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Kooperation in der Weiterbildung – wozu und auf welcher Ebene?

30/05/2016
от Redaktion Deuts...
Език: DE

von Andreas Martin

 

An die Zusammenarbeit zwischen Weiterbildungseinrichtungen und anderen Akteuren im Bereich der Bildung, der Wirtschaft und der Verwaltung knüpfen sich hohe Erwartungen. Die Koordination dieser Kooperationen stellt jedoch eine erhebliche Herausforderung dar. In diesem Zusammenhang rücken besonders regionale und kommunale Bildungsnetzwerke als vielversprechende Handlungsrahmen in den Fokus. In ihnen lassen sich bestimmte politische Ziele am besten erreichen. Doch der Reihe nach:

Was heißt Kooperation im Bereich der Weiterbildung?

Kooperation gehört schon immer zum Grundrepertoire bildungspolitischer Empfehlungen zur Gestaltung des Bildungswesens, so etwa in den Empfehlungen des Deutschen Bildungsrats von 1970. Während  solche Empfehlungen jedoch im Bereich der Schulen und Hochschulen lediglich eine Ergänzung von bestehenden Koordinationsstrukturen der Verwaltung anregen, sind Kooperationen im heterogenen und weitgehend unregulierten Bereich der Weiterbildung häufig die einzigen Formen abgestimmten Handelns.

Kooperationen sind im Weiterbildungsbereich weit verbreitet. Auf Ekkehard Nuissl geht die Unterscheidung in komplementäre, subsidiäre, supportive und integrative interorganisationale Kooperationen zurück. In komplementären Kooperationen geht es zu allererst um die wechselseitige Ergänzung fehlender Ressourcen während subsidiäre Kooperationen der Erhöhung der Effizienz und Effektivität dienen. Supportive Kooperationen richten sich auf die wechselseitige Unterstützung von ansonsten ganz unterschiedlichen Organisationen in einem spezifischen Aufgabenbereich. In integrativen Kooperationen schließlich werden gemeinsam Angebote, Konzepte oder Projekte entwickelt.

Kooperation in Netzwerken

Kooperationen finden in der Weiterbildung häufig nicht nur zwischen zwei singulären Einrichtungen statt, sondern sind in Netzwerke eingebettet. In solchen Netzwerken sind in der Regel nicht nur Einrichtungen der Weiterbildung verknüpft, sondern auch Organisationen der Wirtschaft, der Verwaltung, kulturelle Einrichtungen sowie Einrichtungen anderer Bildungsbereiche. Je nachdem, welchem Zweck Netzwerke dienen, definieren Wissenschaftler diese als Austausch-, Unterstützungs- und Interessennetzwerke, welche ergebnis- oder prozessorientiert sein können. 

Besonders intensive und systematische Kooperationen von Weiterbildungseinrichtungen und Einrichtungen anderer Bildungsbereiche sowie Organisationen aus Wirtschaft und Verwaltung werden in jüngerer Zeit im Rahmen des kommunalen Bildungsmanagements etabliert. Zentrale Ziele sind hier die Einrichtungen eines kommunalen Bildungsmonitorings, gemeinsame Bildungsberatung, ein systematisches Übergangsmanagement zwischen den Bildungsbereichen sowie eine regionalspezifische Ausrichtung auf Schwerpunkthemen wie Demographie, Familie, Integration, Wirtschaft und Kultur.                

Was leisten Kooperationen?

Die Erwartungen an Kooperationen sind vielfältig. Ganz unmittelbar erhoffen sich Weiterbildungseinrichtungen vor allem Synergien, einen erleichterten Zugang zu Informationen, mehr Flexibilität im Umgang mit Marktrisiken, den Zugang zu Fördermitteln und die Beteiligung an Projekten, die Erschließung bisher nicht zugänglicher Teilnehmerpotentiale sowie die Entwicklung innovativer Bildungsformate und eine Verbesserung der Qualität bestehender Angebote.  

Auch für die Bildungspolitik sind Kooperationen ein geeignetes Mittel, um Akteure im Bereich der Weiterbildung auf gewünschte Zielzustände auszurichten. Dazu werden Projekte und Initiativen zur Etablierung von Netzwerken gefördert. Von grundsätzlichem Interesse ist dabei die Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung sowie spezifischer Zielgruppen. Zudem sollen

  • die Passung von Angebot und Nachfrage verbessert,

  • die Einbindung von bisher ungenutzten gesellschaftlichen Potentialen für bildungspolitische Zwecke gewährleistet,

  • konsistente Bildungslandschaften vor Ort entwickelt und

  • die öffentliche Finanzierung von Weiterbildung effizienter gestaltet werden.

Besonders hohe Erwartungen richten sich auf das kommunale Bildungsmanagement. Hier sollen im Rahmen der Umsetzung einer Strategie des Lebenslangen Lernens die Akteure in allen Bildungsbereichen, der Wirtschaft  sowie der Verwaltung so  koordiniert werden, dass  dem individuellen Bedarf angepasste, qualitativ hochwertige und gut zugängliche Bildungsangebote zur Verfügung gestellt, Übergänge zwischen den Bildungsbereichen erleichtert und Zugangsbarrieren abgebaut werden können. 

Wie kann Kooperation koordiniert werden?

Eine zentrale Herausforderung für die Bildungspolitik ist die Koordination von Kooperationen zwischen den Akteuren in der heterogenen Weiterbildungslandschaft. Als besonders geeigneter Handlungsrahmen haben sich dabei Regionen und Kommunen erwiesen. Hier können Akteure unmittelbar vor Ort auf die Lösung lokaler Herausforderungen ausgerichtet werden. In Netzwerkinitiativen wie den „Lernenden Regionen“, dem „Hessencampus“, oder den „Weiterbildungsverbünde in Schleswig-Holstein“ wurden Weiterbildungseinrichtungen in Netzwerken kleinräumig zusammengefasst und Kooperationen vor Ort initiiert. Als besonders relevant für die Koordination von Akteuren der Weiterbildung und das Weiterbildungsverhalten der Bürger haben sich dabei die Gebietskörperschaften der Kreise und Kreisfreien Städte erwiesen, wie im 2015 erschienenen Deutschen Weiterbildungsatlas nachzulesen ist. Hier gelingt es auch, Bevölkerungsgruppen mit spezifischen Teilnahmebarrieren zu erreichen, wie in einem aktuellen Beitrag in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft erläutert.  

 

Andreas Martin ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungs- und Entwicklungszentrum des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen im Programmbereich „System und Politik“. Er war beteiligt am Deutschen Weiterbildungsatlas.

 

 

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