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Erster Tweet mit 91 Jahren ... denn man lernt nie aus

23/08/2019
by Nina Woderska
Език: DE
Document available also in: PL FR

Dass der Unterricht das ganze Leben lang andauert, habe ich bereits im ersten Jahr meines Pädagogikstudiums erfahren. Von einem Dia. Bei einer Vorlesung. Bei den Seminaren haben wir noch Auszüge aus dem für die UNESCO erstellten Bericht der Internationalen Kommission für Bildung für das 21. Jahrhundert unter dem Vorsitz von Jacques Delors mit dem Titel: „Erziehung und Bildung, ein Schatz ist darin verborgen“ (auch Delors-Bericht genannt) gelesen, um dieses Thema zu vertiefen und es durchzudiskutieren. Wir waren uns alle einig, dass wir tatsächlich nie auslernen und… gingen nach Hause.
   
Ich habe mehrmals beobachten können, dass es sich weder um eine simple Redensart noch um einen Slogan handelt, sondern eine Tatsache und einen Prozess, der in verschiedenen Situationen – nicht nur in der Schule – stattfindet. Darüber hinaus wurde mir erst Jahre später auf der Grundlage dieser Beobachtungen und Erfahrungen bewusst, was auch im letzten UNESCO-Bericht zu lesen ist, dass lebenslanges Lernen nicht nur für den Einzelnen (d. h. für mich oder für euch, liebe Leserinnen und Leser), sondern auch für Städte, Nationen und Länder wichtig ist. Lebenslanges Lernen trägt zu sozialer Gerechtigkeit, nachhaltiger Entwicklung und Weltbürgertum bei[1].

  
Um diesen Prozess noch besser verstehen zu können und vor allem um die mehrdimensionale Bedeutung zu verinnerlichen, brauchte ich Zeit. Ich musste auch an mehr als einer Bildungssituation teilnehmen, in der man mir sagte fertiges Wissen vermittelte. Diese Lebenserfahrung hatte einen signifikanten Einfluss auf die Übernahme dieser Lernperspektive[2].  

  
Lebenserfahrung ist eine Kategorie, die Senioren besonders nah ist. Wie Tomczyk (2015, S. 64) feststellt, resultiert die Bildungsaktivität im Alter aus der bisherigen Tätigkeit in diesem Bereich. Nehmen wir als Beispiel Brian May, den Gitarristen der legendären Band Queen, der 2007 nach 37 Jahren Pause im Alter von 60 Jahren seine Doktorarbeit mit dem Titel „Eine Untersuchung von Radialgeschwindigkeiten im interplanetaren Staub“ verteidigte und in Astrophysik promovierte[3], oder die pensionierte französische Geografie- und Geschichtslehrerin Colette Bourlier, die im Alter von 90 Jahren promovierte[4] oder den Notar und pensionierten Professor Miguel Castillo, der im Alter von 80 Jahren wieder Student wurde und am Erasmus+ Programm teilnahm[5].

  

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Photo by Deleece Cook on Unsplash

  

Anders ausgedrückt: im Alter lernen meistens die Senioren, die es auch vorher gerne getan haben. Ich fand es lohnend, im Kontext der vier Säulen der Bildung als Vorbild gerade die Senioren zu setzen, die lernen, um Wissen zu erwerben, um zu handeln, um zusammen zu leben und um zu sein[6].

  
Daher lohnt es sich, die Säulen der Bildung, auch im Kontext der neuen Technologien und der Seniorenuniversitäten, genauer zu betrachten, dank derer die Senioren durch ihre Bildungstätigkeit den sozialen und technischen Raum und die Funktion in der Informationsgesellschaft besser verstehen können[7].


Laut Angaben des Główny Urząd Statystyczny (Hauptamtes für Statistik) waren in Polen im Jahr 2018 640 Seniorenuniversitäten tätig, deren Haupttätigkeit in der Bildung, Integration und Aktivierung von älteren Menschen zwecks Verbesserung derer Lebensqualität und Erhöhung ihrer Beteiligung am gesellschaftlichen Leben besteht[8]. Ihr Angebot ist breit gefächert: Neben Vorträgen und Seminaren bieten sie unter anderem die Teilnahme an Interessenkreisen, kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen oder Aktivitäten für Bedürftige sowie Sport- und Bewegungsaktivitäten, Sprach- oder Computerkursen, Ausflügen oder Touren[8].

Die Senioren können dort:
·    lernen, um Wissen zu erwerben, d. h. Werkzeuge zum Verständnis zu gewinnen; neues Wissen zu erlangen, um die Umgebung und sich selbst zu verstehen;
·    lernen, um zu handeln, d. h. sich auf eine effektivere und effizientere Nutzung des gesammelten Wissens vorzubereiten, persönliche und kompetente Eigenschaften zu formen, die den Menschen vor einem Gefühl der Hilflosigkeit schützen und es ihm ermöglichen, sich schnell an die sich verändernde Realität anzupassen;
·    lernen, um zusammen zu leben, d. h. in Harmonie miteinander zu leben, Konflikte durch den Erwerb von Mediation, Verhandlung und sozialer Kompetenz auf der Grundlage von Akzeptanz und Toleranz zu lösen;
·     lernen um sein zu können, d. h. nach voller Entwicklung streben, Kompetenzen erwerben, um im umgebenden Raum frei zu funktionieren[9].
   
„In einer Situation, in der es in Seniorenuniversitäten insgesamt 113 Tsd. Plätze gibt, können gerade Mal 1,4% der Senioren deren Angebot wahrnehmen. – Deshalb warten so viele Interessierte in der Schlange – sagt Prof. Piotr Błędowski von der Polnischen Gesellschaft für Gerontologie[10].

  
Neue Technologien können somit eine Alternative darstellen. Laut Tomczyk bezieht sich die Bildungssäule lernen, um Wissen zu erwerben auf die Erinnerung an bereits erworbene Informationen, Kenntnisse, Fähigkeiten zur Anwendung von Aktionen und Operationen im Zusammenhang mit Suche, Programmierung, Information und Wissensverarbeitung. Die spezifischen Eigenschaften der neuen Medien sind daher eine ausgezeichnete Grundlage für die Umsetzung der dargestellten Annahmen in die Praxis.“[11].

  
Auch im Bildungsbereich, dessen Kern das Lernen zur Vorbereitung auf das Handeln ist, weist der Autor auf neue Technologien und die Notwendigkeit hin, verschiedene E-Services (E-Gouvernement, E-Communication, E-Commerce oder E-Banking) kennenzulernen und zu nutzen. Diese Dienstleistungen werden immer häufiger angeboten und dem ältesten Teil der Gesellschaft gewidmet. Das Lernen des Zusammenlebens hat der Autor treffend mit der Überwindung generationenübergreifender Barrieren verbunden, die sich aus dem Besitz (durch junge Menschen) oder dem Mangel (durch ältere Menschen) von digitalen Kompetenzen ergeben[12].
   
Zusammenfassung
„Gerne teile ich Ihnen mit, dass ich in diesem Jahr ich im Juli 88 Jahre alt werde. Mein Auto habe ich verkauft. Ich nutze ein Elektrofahrrad. Ich fliege zu meinem Sohn nach Warschau mit der Fluglinie Lot. Auf Reisen gehe ich mit dem Klub Cybinka. Ich habe ein Herzleiden. Meine beste Medizin ist Frohsinn. Gruß Mieczysław“.
Ich habe eine solche E-Mail von Herrn Mieczysław erhalten, der die vier Säulen der Bildung sehr gut kennt - nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis. Seit über einem Dutzend Jahren erstellt er mit Leidenschaft seine eigenen Multimedia-Präsentationen. Je nach Idee, Hauptthema und Bedarf lernte Herr Mieczysław (nach der Versuch-Irrtum-Methode), wie man Dias erstellt und diesen Bilder und Ton (sowohl gesprochene Sprache als auch Musik) unterlegt. Vor einigen Jahren habe ich selbst das Vergnügen gehabt, an einem der Projekte mit dem Titel „Augen“ teilzunehmen. In diesem haben wir zusammen mit Mitgliedern des Seniorenclubs Sprüche mit den sprichwörtlichen Spiegeln der Seele rezitiert. 

  
Herrn Mieczysław fragte ich nach seinem Alter nicht als Neugierde, sondern Interesse nachdem ich vernommen hatte, dass Queen Elizabeth ihre erste Twitter-Nachricht im Alter von 91 Jahren veröffentlicht hatte![13]

  
Laut der Internationalen Kommission für Bildung für das 21. Jahrhundert unter dem Vorsitz von Jacques Delors sollte jede der vier Säulen des Wissens in der strukturierten Bildung gleichermaßen berücksichtigt werden, damit Bildung als eine globale und ganzheitliche Erfahrung sowohl kognitiv als auch praktisch für jeden Bürger als Person und als Mitglied der Gesellschaft angesehen werden kann[14]. Wichtig ist, dass eine auf diesen Säulen basierende Seniorenbildung dazu beitragen kann, das hohe Maß an Entfremdung älterer Menschen zu verringern sowie die Qualität der ihnen angebotenen Dienstleistungen zu erhöhen und zu verbessern[15].
  

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dr Nina Woderska - Doktor der Sozialwissenschaften im Bereich der Pädagogik. Wissenschaftlerin und Trainerin für Gemeinschaftskunde. Animateurin von Freiwilligentätigkeit und seniorenfördernden Tätigkeiten. Dank der Verbindung der Arbeit eines Mitglieds der Selbstverwaltung und einer Projektleiterin in Nichtregierungsorganisationen engagiert sie sich vielseitig für die generationenübergreifende Integration und soziale Integration. Autorin wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Veröffentlichungen. Ihr Wissen teilt sie gerne nicht nur mit Studenten, sondern auch mit Jugendlichen, Senioren, Firmenangestellten oder Häftlingen. Sie ist ständig auf der Suche nach neuen Inspirationen und beruflichen Herausforderungen, weshalb sie 2019 die Pracownia Integracji Pokoleń (Werkstatt für die Integration von Generationen) gegründet hat. EPALE-Botschafterin.

  

Bibliographie

[1] ANNUAL REPORT 2018 UNESCO Institute for Lifelong Learning pobrane: http://uil.unesco.org/sites/default/files/doc/Info/uil_annual_report_2018.pdf  (12.04.2019)

[2] Hejnicka-Bezwińska, T. (1996). Związek teorii pedagogicznej z praktyką edukacyjną. Bydgoszcz: Wydawnictwo Wyższej Szkoły Pedagogicznej w Bydgoszczy, https://repozytorium.ukw.edu.pl/handle/item/2386 (12.04.2019)

[3] Brian May Biography, https://www.biography.com/people/brian-may-20970809 (8.04.2019)

[4] 90-latka obroniła doktorat. Pracę w całości napisała odręcznie, https://dobrewiadomosci.net.pl/10408-90-latka-obronila-doktorat-prace-w-... (15.04.2019)

[5] 80-letni student z Hiszpanii uczestnikiem programu Erasmus+! (2018), https://erasmusplus.org.pl/aktualnosci/80-letni-student-z-hiszpanii-ucze... (15.04.2019)

[6] Delors, J. (1996). Edukacja: jest w niej ukryty skarb. UNESCO, https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000109590 (02.04.2019)

[7], [11], [12] Tomczyk, Ł. (2015). Edukacja osób starszych. Seniorzy w przestrzeni nowych mediów. Warszawa: Difin, S. 56-64.

[8] Seniorzy  w kolejce na uczelnie. Uniwersytety Trzeciego Wieku są oblegane (2019), https://forsal.pl/artykuly/1407795,seniorzy-w-kolejce-na-uczelnie-uniwersytety-trzeciego-wieku-sa-oblegane.html?fbclid=IwAR0M1b0AHCli3FXuhhW01PeuNWsZYneFbmIIZO0rUFAjn82RsntwgirE_wY (15.04.2019)

[9] Hejnicka-Bezwińska, T. (2008). Pedagogika ogólna. Warszawa: Wyd. Akademickie i Profesjonalne, S. 155-158.

[10] Główny Urząd Statystyczny (2019). Uniwersytety trzeciego wieku w Polsce w 2018 r., https://stat.gov.pl/obszary-tematyczne/edukacja/edukacja/uniwersytety-trzeciego-wieku-w-polsce-w-2018-r-,10,2.html (12.04.2019)

[13] Pierwszy tweet królowej ! „Mam nadzieję, że będzie się podobać. Elżbieta R.” (2014), https://www.polishexpress.co.uk/mam-nadzieje-ze-bedzie-sie-podobac-elzbi... (8.04.2019)

[14] [6] Delors, J. (1998). Edukacja: jest w niej ukryty skarb. Warszawa: Wyd. Stowarzyszenie Oświatowców Polskich.

[15] Załącznik do uchwały Nr 160/2013 Rady Ministrów z dnia 10 września 2013 r. Perspektywa uczenia się przez całe życie, Warszawa, wrzesień 2013, https://archiwum.men.gov.pl/wp-content/uploads/2014/01/plll_2013_09_10za... (10.04.2019)

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