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Angst, Bedrohung, Unsicherheit: Aktuelle Themen für Bildung – und der Zeitschrift „Erwachsenenbildung“

11/09/2019
by Michael Sommer
Sprache: DE

Titelseite EB 3-2019Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Was sind aktuell die größten Ängste der Deutschen? Bei einer Umfrage von 2018 gaben 69 Prozent der Bundesbürger/-innen an, dass sie sich vor der Politik von Donald Trump, die die Welt gefährlicher macht, fürchten – allen voran die Frauen (72 Prozent). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Ängste vor Konflikten und Überforderung durch Zuwanderung. Ebenso groß ist auch die Angst, dass sich das Verhältnis zwischen den Deutschen und den bereits hier lebenden Ausländern verschlechtert, wenn weitere Ausländer ins Land kommen. Die Furcht vor der Überforderung der Politik überspringt die 60-Prozent-Marke und steht damit auf Platz vier im Ranking. Groß ist auch die Angst, im Alter pflegebedürftig zu werden (Umfrage der R+V Allgemeine Versicherung).

Angst und Populismus

Wie schon an der Umfrage absehbar, ist die politische, aktuelle Dimension derzeit dominant. Entsprechend wird dieser Aspekt auch in diesem Heft aufgegriffen: Trotz oder auch wegen der großen Lebenssicherheit in Deutschland und Europa greift eine Furcht um sich, dass dieser Status aufgrund äußerer Einflüsse gefährdet ist. Ob Trump, die Globalisierung mit der Macht der Großkonzerne oder Digitalisierung – es werden äußere »Mächte« für diese Entwicklung verantwortlich gemacht. Populistische Parteien nutzen dies als fruchtbaren Boden für ihre Parolen – der Illiberalismus scheint eine passende Alternative zu sein, wie es Dr. Veith Selk (Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt) beschreibt Bildung und Wissen können diesem übergreifenden Gefühl kognitive Argumente entgegenstellen. Hier ist Erwachsenenbildung in der Pflicht, Aufklärungsarbeit zu leisten. (Heftbeiträge von Prof. Dr. Ulrich Papenkort, Universität Mainz und Hajo Petsch, Universität Würzburg). Eine besondere Ausformung ist die Angst vor Fremden, insbesondere vor Menschen aus anderen Kulturen, die zu uns kommen. Die Erwachsenenbildung kann durch jahrzehntelange Erfahrungen in der Integrationsarbeit und der interkulturellen Bildung einen großen Beitrag dazu leisten, diese Ängste abzubauen (siehe die Heftbeiträge von PD Dr. Barbara Schellhammer, Hochschule für Philosophie SJ und Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst, Universität Köln).

Trainings gegen Angst, Angst vor Prüfungen

Ein zweiter Aspekt des Themas, der in dem Heft deutlich wird, ist der persönliche Umgang mit der Angst. Trainings gegen Phobien und Angststörungen aller Art gehören ebenso dazu wie die Angst vor Prüfungen. Auch die persönliche Kompetenzstärkung kann einen großen Beitrag dazu leisten, eigene Ängste, etwa vor dem Jobverlust, zu verringern. Angst ist eine Emotion, die, wie andere Emotionen auch, in vieler Hinsicht unser Verhalten beeinflusst. Sie kann ebenso Motivation für Erwachsenenbildung sein wie Ursache, die eigenen Fähigkeiten nicht zu verbessern.

Rezensionen: 100 Jahre Volkshochschule

Die Rezensionen in dieser Ausgabe beschäftigten sich – neben aktueller Literatur zum Thema – mit dem 100-jährigen Jubiläum der Volkshochschulen. Drei Publikationen dazu werden von der Rezensentin Petra Herre genauer unter die Lupe genommen. So schreibt sie zu dem Buch von Josef Schrader und Ernst Dieter Rossmann „100 Jahre Volkshochschulen. Geschichten ihres Alltags“: Die Texte wecken historische Neugier und machen Lust auf Vertiefung und mehr Bildungsgeschichte. Besonders wertvoll als ‚Bild der Bildung‘ sind die Fotos, Faksimiles, Dokumente, Grafiken, Karikaturen, die die Beiträge illustrieren.

Beeindruckende Bilder von Künstlerinnen mit Psychiatrieerfahrung

Die beeindruckenden Illustrationen in diesem Heft stammen von zwei Künstlerinnen, die lange Jahre Patientinnen in geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen waren. Die Arbeiten hat die Sammlung Prinzhorn an der Psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg für das Heft ausgesucht und zur Verfügung gestellt. Die Sammlung mit ihrem Museum für Kunst von Menschen mit psychischen Ausnahme-Erfahrungen entstand aus einem weltweit einzigartigen Fundus des Kunsthistorikers und Psychiaters Hans Prinzhorn (1886–1933) während seiner Zeit als Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg. Seit 1980 wächst die Sammlung erneut durch Kunst von Psychiatrie-Erfahrenen. Der Bestand umfasst mittlerweile ca. 20.000 Werke.

Das Museum zeigt jährlich zwei bis drei thematische Ausstellungen. Ziel des Museums ist es, zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankung beizutragen. Als Teil des Universitätsklinikums Heidelberg versteht sich das Haus auch als wissenschaftliche Einrichtung, die das Schicksal der hier vertretenen Künstler und Künstlerinnen, ihre Werke und übergeordnete Fragestellungen erforscht.

Die Zeitschrift „Erwachsenenbildung“ wird von der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland herausgegeben. Sie erscheint vierteljährlich und ist über den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht zu beziehen.


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