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Blog

Erwachsenenbildung und das Arbeitsprogramm der Kommission für 2015: Was bisher geschah

29/01/2015
by Mary-Clare O'CONNOR
Sprache: DE
Document available also in: EN FR IT PL

Das am 16. Dezember vorgestellte Arbeitsprogramm der Europäischen Kommission für das Jahr 2015 wurde als neuer Start zu einer stärkeren Konzentration der EU auf Prioritäten und Ergebnisse angekündigt. Von diesem ersten Arbeitsprogramm der neuen Kommission unter ihrem Präsidenten Jean-Claude Juncker sollte ein Signal ausgehen, dass Schluss sein sollte mit „Business as usual“ und dass die Kommission sich in Zukunft auf die „großen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen“ konzentrieren wolle, also auf „Arbeitsplätze und Wachstum“. Was bedeutet das für die Erwachsenenbildung? Kann man überhaupt aus den bisher veröffentlichten Dokumenten irgendetwas zu diesem Bereich herauslesen?

Allgemeine und berufliche Bildung sind für zwei der neuen Initiativen in dem Programm besonders wichtig: für Arbeitsplätze, Wachstum und Investitionen sowie für den digitalen Binnenmarkt. Wie Kommissionpräsident Juncker in seinen politischen Leitlinien vom Sommer des vergangenen Jahres betont hat, sind allgemeine und berufliche Bildung ein wesentliches Element, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und um die Mängel der bisherigen Reformpolitik auszugleichen. „Die soziale Fairness“, so Juncker, sei nämlich „zu kurz“ gekommen. Gemeint sind damit die Nebenwirkungen von Wirtschaftsreformen, die während der Wirtschaftskrise durchgeführt wurden. Er wies auch darauf hin, dass Europa unzureichend auf das digitale Zeitalter vorbereitet sei und forderte eine „Verbesserung der digitalen Kompetenz und des digitalen Lernens in der Gesellschaft“.

Die Initiativen im Zusammenhang mit dem Arbeitsprogramm werden in den kommenden Monaten konkretisiert. Alles, was wir im Augenblick wissen, ist, dass mit dem 315 Mrd. teuren Investitionsplan, der ein zentrales Element der Arbeit der neuen Kommission ist, größtenteils strategische Investitionen mobilisiert werden sollen, die in der Lage sind, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Ermittlung dieser Investitionen befindet sich allerdings erst in einem Anfangsstadium. Aber die im September 2014 eingerichtete Sondertaskforce „Investitionen“ hat am 9. Dezember einen Bericht vorgelegt, in dem rund 2000 Projekte in der gesamten EU aufgelistet werden, mit einem Gesamtinvestitionspotenzial von ca. 1.300 Mrd. EUR.

Der Plan soll vor allem Projekte mit einer signifikanten kritischen Masse unterstützen. Daher ist es auch keine Überraschung, dass im Bereich allgemeine und berufliche Bildung vor allem solche Projekte unterstützt werden, die sich auf bedeutende Entwicklungen von Schule, Hochschule und digitalen Lerninfrastrukturen beziehen. Die Liste enthält auch einige Projekte, die sich auf Lehrlingsausbildung und berufsbegleitendes Lernen beziehen. Was jedoch auffällt, ist, dass es kaum Projekte gibt, die sich ausdrücklich auf lebenslanges Lernen oder Erwachsenenbildung beziehen. So enthält die Liste ein Projekt zur Entwicklung von MOOCs für Erwachsene in Griechenland und einen Fonds für lebenslanges Lernen in den Niederlanden. Noch seltener sind Projekte für Erwachsene, die mit besonderen Benachteiligungen zu kämpfen haben: Zu den wenigen Ausnahmen zählen ein Projekt für Erwachsenenlernen im Vereinigten Königreich für Menschen mit geistiger Behinderung und ein polnisches Projekt für den Aufbau einer betreuten Unterbringung und Ausbildung.

Zu diesem Zeitpunkt wäre es sicherlich nicht besonders klug, allzu viel in eine Liste von Projekten hineinzuinterpretieren, die laut Task Force innerhalb einer „ehrgeizig kurzen Zeit“ (etwa zwei Monate) zusammengestellt wurde. Diese Liste ist lediglich ein erster Schritt und nicht erschöpfend, außerdem enthält sie keine Projekte, die über die großen europäischen Fonds gefördert werden. Trotzdem sollten wir uns fragen, ob Erwachsenenbildung gut genug aufgestellt ist, um von dem Investitionsplan zu profitieren. Wie die Task Force in ihrem Bericht festgestellt hat, ist der Markt nicht in der Lage, die Nachfrage nach lebenslangem Lernen zu befriedigen, wodurch ältere Arbeitnehmer benachteiligt werden. Außerdem sind private Mittel nur begrenzt verfügbar, da es sich bei Investitionen in die Bildung um langfristige Investitionen handelt, die darüber hinaus nur eine geringe Rentabilität aufweisen. Außerdem ist die Frage berechtigt, ob zumindest einige Teile der Erwachsenenbildung überhaupt in der Lage sind, die großangelegten und gut strukturierten Programme zusammenzustellen, die für eine Förderung durch den Investitionsplan erforderlich sind.

Diese Projekte sind nur ein erster Schritt. Im Augenblick sind sie nicht mehr als erste Bausteine zu einem umfassenden Paket für Arbeitsplätze, Wachstum und Investitionen, sie können nicht als eine umfassende Strategie angesehen werden. Die Erwachsenenbildung hat also noch genügend Zeit, um sich für die Chancen, die dieser Plan bietet, zu rüsten. Wird sie das schaffen?

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 Andrew McCoshan war mehr als 20 Jahre in Bildung und Ausbildung tätig. In den letzten 10 Jahren hat er sich auf Bewertungen und Studien zur Strategieentwicklung für die EU konzentriert, und zuvor war er Berater im Vereinigten Königreich. Gegenwärtig ist Andrew freiberuflicher Berater, außerordentlicher Professor an der UK Higher Education Academy, ECVET-Experte für das Vereinigte Königreich und Mitglied der UK Education & Employers Taskforce Research Group.

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  • Bild des Benutzers Christian BERNHARD-SKALA

    Europe for Citizens und Grundtvig einschließlich einer Einschätzung finden Sie hier

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    Es handelt sich um eine Masterarbeit an der HU Berlin