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Blog

Gesellschaftliches Engagement schützt die Demokratie

04/04/2019
von Linda Juntunen
Sprache: DE
Document available also in: FI EN SV ET CS
Lesedauer circa 5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!
Originalsprache: Finnisch

Im Rahmen der EPALE-Themen 2019 werden in der Artikelreihe „Serious Adulting“ Expert*innen und Einsatzbereiche aus dem Bereich der Erwachsenenbildung vorgestellt. Die Expert*innen repräsentieren die vielfältige und umfassende Welt der finnischen Erwachsenenbildung und sind allesamt Mitglieder der Expertengruppe für Erwachsenenbildung der Finnischen Nationalagentur für Bildung.

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Meri Tennilä arbeitet seit über einem Jahrzehnt beim Educational Centre Visio. Visio ist eine nationale Erwachsenenbildungseinrichtung. Hier werden offene Kurse zu Themen wie organisationsinternes und ehrenamtliches Engagement angeboten, über Nachhaltigkeit informiert und die Bildungsarbeit ihrer Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartner gefördert. Das Bildungszentrum wird von der Green Cultural Association geleitet.

Das Educational Centre Visio entstand 1995, um durch Bildungs- und Kulturangebote grüne Werte zu fördern, so erklärt Koordinatorin Meri Tennilä. Bei Visio wird Bildung sowohl für Mitglieder der Grünen Partei als auch für die allgemeine Bevölkerung angeboten. In den letzten Jahren hat sich der Schwerpunkt der Arbeit auf Migrant*innen und andere Zielgruppen verlagert, bei denen ein Bedarf an Demokratiebildung besteht.

„Unser Ansatz ist nur eine der vielen verschiedenen Formen liberaler Erwachsenenbildung. Allem, was wir tun, liegt die Demokratiebildung zugrunde. So veranstalten wir zum Beispiel Alphabetisierungsschulungen für Migrant*innen und fördern ehrenamtliches Engagement“, sagt Tennilä

„Die Green Cultural Association leitet auch den Think Tank Visio, welcher die Aufgabe hat, durch fundierte Forschungsergebnisse politische Entscheidungsfindung zu unterstützen. So hat der Think Tank Visio kürzlich das Thema Grundeinkommen analysiert, um die Grünen bei der Entwicklung ihres Grundeinkommensmodells zu unterstützen“.

Demokratiebildung eröffnet Menschen mehr Möglichkeiten, soziale Themen sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene in Angriff zu nehmen. Dies kann in der Praxis unterschiedliche Formen annehmen. Die Positionen der Grünen bei diversen politischen Themen können diskutiert, rhetorische Kompetenzen und Verhandlungsstrategien geübt werden. Vor allem geht es aber darum, Raum für zwischenmenschlichen Diskurs zu schaffen.

„Die Arbeit von Politiker*innen alleine reicht nicht aus. Anders gesagt: Politik alleine wird die Welt nicht verändern. Wir brauchen auch, unter anderem, organisierte Angebote und ehrenamtliche Arbeit sowie ein Bewusstsein für Verbraucherverhalten. Wir bieten sogar Kurse zum Thema Naturkosmetik an“, sagt Tennilä.

Mitbestimmungsformen im Wandel

Die Arbeit des Educational Centre Visio beruht auf grüner Ideologie und den Prinzipien nachhaltiger Entwicklung. Ein eindringliches Beispiel für die Integration grüner Werte in die heutige Demokratiebildung ist die vielschichtige Herangehensweise von Visio beim Thema Nachhaltigkeit. Statt aus einer rein umweltpolitischen Perspektive wird das Thema aus diversen Blickwinkeln betrachtet. Letztendlich ist die beste Form der nachhaltigen Entwicklung, Menschen zum demokratischen Handeln zu befähigen.

„Jemand, der es nicht schafft, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern und Teil der Gesellschaft zu sein, hat keine Möglichkeit, zu positiven Veränderungen beizutragen. So gesehen ist es erstmal unwichtig, ob wir kompostieren und unseren Müll trennen “, sagt Koordinatorin Meri Tennilä.

Das Educational Centre Visio vermittelt Methoden und Instrumente, mit denen Menschen an alltäglichen Angelegenheiten teilhaben können. Man kann, zum Beispiel, in der eigenen Wohngenossenschaft mitwirken.

„Interaktion heißt auch Mitbestimmung. Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit sind nicht gerade einfach. Zudem scheint es eine ganze Welle von Gegenargumenten zu geben, die auf einen einprasseln. Es ist also wichtig, Sachverhalte auf persönlicher Ebene zu betrachten und zu erleben, um darüber diskutieren und verhandeln zu können. Extreme Meinungen führen nie zu irgendwas“.

„Das Ziel besteht vor allem darin, die Demokratie zu schützen und die individuellen Möglichkeiten der Mitbestimmung zu stärken. Mit anderen zusammenzuarbeiten trägt maßgeblich zum Frieden in einer Gesellschaft bei“, sagt Tennilä.

In den letzten paar Jahren haben sich die Formen der Mitbestimmung allerdings verändert. Meri Tennilä fällt auf, dass junge Menschen an traditionellem Mitwirken in Organisationen nicht mehr so interessiert sind wie früher. Heutzutage ist Social Media ein wichtiges Werkzeug für engagierte Bürger*innen. Viele Organisationen überlegen deshalb, wie sie positive Inhalte für das Internet produzieren können.

„Andererseits ist es schwierig, an genau diejenigen heranzukommen, die von solchen Bildungsangeboten am meisten profitieren könnten. Dies ist schon lange eine zentrale Herausforderung für Demokratiebildung. Beispielsweise stellen junge Menschen und Migrant*innen Zielgruppen dar, die nicht unbedingt aktiv nach Aus- und Fortbildung suchen. Mithilfe von Organisationen kann man diese Gruppen jedoch trotzdem erreichen. Deswegen müssen wir entsprechende Organisationen sowohl finanziell als auch pädagogisch unterstützen.

„Ich habe den Eindruck, dass politische Entscheidungsprozesse viele Menschen frustrieren. Entscheidungen werden zwar getroffen, aber die praktischen Ergebnisse stimmen oft nicht mit den Entscheidungen überein. Im günstigsten Fall nutzen die Menschen diesen Frust, um einer demokratischen Organisation beizutreten, in der sie dann selbst etwas verändern können. Wir tun also unser Bestes, um solche demokratischen Organisationen zu unterstützen“, fasst Meri Tennilä zusammen.

„Die Rigidität politischer Entscheidungsprozesse ist für manche schon frustrierend. Aber genau das kann dazu führen, dass alternative Möglichkeiten des Engagements ergriffen werden. Hier im Bildungszentrum ist es ja unsere Pflicht, auch diese neuen Mitbestimmungsarten zu fördern“.

Text: Juha Wakonen

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