nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Klärung der persönlichen Weiterentwicklung.

Der folgende kurze Film bietet einen Einblick in die Motivation einiger Teilnehmerinnen aus Deutschland:

In den weiteren 5 Partnerländern wurden ähnliche Maßnahmen durchgeführt, die jeweils individuell auf die Wünsche und Bedürfnisse der teilnehmenden Migrantinnen vor Ort zugeschnitten wurden. Dabei ging es nicht ausschließlich um Einzelunternehmen von Migrantinnen. So wurden beim italienischen Projektpartner CESIE in Palermo/Italien die ersten Schritte zur Gründung eines gemeinschaftlichen sozialen Unternehmens („AFRITA“) vorgenommen, an dem die meisten der dort teilnehmenden Frauen beteiligt sein werden.

Am 30. November 2018 trafen sich über 60 Teilnehmer_innen aus 6 europäischen Ländern in Hannover, um die Ergebnisse des ARISE Projekts zu präsentieren, ein Resümee zu ziehen und einen Ausblick auf zukünftige Aktivitäten zu wagen. Absolventinnen aus den Partnerländern nutzten die Gelegenheit, um ihre Erfahrungen als Jungunternehmerinnen auf einem Markt der Möglichkeiten auszutauschen.

Alles in allem eine runde Sache - zur Nachahmung empfohlen!

Infos und Materialien zum Projekt (u.a. ein Toolkit für die Durchführung einer solchen Qualifizierungsmaßnahme) gibt es auf der Projekthomepage.

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Tino Boubaris
Mehr über den Autor:

Tino Boubaris ist Projektkoordinator im Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB).  Er ist seit über 20 Jahren in europäischen Projekten und Netzwerken der Erwachsenen- und Berufsbildung unterwegs und berät Vereine und Initiativen u.a. in Organisations- und Finanzierungsfragen.


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