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Annet Bakker zu den größten Problemen beim Unterricht im Strafvollzug

25/01/2016
von Rumen HALACHEV
Sprache: DE
Document available also in: EN FR IT PL NL HR

/de/file/prisoneducationbakkerresizedjpgPrision Education Bakker

Prision Education Bakker

 

In den meisten europäischen Gefängnissen gibt es Bildungsmöglichkeiten für Häftlinge. Allerdings sind die Angebote und die Art und Weise der Organisation der Bildungsangebote sehr unterschiedlich.

In einigen Ländern wird gerade einmal ein einstündiger Unterricht pro Woche angeboten, in anderen Gefängnissen können die Häftlinge lernen anstatt arbeiten und trotzdem etwas verdienen. Kultur spielt eine wichtige Rolle im Gefängnis; allerdings sind nicht alle Häftlinge der Meinung, dass Bildung die richtige Art und Weise ist, seine Zeit zu verbringen. Es gibt andere Aktivitäten wie Sport, Kartenspielen oder Reden. Aber es gibt auch Gruppenzwang, der Häftlinge davon abhält, an Bildungsmaßnahmen teilzunehmen, und die Überzeugung, dass „Schule etwas für Mädchen ist“.

Für jugendliche Häftlinge ist die Teilnahme an Bildungsmaßnahmen Pflicht. Jugendliche Häftlinge zu unterrichten ist nicht immer einfach. Aber auch bei Erwachsenen ist der Unterricht alles andere als einfach. Der Anreiz hat sehr viel mehr mit Motivation zu tun oder damit, dass die Häftlinge begreifen, welche Vorteile sich ihnen damit bieten. In den Gefängnisklassen kommen erwachsene Männer und Frauen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichem Bildungshintergrund, mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammen. Es kann sein, dass sie verstanden haben, warum sie hier sind – es kann aber auch sein, dass dies nicht der Fall ist. Die Häftlinge nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen am Unterricht teil -  einige wollen im Gefängnis ihren Schulabschluss nachholen, andere wollen jemand anderes sein oder die Zeit im Gefängnis sinnvoll nutzen.

Die meisten Regierungen sehen in den Bildungsmaßnahmen im Gefängnis einen Weg zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft und darin, die Haftzeit sinnvoll zu nutzen. Hier haben wir es mit einer klassischen Win-Win-Situation zu tun. Bildung ist Teil eines umfassenderen Angebots von Aktivitäten, die alle zu demselben Ziel beitragen sollen. Es gibt sogar Wege, um festzustellen, ob die Bildungsmaßnahmen zu einem soliden Ergebnis führen, die das Geld wert sind, das in sie hineingesteckt wird.

Es gibt auch Forschungen in diesem Bereich, aber das ist häufig sehr zeitaufwändig. Was in der Regel getan wird, ist die Abschlusszeugnisse zu zählen, die über einen bestimmten Zeitraum ausgestellt wurden. Aber das Problem ist, wenn dies nicht auf die richtige Art und Weise getan wird, kann es dazu führen, dass man einfach Zeugnisse ohne großen „realen Wert“ ausstellt, gewissermaßen als Selbstzweck. Und was soll man tun mit all den Schülern, die kaum in der Lage sind, etwas zu lernen? Und mit denjenigen, die nur über geringe Kenntnisse in Lesen und Schreiben verfügen? Ganz zu schweigen von den Menschen mit Verhaltensstörungen oder Lernstörungen usw. – Wie kann man all das herausfinden, bevor sie an den Prüfungen teilnehmen können, auf die es ankommt? Auch wenn wir verstehen, dass die Qualifikationen das Ziel sein sollten – die EPEA (European Prison Education Association) möchte sich dafür einsetzen, dass nicht nur auf Zeugnisse Wert gelegt wird.

Zur Unterstützung des Internationalen Tags der Bildung im Gefängnis (International day of Education in Prison - IDEP –  am 13.th Oktober !!!) wünschen wir uns, dass alle diejenigen, die etwas mit Bildung im Gefängnis zu tun haben, nach den verborgenen Qualitäten der Insassen Ausschau halten.  Wir sind auch der Meinung, dass Bildung im Gefängnis mehr als Qualifikationen bedeutet. Wenn man eine Tulpenknolle in der Hand hält, dann könnte man sie auch für eine Zwiebel halten; das müssen Sie wissen und das Potenzial dieser Knolle erkennen, Sie müssen begreifen, dass aus ihr eine Blume wird. Sie müssen sie pflanzen, gießen und düngen und Geduld haben, ihr die richtige Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen, und dann wird sie irgendwann blühen.

Diese Geduld sollte man auch mit Häftlingen aufbringen, die sich entschlossen haben, zu lernen. Wir müssen versuchen, ihr Potenzial zu erkennen und es offenzulegen. Für sie selbst und für andere. Das führt zwar noch nicht zu den richtigen Qualifikationen, aber es ist ein Anfang.

Vergessen wir nicht, was dies für ein großer Schritt ist!

Annet Bakker ist die erste gewählte Vorsitzende der  EPEA, ein Amt, das sie bis Juli 2019 ausüben wird. Annet unterrichtet seit fast 25 Jahren in Gefängnissen. Sie hat immer mit männlichen Häftlingen in Amsterdamer Gefängnissen gearbeitet. Von 2009 bis 2013 war sie die nationale Vertreterin der holländischen Gefängnislehrer.

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1 - 1 von 1 anzeigen
  • Bild des Benutzers Anna Ponikowska

    Bardzo ciekawy artykuł. Edukacja osób dorosłych odbywająca się w więzieniu powinna być obowiązkowa dla każdego osadzonego. Interesujące jest to, że w niektórych krajach więźniowie mogą otrzymać wynagrodzenie za edukację, szkoda, że nie ma takiej możliwości w każdym kraju. Osoby, które nie mają wykształcenia dzięki takiem spędzaniu czasu mogłyby zwiększyć swoje kwalifikacje.