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Silent University Hamburg

12/09/2015
от Marenka Krasomil
Език: DE
Document available also in: FR EN FI

„Especially asylum seekers and refugees with academic qualifications don’t need anyone to lend their voice to them – they already have it, but it is a systemically oppressed and muted voice. So instead of waiting for accreditation, legitimisation, and recognition by the authorities, they can take immediate action by self-organisation, a short of autogestión, and taking these as a collective issue to address.“[1]

 

Das von der deutschen Politik verhängte Arbeitsverbot für Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstaus und die erschwerte Anerkennung von Abschlüssen und Ausbildungen, hindert  Menschen daran, ihre Fähigkeiten und beruflichen Qualifikationen in Deutschland einzusetzen um ein selbstbestimmtes Leben, zu führen, das nur durch Lohnarbeit ermöglicht wird. Im Prozess der Wartens auf Anerkennung, der sich meist über einen langen Zeitraum erstreckt, wird das vorhandene Wissen zum Schweigen gebracht und ist dadurch regelrecht zum Verschwinden verurteilt.

Die Silent University Hamburg, die gemeinsam mit AkademikerInnen aus aller Welt gegründet wurde, setzt diesem stummen Stillstand eine Lehr- und Lernplattform entgegen. Sie ist für all jene offen, die ihr „zum Schweigen gebrachtes Wissen“ durch Vorträge reaktivieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchten. AsylbewerberInnen, Geflüchtete und MigrantInnen werden zu DozentInnen und BeraterInnen. Silent University Hamburg schafft einen Raum für Anerkennung und Vernetzung. Zugleich erweitert es den hegemonialen Wissenskanon des Globalen Nordens.

Unter dem Titel Public Seminars startete im Februar 2015 eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen. Den Auftakt machte Abimbola Odugbesan (Dozent Silent University Hamburg) mit einem Vortrag zur Geschichte der Sklaverei in Westafrika, in dem er auf deren Auswirkungen bis in die globalisierte Gegenwart verwies. Als Gäste waren die Politikwissenschaftlerinnen Nikita Dhawan und Maria do Mar Castro Varela eingeladen, die am gleichen Abend die Bedeutung von Bildung für eine dekoloniale Perspektive darlegten und zeigten, wie aktuelle hegemoniale Strukturen neu konfiguriert werden können. Dabei plädierten Dhawan und Castro Varela für eine politische und ökonomische Umgestaltung, die besonders mit den Methoden einer ästhetischen Erziehung[2] ermöglicht und einen epistemischen Wandel befördert könne.

Es folgten Vorträge von Alain-Aime Hatungimana zur Völkerfreundschaft zwischen der Republik Burundi und der Sowjetunion, von Ayhan Taşdemir zu marginalisierter Männlichkeit, von Ismail Mosa zur politischen Situation des Somalilandes und von Salah Zater zu Meinungsfreiheit im Kontext der Revolution in Libyen.

The Silent University wurde erstmals 2012 von dem Künstler Ahmet Öğüt in London initiiert und wird seitdem auch in anderen Städten weltweit realisiert. Auf der Projektwebseite wird unter den „Principles and Demands“[3] das Selbstverständnis dieser selbstorganisierten Lehr- und Lernplattform als Manifest dargelegt. Hier wird das „Recht auf Lehre für alle“ gefordert, „die sofortige Anerkennung der akademischen Ausbildung von Flüchtlingen und Asylsuchenden“ und „das solidarische Verhalten zu Flüchtlingsinitiativen sowie Kollektiven, weltweit“. Darüber hinaus wird ein partizipatorischer Ansatz in der Teilnahmestruktur proklamiert, sowie ein auf lange Zeit angelegtes Engagement in pädagogischer Praxis, das sich von kurzweiligen Projekten und Workshops abhebt. Ebenso wird eine Revolution im Namen dekolonialer Pädagogik gefordert, wobei  hier auf die  Sichtbarmachung westlich dominierter Hegemonien Bezug genommen wird. In diesem Kontext lassen sich auch deutliche Referenzen zu alternativen Bildungsformen erkenne, die etwa in Paulo Freires „Pädagogik der Unterdrückten“ der 1960er Jahre verankert sind.

Wie aus dem Eingangszitat von Ahmet Öğüt hervorgeht, erheben AkademikerInnen die als Flüchtlinge oder als „irreguläre“ MigrantInnen in Deutschland leben, ihre Stimme mit Silent University Hamburg entgegen staatlich verordneten Stillschweigen und dem damit verbundenen Ohnmachtsgefühl. Flüchtlingen sind Menschen, die selbstbewusst für Bleiberecht und damit für die unabhängige Entwicklung ihrer Persönlichkeit einstehen. Damit kehren sie das Integrationsparadigma um: Nicht Lernangebote zur Integration werden absolviert, vielmehr Angebote zum Wissensaustausch und zur Teilhabe von TeilnehmerInnen unterschiedlicher Herkunft geschaffen.

Interessierte und diejenigen ohne Flüchtlingserfahrung oder akademische Ausbildung können sich als Studierende auf der Homepage von The Silent University kostenlos einschreiben.

 

Fragen: Welche Potenziale hat eine selbstorganisierte Universität für deren Studierende wie Lehrende? Mogelpackung oder wie viel Akademie steckt in The Silent University? Was kommt nach The Silent University?


[1]  Kunak, Göksu: The Silent University, dort datiert 26.11.2013, http://www.sleek-mag.com/showroom/2013/11/the-silent-university/ [17.08.2015].
 

 

[2] vgl. Gayatri Spivak
 

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